Rettet Ferdinand Piëch unsere Renten?
Rettet Ferdinand Piëch unsere Renten?
 

Schuldendienst und Eurokrise

Wie die Autoindustrie den Euro stürzen könnte und was Ferrari und Ferdinand Piëch damit zu tun haben.

23.05.2013 Online Redaktion

Kurzer Ausflug in die Finanzpolitik. Ein überschuldetes Unternehmen könnte gerettet werden, indem die Gläubiger einem Schuldenschnitt zustimmen. Zum Beispiel könnten Banken und Investoren auf die Hälfte des geliehenen Geldes verzichten. Das im Hinterkopf seien ein paar Zahlen genannt.

Laut dem deutschen „Manager Magazin“ belaufen sich die Schulden von PSA auf 24.880.000.000 Euro. Sprich: 24,9 Milliarden Euro. Bei Fiat sind es 26.040.000.000. Sprich 26 Milliarden.

Die Eurokrise und die Autoindustrie

Der informierte Leser hat gemerkt: diese Schuldenschlaglöcher liegen ausgerechnet im ohnehin angeschlagenem Italien und im finanziell taumelndem Frankreich. Man stelle sich vor, die dortigen Banken müssten die Hälfte dieser Summen abschreiben… Und das ist nur die Autoindustrie. In Spanien gibt es noch die Telefonica (55,1 Milliarden Euro Schulden), in Italien lauert der Energieversorger Enel (56,7 Milliarden Schulden).

Sergio Marchionne muss nur bis zur Rente (von Montezemolo) durchhalten.

Sergio Marchionne muss nur bis zur Rente (von Montezemolo) durchhalten.

Die Ratingagentur Moody´s hat die Schulden der Unternehmen mit deren Gewinn vor Steuern in Relation gesetzt und die angesprochenen Unternehmen auf eine Stufe mit Griechenland gesetzt. Das Problem an diesen Schulden ist, dass praktisch jeder verdiente Euro dazu verwendet werden muss, um Zinsen und Tilgung zu bedienen. Das Lied vom Wachstum ist damit freilich nicht zu singen. Investitionen und neue Produkte bleiben aus, der Abstand zur Konkurrenz wird größer, die Einnahmen sinken.

Das ist alles eher theoretisch. Peugeot stemmt sich noch gegen den Trend und zeigte den neuen Peugeot 308, die DS-Linie bringt Profit und Werksschließungen wie in Aulnay sollen die Kosten senken.

Fiat kann sich dank der Chrysler-Übernahme etwas entspannen. Die Amerikaner schaufeln, aufmunitioniert von zweistelligen Wachstumsraten, das Geld nach Europa. Und dann gibt es da noch Ferrari. Die Marke spielt in den Rettungsplänen von Sergio Marchionne noch keine Rolle. Das liegt allerdings nur daran, dass Luca di Montezemolo dort der Chef ist und sich jedes Einmischen von egal wem verbittet. So lange nicht der liebe Gott persönlich klingelt, wird er keine Anfragen beantworten.

Fiat rettet sich in der Eurokrise selbst

Montezemolo wird für 2013 die Produktion zurückfahren, weil die Gebrauchtwagenpreise der Marke wackeln. Das kann nicht sein. Begehrlichkeit durch Verknappung. Billiger als neu soll man einen Ferrari nicht bekommen können. Dazu kommt, dass Montezemolo eine umfangreichere Gleichteilestrategie verboten und ein viertüriges Modell ausgeschlossen hat. Es funktioniert. Mit gerade einmal 7318 verkauften Autos hat Ferrari im vergangenen Jahr 350 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet.

Luca di Montezemelo - der wahre Herrscher in Italien.

Luca di Montezemelo – der wahre Herrscher in Italien.

Auftritt Marchionne. Der zürnt, ob der Kompetenz-Überschreitung von Montezemolo und kokettiert mit zwei Möglichkeiten – Ferrari verkaufen oder an die Börse bringen. Montezemolo selbst ist mittlerweile 66 Jahre alt und dürfte sich schon Gedanken über einen ehrenvollen Rückzug gemacht haben.

Derweil freut sich Ferdinand Piëch. Der macht, als Ferrarista, der er ist, keinen Hehl daraus, die Marke jederzeit übernehmen zu wollen. Mindestpreis derzeit: fünf Milliarden Euro. Überspitzt formuliert: Ferdinand Piëch könnte unsere Spareinlagen retten.

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