© Bild: Bernd Weissbrod / EPA / picturedesk.com
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Richter bescheinigt Porsche „Cleverness“ bei VW-Übernahme

In der Serie von Schadensersatzprozessen könnte VW-Großaktionär Porsche mit einem blauen Auge davonkommen – Porsche habe „schlitzohrig“ gehandelt, so ein Richter.

14.05.2014 APA

Ein Richter am Landgericht Braunschweig bezeichnete die Strategie von Porsche beim Versuch, VW vor einigen Jahren zu übernehmen, als „schlitzohrig“. Er verwies bei der Verhandlung Mittwoch darauf, dass diese Eigenschaft in der Wirtschaft durchaus geschätzt werde: „Auf Deutsch nennt man das Cleverness.“ Die Frage sei, ob dies auch sittenwidrig sei. Die Kammer habe „gewisse Schwierigkeiten“, den Argumenten der Kläger zu folgen. Damit deutete er an, dass auch die Nachkommen von Adolf Merckle mit ihren Schadensersatzansprüchen nicht durchkommen könnten.

Porsche soll Kapitalmarktteilnehmer getäuscht haben

Der Milliardär Merckle hatte sich 2008 mit VW-Aktien verspekuliert und schwere Verluste eingefahren. Er nahm sich Anfang 2009 das Leben. Seine Familie teilte damals mit, die Finanzkrise und die daraus folgende wirtschaftliche Notlage seiner Unternehmen hätten ihn gebrochen. Die Anwälte werfen Porsche vor, die Kapitalmarktteilnehmer getäuscht zu haben. Der Stuttgarter Konzern habe Anleger und Investoren beim Versuch, VW zu übernehmen, über seine wahren Absichten hinters Licht geführt. Merckle habe den Aussagen vertraut, ihm sei dadurch ein finanzieller Schaden von 212 Mio. Euro entstanden. Porsche wies den Vorwurf zurück.

Weitere Verfahren am 21. Mai

Vor dem Braunschweiger Gericht geht es um insgesamt fünf Schadensersatzklagen, von denen bisher drei verhandelt wurden. Am 21. Mai stehen zwei weitere Verfahren auf der Agenda, in denen es insgesamt um gut 2 Mrd. Euro geht. Dieses Verfahren könnte sich jedoch verzögern, da der Anwalt der Kläger sein Mandat niedergelegt hat. Ursprünglich hatte die Kammer am 30. Juli in allen fünf Fällen entscheiden wollen.

Etappensieg für Porsche bereits im März

Porsche hatte im März vor dem Landgericht Stuttgart bereits einen Etappensieg bei der Abwehr einer Schadensersatzforderung in Höhe von 1,36 Mrd. Euro erzielt. Das Gericht wies die Klage von zwei Dutzend amerikanischen Hedgefonds ab. Die Richterin entschied, die Fonds hätten nicht nachweisen können, dass sie 2008 ihre Anlageentscheidungen aufgrund von Dementis von Porsche zu dem VW-Übernahmeplan getroffen hätten. Gegen das Urteil haben die Anwälte Berufung angekündigt.

Porsches „Cleverness“ im Rückblick

Porsche hatte sich seit 2005 schrittweise bei VW eingekauft und dabei im März 2008 noch bestritten, den viel größeren Wolfsburger Autokonzern beherrschen zu wollen. Als die Porsche Holding im Oktober 2008 dann jedoch bekanntgab, dass sie sich fast drei Viertel der Stimmrechte gesichert hatte, schoss der VW-Kurs in die Höhe. Institutionelle Anleger, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft – mit dem Ziel, sie später billiger zurückzukaufen und die Spanne als Gewinn einzustreichen. Nun mussten sie die knappen Aktien zu fast jedem Preis zurückkaufen. In der Folge schoss der Wert der zuvor längere Zeit bei fast 200 Euro liegenden VW-Stammaktien zeitweise auf über 1.000 Euro und machte Volkswagen vorübergehend zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

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