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Rolls-Royce mit Toilette in der Rückbank

Wer zahlt schafft an. Demnach wundert es dann kaum, dass Vignale einen besonderen Rolls-Royce Silver Wraith bauen musste, mit Toilette mit vergoldetem Sitz.

15.12.2015 radical mag

Was genau Mr. Joseph J. Marusch aus Maplewood, New Jersey, von Beruf war, weiß man heute nicht mehr; er muss aber ein beachtliches Vermögen gehabt haben. Was Marusch genau dazu trieb, diesen Rolls-Royce Silver Wraith bei Vignale zu bestellen, weiß man noch viel weniger. Aber nur schon die Idee: Vignale war Anfang der 50er Jahre zwar auch bekannt für einige feine Ferrari, doch in erster Linie waren es kleine Fiat, Abarth, Cisitalia, die neu eingekleidet wurden. Und so ein Silver Wraith war halt schon ein ganz anderer Brocken. Es konnte gar nicht gut kommen.

1954 Rolls-Royce Silver Wraith Special Vignale (8)
© Bild: bonhams.com

Ein Einzelstück und das ist gut so

Und es kam dann auch nicht gut. Die Linien des Vignale-Rolls-Royce könnte man als opulent bezeichnen. Das Heck und auch der Dachaufbau gehen noch so einigermaßen, Mister Marusch verlangte es wohl, mit Hut gefahren zu werden. Außergewöhnlich: das Heckfenster ließ sich elektrisch versenken (also: jenes ganz hinten). Aber die Front ist – man darf sie sicher als gewöhnungsbedürftig bezeichnen. Und es wundert nicht, dass es bei diesem einen Einzelstück blieb – das aber immerhin noch existiert.

1954 Rolls-Royce Silver Wraith Special Vignale (12)
© Bild: bonhams.com

Feiner Stoff und Toilette

Innen war der Rolls so außergewöhnlich wie außen. So besaß er elektrisch verstellbare Sitze (die es bei Rolls-Royce damals noch nicht gab). Und eine Toilette. Nun, es heißt, sie hauptsächlich dafür benützt worden, den Champagner zu kühlen, aber dann haben wir irgendwie die Funktionsweise von Toiletten (oder Kühlschränken) nicht so ganz verstanden. Außerdem: hinten rechts. Und da thront doch meist… Ansonsten gab es auch noch eine Klimaanlage. Auch hübsch: der Fahrer saß vorne auf schwarzem Leder, die Passagiere hinten auf edlem grauem Tuch. Aber das war halt einst genau so, Leder war so was von profan – wer es sich leisten konnte, der wählte einen wirklich feinen Stoff.

1954 Rolls-Royce Silver Wraith Special Vignale (2)
© Bild: bonhams.com

Rolls-Royce Silver Wraith

Der Silver Wraight war das erste Nachkriegsmodell von Rolls-Royce, gebaut ab 1946 bis 1959; insgesamt entstanden 1.883 Exemplare. Das von Vignale umgebaute Gefährt war eines mit langem Radstand, 3,38 Meter (anstatt 3,27 Meter) und wurde von einem 4,9-Liter-Reihensechszylinder angetrieben, Leistung wie damals bei Rolls-Royce üblich: ausreichend. Geschaltet wurde über eine 3-Gang-Automatik von General Motors. Der Motor gefiel Mister Marusch allerdings nicht besonders, zumindest optisch nicht: er verlangte von Vignale, dass sämtliche sichtbaren Teile verchromt wurden. Ach ja: der Toilettensitz war vergoldet und die rollende Toilette wurde 2014 von Bonhams versteigert, der Zuschlag erfolgte bei 180.278 Euro.

1954 Rolls-Royce Silver Wraith Special Vignale (1)
© Bild: bonhams.com

Besten Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-classics.com

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  • S. Hawkins

    a lovely way of making big business in a small place

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