Ring frei für Fahrradfahrer. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader
Ring frei für Fahrradfahrer. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader
 

Planspiel: Die Ringstraße für Radfahrer

Nachdem die Neuorganisation der Mariahilfer Straße konfliktfrei funktioniert hat, überdenken die Grünen derzeit die Ringstraße für Fahrradfahrer zu öffnen.

03.04.2014 Online Redaktion

Drei Ideen hatte Rüdiger Maresch, der Verkehrssprecher der Grünen, um die Ringstraße für Radfahrer zu öffnen. Entweder könnten schnelle Radfahrer im Autoverkehr mitfahren, oder aber eine Fahrspur wird den Radfahrern reserviert, oder, Möglichkeit drei, man sperrt den Ring für Autos vollständig.

Drei Ideen, die Ringstraße für Radfahrer zu öffnen

Von den Grünen müssen solche Ideen kommen, ihre Wählerschaft erwartet das von ihnen. Doch einige Anmerkungen seien gestattet.

Eine idyllische, autofreie Zukunft auf dem Ring. Wie hier auf der jährlichen Demo. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Eine idyllische, autofreie Zukunft auf dem Ring. Wie hier auf der jährlichen Demo. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Die erste Idee, schnelle Radfahrer im Straßenverkehr mitfahren zu lassen, kann weder im Sinne der Radfahrer noch im Sinne der Autofahrer sein. Selbst im Verkehrs-Utopia, in dem sich Rad- und Autofahrer an alle Verkehrsregeln halten, könnte die Uhr danach gestellt werden, bis der erste Radfahrer mit Schädelfraktur im Krankenhaus liegt. Mal davon abgesehen: Wer bestimmt, wer ein schneller Radfahrer ist? Jeder für sich selbst? Gesunde Selbsteinschätzung ist ein rares Gut. Oder muss der schnellste des Radweges auf die Straße? Dann fährt bald keiner mehr auf dem Radweg.

Die zweite Idee ist schon eher praktikabel. Den Radfahrern wird eine eigene Spur vorbehalten. Der Pferdefuß: sie haben ja schon eine eigene Spur. Die sei nur eben zu klein. Und würden sich mehrere Radfahrer entgegenkommen, käme es zu Beschimpfungen und Drängeleien. Das bei Rad- und Autofahrern Höflichkeit und Zuvorkommen etwa gleich verteilt sind, ist ja nun keine neue Erkenntnis.

Kompensationsbemühungen. Was dem Autofahrer sein Porsche. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Kompensationsbemühungen. Was dem Autofahrer sein Porsche. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Würde eine solche Spur eingeführt werden, müssten noch die Bim, mehrere Kreuzungen sowie Taxi- und Busfahrerambitionen integriert werden. Für Radfahrer bliebe nur wenig Platz.

Vollsperrung des Wiener Rings

Die Vollsperrung des Rings, die dritte Möglichkeit, sei, so Maresch, bei der Europameisterschaft kein Problem gewesen. Was sechs Wochen funktioniere, so die Logik, funktioniere bestimmt auch für den Rest aller Zeiten. Meinetwegen. Aber dann fordere ich Fanmeilen mit Bierständen rund um den Ring.

Aber wir wären nicht die Autorevue, hätten wir nicht einen Lösungsvorschlag. Statt gleich den ganzen Ring in Frage zu stellen, ließen sich doch die engen Stellen auf dem Ringradweg entschärfen, in dem dort die Fahrbahn verbreitert wird. Im Straßenverkehr funktioniert das auch so. Unfallträchtige stellen werden neu geregelt, verbessert und optimiert.

Die Freigabe des Rings soll dieses Streitpotential innerhalb der Fahrradfahrer minimieren. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Die Freigabe des Rings soll dieses Streitpotential innerhalb der Fahrradfahrer minimieren. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Natürlich steigt der Bedarf an Radwegen. Wer vergangenes Wochenende mit dem Rad im Prater war weiß, wie hoch das Chaospotential ist. Aber es gibt lediglich sechs Monate im Jahr genug Radfahrer um hier und da auf dem Ring vereinzelt Probleme zu verursachen. Ein Großteil dieser Probleme ließe sich mit mehr Rücksichtnahme lösen.

Die restlichen sechs Monate sind die Radwege eher unterfrequentiert. Im November forderte aber kein Autofahrer, man möge eine weitere Ringspur für Autofahrer aufmachen, der Radweg werde ohnehin nicht benutzt.

Verbesserungsvorschläge für die Ringstraße

Zwei Vorschläge zur Verbesserung der Situation – und zwar ganzjährig. Erstens sollte in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investiert werden. Bedarfsgerecht eingesetzte Bim und UBahnen zu Stoßzeiten, mehr Schaffner, Senkung der Einzelfahrtpreise für kurzentschlossene Pendler, mehr neue Straßenbahnen, damit auch Mütter mit Kinderwägen, Rentner und Rollstuhlfahrer zum Ziel kommen. Der Autoverkehr würde abnehmen, der Radverkehr auch.

Im Winter könnten die Radwege ja zu normalen Straßen für Autos werden.  Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Im Winter könnten die Radwege ja zu normalen Straßen für Autos werden. Foto: Reuters/Heinz-Peter Bader

Vorschlag zwei ist ein Radweg quer durch den ersten Bezirk. Falls das die Pradajäger nicht zu sehr stören würde. Man müsste halt russische und chinesische Warnhinweise aufhängen.

Beide Vorschläge sind Mist. Sie sind nämlich keine Klientelpolitik. Beide Ideen würden Wähler aller Parteien gleichermaßen betreffen, es müssten kluge Kompromisse verhandelt werden. Das ist leider nicht im Geist des parlamentarischen Kampfes, Schlechtmachens und Wegnehmen.

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  • Der Schwedenkönig

    Kompromissvorschlag:
    Sperre des Rings bzw. eines seiner Fahrstreifen für Radfahrer – aber nur im Sommerhalbjahr.
    Analog bräuchte es auch ein paar radiale und tangentiale „Radstrassen“: Schnelle und sichere Durchzugsrouten für Pedalritter. Meinetwegen auch nur halbja

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