S geht noch größer: Mercedes V 250 Bluetec 1st Edition

Wer noch das Wort Nutzfahrzeug verwendet, wird hier garantiert bekehrt.

03.10.2014 Autorevue Magazin

Wie mollig geborgen man sich im Fond einer S-Klasse fühlen kann, können Sie auf der übernächsten Doppelseite lesen. Dumm nur: Dort hinten sitzt man relativ einsam. Wer auf ähnlichen Luxus steht und sich gerne mit seinen Liebsten umgibt, dem sei die neue V-Klasse wärmstens ans Herzen gelegt. Die vier Einzelsitze im Fond sind gegenüberliegend angeordnet, in den mittleren Bodenschienen ist eine verschiebbare Konsole mit Fächern und Becherhaltern angebracht, die sich auf Tastendruck gasfederunterstützt erhebt und in dieser Stellung Tischchen zum Ausklappen freigibt. Die ideale Möglichkeit also für eine beschleunigte Bauernschnapserpartie. Wer genug Bummerl kassiert hat und sein Gegenüber nicht mehr sehen möchte, kann den Sitz natürlich umdrehen. Vorausgesetzt, er steht auf und klinkt den Sitz aus dem variablen Schienensystem.

Dank üppiger Schweinsledergarnierung strahlt der Stern im Inneren ­besonders hell.

Dank üppiger Schweinsledergarnierung strahlt der Stern im Inneren ­besonders hell.

Mercedes V: Smartes Verstauen

In diesem ist auch die Laderaumunterteilung eingehängt. Die steht nach dem Öffnen der hangartorgroßen Heckklappe – wie auch die Schiebetüren selbstverständlich elektrisch unterstützt – noch seltsam im Weg, entpuppt sich aber rasch als clever durchdacht. Denn auch die Heckscheibe, deren Unterkante genau in einer ­Linie mit der oberen Lade­fläche abschließt, lässt sich ­getrennt öffnen. Klappt man dann noch den Deckel der Unter­teilung auf, gibt diese zwei Klappkisten frei, in denen sich Kleinkram prima verstauen lässt. Des Weiteren sind die beiden Kisten rutschsicher in einer Vertiefung angebracht.

Sehr smart gelöst ist der wegklappbare Zwischenboden im Kofferraum, in dem zwei Klappkisten für Kleinzeug aufbewahrt sind.

Sehr smart gelöst ist der wegklappbare Zwischenboden im Kofferraum, in dem zwei Klappkisten für Kleinzeug aufbewahrt sind.

Vanfeeling adè

Da das Wohnen hier ja viel wichtiger ist, nun endlich zum Fahren: Abgesehen von der hohen, aufrechten Sitzposition käme man kaum auf die Idee, in einem Van zu sitzen. Das hölzerne Armaturenbrett transportiert die neue Mercedes-Formsprache auf willkommene Weise in ein Segment, das bislang den robusten Nutzfahrzeugtouch nicht abschütteln konnte. Komfortfeatures hat es im 1st Edition ebenfalls sonder Zahl, Sitzklimatisierung genauso wie die feine Burmester-Anlage – hier ­vielleicht nicht ganz so druckvoll wie in der S-Klasse. Auch in Sachen Assistenten keine Blöße: Collision Assist gibt es wie den radargestützten Abstandstempomaten, Totwinkelassistent sowieso, und aufgrund der Karosserieform nicht unangenehm: Auch ein Seitenwindassistent ist an Bord.

LEITSTERN Dahinter sitzt die Radar­einheit für den Abstandstempomat.

LEITSTERN Dahinter sitzt die Radar­einheit für den Abstandstempomat.

Und fährt’s sich?

Ideal servounterstützt ist die Lenkung. Das Einzige, was einem seltsam erscheinen mag, ist das Gefühl, rund vier Meter Auto hinter sich zu ­haben. Der 2,2-Liter-Diesel ist fein mit der Siebengangautomatik vermählt, die das Drehzahlniveau im Dienste des Spritkonsums niedrig hält. Beim starken Beschleunigen hebt der Vierzylinder nämlich seine raue Stimme, die nicht so wirklich in das feine Ambiente passen mag. Das passiert aber eh höchstens beim Überholen, sonst mimt der V den entspannten Cruiser. Bleibt der Preis: 89 Riesen sind natürlich nicht fad, dafür bringt die 1st Edition so ziemlich alle Extras mit, die man sonst extra ordern muss. Wobei man fairerweise dazusagen muss, dass „sonst“ meistens auch um den Preis eines Mittelklassewagens günstiger ist. Man sieht: Geschenkt ist nichts im Leben.

  • Fritz Urbaschek

    89.000 Euro für einen Transporter. Ich bin immer mehr vom Mut der Autohersteller fasziniert, die ohne mit der Wimper zu zucken, Preise aufrufen, die in keiner Relation zum Wert stehen. Vor nicht all zu langer Zeit bekam man dafür noch ein Fertigteilhaus. Etwas befremdlich auch für mich, wie kritiklos solche Preise auch von der Fachpresse hingenommen werden. Ich bin sicher kein Fan von Dacia aber wie kann man eine Preisdifferenz z.B. bei den Suvs von 20.000 und mehr argumentieren. Da stimmt doch schon lange etwas nicht mehr Andererseits, so lange der Konsument bereit ist, das zu finanzieren, geschieht es uns eigentlich ganz recht.
    LG
    Fritz Urbaschek

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