Renault Twizy Elektroauto Reichweite Alltag Test Fahrbericht
Den Akku muss man lediglich 3,5 Stunden laden.
 

Testbericht: Renault Twizy 80

Im Kampf um Aufmerksamkeit hat Renault dem Elektroantrieb einen ­Gefallen getan.

14.06.2012 Online Redaktion

Richtig coole Kids sitzen im Bus ganz hinten und spielen mit ihren Smartphones – die Elektroautos sitzen in der ­ersten Reihe und tauschen Rollenspiel-Sammelkarten. Bisher war Elektroantrieb uncool. So richtig uncool. Das spannendste Elektroauto hieß bislang Opel Ampera – und der braucht einen Range ­Extender, um die coole Optik in Bewegung zu halten.

Mit dem Renault Twizy kommt Bewegung in die ­Angelegenheit.

Das ganze Konzept ist ziemlich anders. Man kann es lieben oder hassen. Polarisiert etwas, kriegt es immer eine solide Fanbasis. Die Flügeltüren kosten Aufpreis, machen den Twizy aber halbwegs schlechtwettertauglich. Auch wenn die Türen keine Seitenscheiben haben (Renault hätte dem Twizy sonst eine Lüftung spendieren müssen).

Der Twizy ist kein Roller. Das ist gut.

Denn man kann mehr Gepäck mitnehmen und ist dem Wetter nicht so aus­gesetzt. Das ist aber auch schlecht. Weil der Renault Twizy nicht so wendig ist und man sich an Ampeln nicht vorschlängeln kann. Außerdem muss man die vollen Parkgebühren zahlen – es sei denn, man ist in Kärnten oder Tirol unterwegs.

Renault Twizy Elektroauto Reichweite Alltag Test Fahrbericht

Der Twizy ist kein Auto. Das ist gut. Weil er mit 7.690 Euro (der hier getestete Twizy 80) eine echte Alternative zu einem Zweitwagen im Stadtverkehr darstellt. Das ist aber auch schlecht. Weil … tja, da fällt uns jetzt nichts ein, was nicht dem Konzept geschuldet wäre. Der Glaube, man müsse immer auf alles vorbereitet sein, ist eine Wahnvorstellung. Die wurde dem Kunden unter dem Marketingbegriff „Freiheit“ in den Kopf gepflanzt. Ein für alle Mal: Umzüge und 2-Wochen-Familienurlaube brechen nicht spontan über einen herein.

Wer den Twizy als Zweit­wagen behandelt, nicht mehr als ein Kind hat und vorher überlegt, ob er eine erreichbare Steckdose zum Laden hat, wird mit ihm glücklicher als mit allen anderen Elektroautos.

Der Twizy hält im Stadt­verkehr kraftvoll mit.

Und das ist erstaunlich. Schließlich steht den 18 PS und 57 Newtonmetern fast eine halbe Tonne Leergewicht entgegen. Der Mörderanriss, den man von Elektrorollern und -motor­rädern gewöhnt ist, bleibt aber aus. Und: Der Twizy federt nicht. Er haut dem Fahrer über den schlecht gepolsterten Sitz jede Unebenheit in den ­Rücken. Wir üben Nachsicht. Für Langstrecken wurde er nicht gebaut.

Ganz generell: Mit Elektroautos spart man nicht. Zumindest kein Geld. Die enorm teure Batterie schränkt die verkauften Stückzahlen auf natürlichem Wege ein. Das macht nichts. Elektroautos wollen nicht mehr sein als ein Symbol für Fortschritt und ­Entwicklung. Heutige Elektroautos sind ein Feldversuch. Wo ergibt diese Art der Mobi­lität Sinn? Was muss sich in der Infrastruktur und den Autos ändern? Jede Frage wird Stück für Stück präzisiert und beantwortet. Der Twizy ist so eine Antwort. Und die Elek­troautos wollen eine Alternative sein – für die mikroskopisch kleine Gruppe an Leuten, die mit den Einschränkungen klarkommen und genügend Geld haben. Und sobald die Welt aufgehört hat zu polemisieren, kann die Elektroauto-Nische in Ruhe aufgebohrt werden.

  • Marcus

    Wenn Renault für 7.000 Euro einen Sandero hinstellen kann (oder sagen wir: einen halbwegs ausgestatteten Sandero für 12.000 Euro), dann überrascht es doch, dass sie für den kleinen Twizy ohne Akku (!!) >7000 verlangen. Vielleicht liegt es an der Stückzahl? Er soll richtig Spaß machen! Aber kaufen? Wenn einem zusätzlich zum hohen Kaufpreis die Batteriemiete noch jedes eventuelle Sprit-Einsparungspotential wegfrisst? Und um > 7.000 ist sich keine Federung ausgegangen.
    Aber ich glaube: Wenn um den Preis der Akku inkludiert wäre (und angenommen 8 Jahre hielte), würde sich die Stückzahl sprunghaft vervielfachen!

  • maxl

    95km/h Topspeed und er wäre für Stadtautobahnen tauglich… wie kommt man auf eine 80km/h Grenze?!
    Da hängt einem jeder LKW im Genick… :)

pixel