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Wie viele Türen hat ein Shooting Brake?

Es sei hier endgültig geklärt: ein Shooting Brake hat zwei Türen. Oder dann halt vier. Wie der Rolls-Royce Phantom II Shooting Brake von 1930 beweist.

17.07.2015 radical mag

Was haben die Puristen wieder gejault, als Mercedes die ersten Bilder seines CLA Shooting Brake zeigte: vier Türen! Geht ja gar nicht! Mercedes kennt dieses Winseln ja schon vom viertürigen CLS Shooting Brake, auch Audi musste bei verschiedenen «Concepts» schon dieses Gejammer hören, ein Shooting Brake habe gefälligst einfach nur zwei Türen. Das muss so sein, das hat der Urvater aller Shooting Brake, der Aston Martin DB5 von 1963, so aufgezeigt. Und auch all die anderen klassischen Shooting Brake, etwa der Reliant Scimitar GTE, der Volvo P1800 ES («Schneewittchensarg»), der Lotus Elite II, der Lancia Beta HPE – alles Zweitürer. Punkt.

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© Bild: RM Auctions

Der Ursprung des Shooting Brake

Doch vielleicht ist ja alles anders. Die Bezeichnung Shooting Brake geht auf den Kutschenbau zurück. Einst, da wurden jungen, noch ungezähmten Pferden Fuhrwerke angehängt, um ihren Willen zu brechen und sie als Arbeitstiere nutzbar zu machen. Also im Englischen: to break. Diese Kutschen nun waren keine edlen Karossen, sondern nur mit dem Nötigsten versehen, was man sonst vielleicht noch brauchen konnte, etwa für die Jagd. Was dann das «Shooting» in der Bezeichnung erklärt. Wie diese Aufbauten aber aussahen, dafür gab es keine klaren Regeln – im Gegensatz etwa zu den klar definierten Kutschen-Bauformen Coupé, Phaeton, Laudaulet oder Berline.

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© Bild: RM Auctions

Rolls-Royce Phantom II Shooting Brake

Jetzt zeigen wir hier aber einen Shooting Brake, der viel älter ist als der famose Aston Martin DB5. Einen Rolls-Royce Phantom II aus dem Jahre 1930, der sein Leben 1929 als Saloon, als Limousine begonnen hatte, 1930 aber dann zu einem Shooting Brake umgebaut wurde. Wer für diesem Umbau verantwortlich war, lässt sich nicht mehr herausfinden, aber der Wagen trägt seit unterdessen 85 Jahren die Bezeichnung: Shooting Brake. Und er wurde auch genau dafür verwendet, wie die «New York Times» einst schrieb: «To take gentlemen on the hunt with their firearms and dogs». Ganz im Sinne der ursprünglichen Bezeichnung aus dem Kutschenbau: keine edle Karosse, sondern das, was man halt brauchen konnte. Übrigens dieser 1930er Shooting Brake wurde anfang des Jahres um 181.500 US-Dollar von RM Auctions versteigert.

Schön übrigens auch die französische Bezeichnung für die entsprechenden Kutschen, damals: Bregg. Zum Glück hat sich das nicht durchgesetzt.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-classic.com

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