1955 Zeitmaschine Goggomobil Was noch geschah
Stirling Moss sollte nie Weltmeister werden.
 

1955 – Was noch geschah: Schnee von morgen

Die Kultur, die das Jahr 1955 prägte.

18.07.2011 Autorevue Magazin

Wissenschaft:
Ab 5. Juni 1955 kann sich beim Zuspätkommen niemand mehr auf lasche Technik ausreden: Die erste wirklich taugliche Atomuhr geht in Betrieb, aber eben nicht auf Handgelenken, sondern am National Physical Laboratory in Großbritannien. Bahnbrechendes geschieht in der Luft: Die Dassault Super Mystère durchbricht als erstes europäisches Flugzeug die Schallmauer, ist darüber hinaus aber nicht so wahnsinnig revolutionär. Ebenfalls aus Frankreich kommt der Hubschrauber Aluette II, mit dem Jean Boulet am 6. Juni 8209 m hoch fliegt, Höhenrekord unter den Hubschrauberisten.

Eisenhower:

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Erst im Planungsstadium befindet sich der erste Erdsatellit, dessen Verwirklichung US-Präsident Dwight D. Eisenhower als nationalen Beitrag der USA zum Interna­tionalen Geophysischen Jahr in Aussicht stellt. Schon wieder abgeschaltet wird einer der ersten Computer: Mit ENIAC (Electronical Numerical Integrator and Computer), dem ersten rein elektronischen Universalrechner, groß wie ein üppiges Zimmer, hatte die US-Army seit 1942 ballistische Tabellen erstellt. Ihre Zukunft erst vor sich hat die Schneekanone, deren Prinzip 1955 zufällig entdeckt wird.

Sport:

In der Formel 1 ist Mercedes abermals dominant, und der Star des Teams ist 44 Jahre alt: Juan Manuel Fangio ist den jungen Fahrern dermaßen überlegen, dass er zum dritten Mal Weltmeister wird, zwei weitere Titel sollen noch folgen, der Rekord erst von Michael Schumacher gebrochen werden.


Fangio wird zum dritten Mal Weltmeister:

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Zweiter im Team ist Stirling Moss, bis heute gilt er als erfolgreichster Fahrer, der niemals Weltmeister wurde. Eishockey-Weltmeister wird auch Deutschland nicht, aber immerhin darf die Bundesrepublik die Eishockey-WM austragen, als eines der ersten sportlichen Großereignisse nach dem Krieg. Kanada gewinnt, Rivale UdSSR wird Zweiter und damit immerhin Europameister. Gemütlicher wird in Österreich auf Eislaufschuhen gestanden, und zwar bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft, wiewohl das Jahr überhaupt reich ist an Meisterschaften: In Utrecht, Niederlande, wird die Tischtennis-WM ausgetragen, letztmals tritt das Saarland, damals noch irgendwie in Schwebe zwischen Frankreich und Deutschland, mit einer eigenen Mannschaft an. Dafür waren die beiden Deutschländer mit einer gemeinsamen Mannschaft am Start.

Louison Bobet:

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Zum dritten Mal hintereinander gewinnt Louison Bobet die vom 7. bis 30. Juli stattfindende Tour de France, schon im Juni ist der bislang schwerste Unfall des Motorsports zu beklagen: Bei den 24 Stunden von Le Mans fliegt der Mercedes des Franzosen Pierre ­Levegh nach einer Kollision in die Tribünen, die brennenden Wrackteile reißen neben dem Piloten 81 Zuschauer in den Tod. Mit Jahresende zieht sich Mercedes aus dem Rennsport zurück.

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Film & Musik:

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Romy Schneider sagte später, die Rolle pappe ihr Leben lang wie Grießbrei an ihr, was aber dem Publikum egal ist: „Sissy“, 1955 erstmals gezeigt, wird zum zweiterfolgreichsten Heimatfilm (nur „Der Förster vom Silberwald“ hat noch mehr Zuschauer), zwei weitere ­Teile werden bis 1957 vom Publikumsinteresse eingefordert. ­Weniger lieblich verläuft die Handlung in „Rififi“, einem Film Noir mit 32-minütiger Einbruchsszene.

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Nicht ganz ohne Opfer kommt auch der Psychothriller „Die Teuflischen“ aus, er sollte stilbildend für ­weitere düstere, albtraumhafte Filme sein. Musikalisch steht 1955 wieder einmal im Zeichen des drohenden Unterganges des Abendlandes, diesmal ausgelöst von Hüftbewegungen: Elvis Presley wechselt 1955 von Sun-Records zu RCA, was den Beginn einer internationalen Karriere und auch einer langen ­Regentschaft seines Managers Colonel Tom Parker markiert. Parker lässt alle Elvis-Songs so lange verändern, bis sie auch seiner deutlich konservativ gesinnten Ehefrau gefallen.

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