Rover P4 Oldtimer Gebrauchtwagen Generation Drivestyle
1600 Stunden hat Georg Mayr-Harting schon in seinen Special investiert.
 

Viel Zeit, wenig Geld

Manche bleiben bei den Autos ihrer Kindheit hängen. Georg Mayr-Harting (22) aber hat ein Auto mit zwei Baujahren, das neu schon seinem Opa hätte gefallen können.

02.04.2013 Autorevue Magazin

Eine Kindheit in einem sehr oldtimeraffinen Elternhaus kann auch nach hinten losgehen, aus Elternsicht. Ideale Zeitpunkte für Rebellion sind Pubertät (in Theorie) und Führerscheinalter (in Praxis), mit 18 hat man die elterlichen Vorstellungen mit einem neumodischen Auto abgehängt.

Bei Familie Mayr-Harting ist diese Rebellion ausgeblieben, trotz vieler Oldtimer: ­Vater Michael Mayr-Harting war mit seinem Rover P4, einem Familien-Erbstück, 1986 unser erster Gast in der Leserauto-Serie der Autorevue. Fahrer und Rover geht’s ausgezeichnet, mehrere Rover sind hinzugekommen, und wenn die sechsköpfige Familie ausfährt, dann im anmutigen Konvoi. Die Kinder basteln seit frühen Jahren mit, Georg studiert Maschinenbau, „und die Kfz-Meisterprüfung hab’ ich auch abgelegt, praktische Erfahrung hatte ich durch das Basteln daheim“. Sein Alltags-Passat gilt längst als Youngtimer, mehrere Motorräder hat er schon restauriert. Vor drei Jahren war er bereit für sein größtes Projekt: „Der Rover 12 HP Special stammt aus dem Familienfundus, zuerst wollte ich ihn nur behelfsmäßig renovieren, aber dann wollte ich doch schauen, was ich kann.“

Gelegenheit dazu gab’s genug. Etliche Teile fehlten, und was vorhanden war, war sehr vernachlässigt. Georg Mayr-Hartings Zugang zum Restaurieren des Rover P4 ist sehr studentisch: Zeit spielt nicht so viel Rolle, aber die Kosten sollen im Rahmen bleiben. Und wenn’s für ein Auto praktisch keine Ersatzteile gibt, dann muss man ohnedies alles selbst anfertigen. So sind bislang rund 1600 Stunden Arbeit zusammengekommen, über den Winter folgen noch die Sattlerarbeiten, „in der Werkstatt steht schon die Leder-Nähmaschine“.

Rover P4 Oldtimer Gebrauchtwagen Generation Drivestyle

Die Seltenheit ist einem Special übrigens einkonstruiert: Er trägt eine sportliche Karosserie auf einem Rahmen, der im ersten Leben meist einen Limousinen-Aufbau getragen hat. Heute wär’s immens schade, eine Limousine zu schlachten, um seinen eigenen Roadster drauf zu bauen, aber derlei passierte auch schon vor Jahrzehnten: „Mein Special basiert auf einem 1936er Rover 12 HP Sports Saloon. Rowland Kitcher aus Newport hat ab den Fünfzigerjahren einige Special auf Rover-Basis gebaut, und meiner war 1958 der erste. Eigentlich wollte er ja immer einen Bugatti, und dieses Auto ist dabei herausgekommen.

Er hat dann für Freunde noch ein paar Autos gebaut, das letzte von 14 in den Siebzigerjahren. Mindestens sechs davon existieren noch.“ Die Freude an Oldtimern teilen auch Georgs Brüder: Paul Mayr-Hartings Special wird aber noch warten müssen, bis sein Besitzer nicht mehr so viel Zeit ins Formula-Student-Team der TU Graz investiert, und Moritz (10) hat sich schon einen Rover P4 von 1953 aus dem Familienfundus zum ­Restaurieren reserviert.

pixel