Saab 9-3 Testbericht

Die Entschlossenheit des 210-PS-Fahrtwindes, jetzt auch von außen sichtbar (von innen nur, wenn man mag).

01.01.2008 Autorevue Magazin

Saab und Zeitlosigkeit, das sind quasi Synonyme in den Büchern der Automobilgeschichte und in einer feinen Nische zu finden, in der die Fans brummen, aber kaum jemand zufällig ums Eck biegt. So kommt auch das heftig geliftete Saab 9-3 Cabrio abseits banaler Zeitrechnung rechtzeitig zum Winter, und eigentlich völlig stimmig – wer zum Offenfahren die warme Zeit bevorzugt, kann sich ja mit dem Berühren des Dachknopfes Zeit lassen, bis Frühlingsmilde die Haarwurzel kitzelt.

Neu ist vor allem die Front, die jetzt die Studie Aero X Concept zitiert, den 9-3 der Beiläufigkeit entreißt und näher an den 9-5 rückt, neu sind auch rund 70 Prozent der Blechteile, die allerdings behutsam geändert wurden: Die Motorhaube zitiert das Muscheldesign, das der Saab 99 vorgelegt hat, die Seitenschweller sind markanter, die Rückleuchten aus mattiertem Klarglas sollen an Eiswürfel erinnern, die Türgriffe sind per Wagenfarbe feiner integriert.

Neu ist auch ein Gutteil der Motorenpalette: Der 1,9-l-Turbodiesel leistet dank zweier, getrennt operierender Turbolader jetzt 180 PS und 400 Nm, Bestwerte in seiner Hubraumklasse; der 2,8-l-V6 wurde auf 255 PS gezwirbelt; erstmals erhältlich sind die 1,8- und 2,0-l-BioPower-Turbomotoren, die für Ethanol/Benzingemisch in jedem Verhältnis ausgelegt sind: Da Ethanol eine Oktanzahl von 104 mitbringt, kann die Verdichtung erhöht und der Zündzeitpunkt vorverlegt werden, womit die Leistung auf 150 bzw. 200 PS steigt und der Verbrauch fällt. Wird Benzin ohne Ethanol getankt, dann nehmen sich die Motoren elektronisch gesteuert ein wenig zurück.

Geblieben sind zwei Turbo-Benziner, wir fuhren den schärferen: 2,0 Liter Hubraum, 210 PS und 300 Nm auf dem Papier, langer Atem und unbeirrbarer Schub auf der Straße, aber auch heftiger Zug in der Lenkung. Der stärkere Turbo ist eine Verheißung für alle Aggregatzustände, die der Saab auf der Straße annehmen darf, aber er stresst nicht, sondern empfiehlt sich als Versprechen. Die kleine Freiheit liegt unter dem rechten Fuß, das Fahrwerk balanciert perfekt zwischen Komfort und Sportlichkeit, die vier Sitze, hinten mit sozial verträglichem Freiraum für Knie und Frisur, frommen der Alltagstauglichkeit, Verwindungen sind aber fühlbar.

Fluchtmöglichkeit bietet das Dach, heimelig aufgepolstert, aber per (saabesk unauffälligem) Knopf an der Mittelkonsole zu öffnen, sofern das Gepäck ausreichend Luft im Kofferraum gelassen hat: Ist das Verdeck geschlossen, vergrößert das 9-3 Cabrio den Gepäckraum nämlich selbstständig, beim Öffnen wird er wieder verkleinert. Wer mit dem Offenfahren schon jetzt beginnen will: Die Heizung des Saab 9-3 wärmt wie eine Tuchent, und die Sitzheizung arbeitet emsig für einen warmen Hintern wie der Heizungssitz in der Straßenbahn.

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