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Russland 2020 größter Automarkt Europas

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group wird Russland 2020 Europas größten Automarkt haben. Deutschland verliert seine Vormachtstellung auf dem Markt.

20.07.2013 APA

 

In punkto Absatzzahlen ist der deutsche Automarkt bisher der unangefochtene europäische Spitzenreiter gewesen. Diese Vorreiterrolle wird bis 2020 Russland übernommen haben, so die weltweitagierende Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Derzeit kämen nur 290 Wagen – davon viele veraltet – auf 1.000 Russen. Zum Vergleich: In Westeuropa seien es 560 Autos pro 1.000 Einwohner.

Riesiges Wachstum prognostiziert

Die Boston Consulting Group geht davon aus, dass der russische Automarkt jährlich um sechs Prozent bis 2020 wächst. Damit käme das Land letztlich auf ein Absatzvolumen von 4,4 Millionen Stück. Der Studie zufolge werden 2020 rund 65 Prozent aller verkauften weltweiten Autos in Schwellenländern abgesetzt. 2000 waren es nur 28 Prozent.

Autohersteller investieren in Russland

Als größter Automarkt Europas wäre Russland dem BCG-Bericht zufolge weltweit die Nummer fünf. Das Land hat gute Chancen, nicht mehr nur im Ausland produzierte Fahrzeuge zu verkaufen, sondern immer Autobauer dazu zu bewegen, in Russland selbst herzustellen. Zuletzt hatten die Opel-Mutter General Motors, Ford, Renault und Fiat kräftig in den russischen Markt investiert, um vor allem die wachsende Mittelschicht anzusprechen.

Gegen jede Erwartung

In den Jahren 2009/10 schien es fast, als würde die russische Automobilbranche an den Auswirkungen der globalen Finanzkrise zerbrechen. Die Autoren der Studie heben die großen Fortschritte hervor, welche die Autoindustrie in Russland seither gemacht hat. Sie betonen aber auch, dass noch viel getan werden muss, wenn die Branche voll konkurrenzfähig werden will.

Chancen und Gefahren

Die sich aufgrund dieser Marktentwicklungen ergebenden Chancen könnten aber ungenutzt bleiben, falls Regierung und Industrie in Russland sich nicht um eine effizientere und kosteneffektive lokale Produktion bzw. die Lokalisierung der wichtigsten internationalen Hersteller und Zulieferer bemühen.

Sieben Aufgaben an Politik und Industrie

Aus Sicht der BCG-Experten muss Russland insgesamt sieben Voraussetzungen erfüllen, um eine internationale Wettbewerbsfähigkeit seiner Automobilbranche zu erreichen.

 

Die Regierung muss,

  • eine stabile Nachfrageentwicklung sicherstellen,
  • die Faktorkosten begrenzen und die Infrastruktur verbessern sowie
  • einen stabilen Regulierungsrahmen gewährleisten.

 

Aufgabe der Industrie ist es,

  • eine kritische Masse lokaler Produktion zu erreichen,
  • eine effiziente Zulieferbasis aufzubauen,
  • schlanke und konforme Prozesse entlang der Wertschöpfungskette zu etablieren sowie
  • kundenorientierte Produkte und Vertriebsstrukturen zu entwickeln.

 

Es muss sich noch einiges ändern

„Die russische Industrie hat sich seit den sowjetischen Tagen deutlich weiterentwickelt. Einige Merkmale aus jener Zeit sind aber immer noch vorhanden: beispielsweise eine antiquierte Liefersituation oder eine Kundeneinstellung, bei der Kunden ganz unten auf der Prioritätenliste rangieren. Das muss sich ändern“, resümiert BCG-Experte Nikolaus Lang. Bleibt abzuwarten, ob Russland diesen Aufgaben gewachsen ist.

 

 

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