Spyker Victor Muller drei 3 Milliarden Dollar Klage gegen GM General Motors
 

Ruhe in Unfrieden

Saab ist tot. Warum jetzt diese 3-Milliarden-Dollar-Klage?

28.09.2012 Autorevue Magazin

Mit dem Tod, das wissen wir, ist selten alles zu Ende. Für gewöhnlich muss erst noch das Ableben verwaltet, das Hab und Gut verteilt, die Schulden beglichen werden. Und dann kehrt Ruhe ein. Ruhe? Von wegen. Stehen nach der großen finalen Abrechnung die Anteile fest, muss jeder schauen, wie er damit leben kann. Hat einer zu Lebzeiten viel bekommen, wird er es gerne gut sein lassen. Die Spätgekommenen aber, die sich an Krankheit und Siechtum abgearbeitet haben, in der Hoffnung auf eine doch noch gedeihliche Zukunft, werden sich eher über den Tisch gezogen fühlen. Und keine Ruhe geben.

So wie Spyker. Neun Monate nach dem Bankrott von Saab hat der letzte Eigentümer der Schweden jetzt General Motors auf drei Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt. GM habe Saab vorsätzlich sterben lassen, sagt Spyker. Die Amerikaner hatten sich geweigert, dem chinesischen Investor Youngman, der Saabs letzte Hoffnung war, die Produktionslizenzen für Saab-Modelle zu übertragen. Der Deal war daraufhin geplatzt, Saab musste zusperren, und Spyker-Boss Victor Muller stand vor den Scherben seines tolldreisten Unterfangens, Saab retten zu wollen.

Kann Muller seine Niederlage nicht verwinden? ­Warum die Klage? Victor Muller ist Anwalt und als Investment-Unternehmer gleichermaßen hartnäckig wie gerissen, wenn es um das Verfolgen eines Zieles geht. Der Kauf von Saab war schon ein Kraftakt. Muller musste ­seinen langjährigen Geschäftspartner Wladimir Antonow auszahlen, weil die Amerikaner sich an einem Russen als Miteigentümer stießen. Und dann die Sache mit den Chinesen. GM sah zu, wie seine ehemalige Tochter samt ihrem neuen Eigentümer am ausgestreckten Arm langsam verhungerte.

Die freie Marktwirtschaft kennt keine Moral. Der Stärkere trägt den Sieg davon. Spyker will in einigen Punkten am Vorgehen von GM Rechtsverletzungen ausgemacht haben. Wenn man davon auch das amerikanische Gericht überzeugen kann, bei dem die Klage Anfang August eingebracht wurde, würde GM einmal den Kürzeren ziehen. David gegen Goliath. Auch wenn es auf einen Vergleich und damit keineswegs ausgleichende Gerechtigkeit hinauslaufen würde: Diesem Szenario könnte man durchaus Sympathie abgewinnen.
Susanne Hofbauer

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