Saab 900 Cabrio
Das Auto an sich ist da eigentlich nebensächlich.
 

Thors Hammer

Von: 1990. Mit: 318000 km. Für: min. € 1.121,- Mehr rhetorisch als fahrbereit.

30.03.2012 Online Redaktion

Manchmal bleibt uns Schreibern nichts mehr zu tun. Es reicht, den Original Anzeigentext wiederzugeben. Also bitte:

„Der Kronprinz im Hause schwedischer Automobil-Aristokraten. In schwarz. Vollturbo. Aerokit. Vollausstattung in beigen Leder.

Damit wir gleich wissen woran wir sind: Ich war unlängst damit beim Saab-Fachmann und habe mal ein geübtes Auge auf den schwarzen Schweden werfen lassen, da mich der Verdacht überkam, dass es für die anstehende TÜV-Prüfung im Mai eventuell nicht ganz reichen könnte.

Kurzum: Die Liste der Dinge, die an dem Skandinavier erledigt werden müssen ist ähnlich lang wie der Stiel an Thors Hammer.

Der Gesamtzustand ist von einem Bestklassefahrzeug ähnlich weit entfernt wie ein Horn Met von einem 68`er Chablis. Die Hinterachse, Radinnenläufe und einige andere Stellen haben ähnlich viel Rost wie der Schild eines Wikingers nach der Überfahrt zu Amerikas Küste, und auch die Klimaanlage ist schlichtweg defekt. Mein Tipp: Im Sommer einfach die ungeliebte Schwiegermutter mitnehmen – ihre soziale Kälte kann in diesem Fall Abhilfe vielleicht schaffen.

Der Himmel – was Wunder – hängt und droht stets den Insassen auf den Kopf zu fallen. Potztausend, und das bei einem Saab 900! Wer also aus einem kleinen, widerstandleistenden gallischen Dorf kommt, sollte also besser vom Erwerb Abstand nehmen. Doch der Stoff ist mit Nadeln effektiv hochgesteckt. Sieht zwar aus wie mit einer Schrotflinte unters Dach geschossen, doch der versierte Autofahrer schaut während der Fahrt im besten Fall ohnehin eher nach vorn. Vielleicht mal der Schwiegermutter zeigen und bedeutungsvoll drohend mit dem Kopf nicken.

Im Nebensatz sei vielleicht noch erwähnt, dass das Getriebe im fünften Gang eine seicht säuselnde Ode künftiger Vergangenheit summt und im Verdacht stehen könnte, dereinst auf den Walküren ins Walhalla zu reiten.

Wer den Wagen also ersteigern möchte, um ihn vor dem Einzug in Odins Burg zu retten und komplett neu aufzubauen möchte, sollte also den einen und auch den anderen Euro einplanen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Das beige Leder (Elch, handgewürgt oder so) ist auch einige Jahre nach seiner kompletten Aufbereitung immer noch in einem guten Zustand. Als Bonus greift der Kapitän dieser Galeere in ein Ruder aus beigen Leder aus dem Hause Saab. Allein die rar gewordene Nabe des Lenkrades dürfte schon interessant sein.

Der Motor hat zwar seine 318.000 Kilometer hinter sich, läuft aber ähnlich rund wie schwedische Jungfrauen beim südschonischen Ringeltanz und bringt volle Leistung.

Auch die ausgesprochen selten zu bekommende Schiebedachabdeckung mit verstellbaren Airflow ist in Ordnung und bestens dazu geeignet, selbst handfest gefochtene Zöpfe zauseliger Wikinger zu verwirbeln – sofern gewollt. Oder auch die der ungeliebten Schwiegermutter. Ganz nach Belieben und Einstellung. Auch die Aeroanbauteile sind in einem Zustand, der sicherlich als gut bezeichnet werden kann.

Der Wagen steht derzeit auf Stahlfelgen mit Winterreifen, die ähnlich abgegriffen sind wie die Wortspiele mit denen ich gerade um mich werfe. Die original Alu-Aerofelgen habe ich zwar hier, doch gehören sie nicht mit zur Auktion. Genau so wenig wie die oben erwähnte Schwiegermutter. (Leider ebay-Richtlinie: Kein Verkauf von lebendigem Irgendwas). Doch im Handschuhfach liegt ein neuwertiger Stadtplan von Bonn. Den gebe ich freimütig mit dazu. Der Aero-Felgensatz kann – nach Absprache – gern separat nach Ersteigern des Wagens erworben werden. Ansonsten stelle ich die Felgen in einer anderen Auktion ein.

Ach ja: Der Wagen wird unmissverständlich und ausdrücklich als defekt, Ersatzteilträger, Restaurationsobjekt und schangeliger Schröggel angeboten. Nach EU-Recht Privatverkauf. Keine Gewährleistung oder Garantie, keine Rücknahme, keine Nachverhandlung. Spaßbietern hetze ich meine Anwältin auf den Hals wie Odin seine Bluthunde. Und meine Schwiegermutter obendrein. Und glaubt mal alle: Dass will niemand!

Eine Besichtigung vorm Bieten und Ersteigern ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Ernsthafte Interessenten bitte ich um Terminabsprache, denn: Ja, der Wagen wird tatsächlich jeden Tag gefahren. Auch über ein Sofortkaufangebot lässt sich bei einem Horn Met reden.

PS: Bevor jetzt irgendein Spaßvogel anfragt, ob er seine Schwiegermutter zur Besichtigung mitbringen kann: Ja. Gern. Dann geht die Probefahrt halt zu einem skandinavischen Möbelhaus und sie bekommt auch ein Stück schwedische Mandeltorte, römpömpömpöm…“ (von ebay-User edc900)

Hier geht’s zur Versteigerung.

Mehr zum Thema
pixel