Renault Twin'Z Ross Lovegrove, Laurens van der Acker
Eine befruchtende Zusammenarbeit: Laurens van den Acker und Ross Lovegrove Im Renault Twin'Z
 

„Am Anfang habe ich mich geschreckt“

Laurens van den Acker, Design-Chef von Renault, über die Zusammenarbeit mit einer Kreativ-Koryphäe von außerhalb, den Stellenwert von Design in Zeiten der Bedrängnis und die Irritation angesichts des Radikalen.

09.05.2013 Autorevue Magazin

Ist es nötig, jemanden von außerhalb zu holen, wenn es für einen Autohersteller wirtschaftlich eng wird und eine Neuorientierung ansteht?

In Amerika habe ich gelernt: „Don’t waste a good crisis“. In einer Krise kann man Sachen machen, die man nicht machen kann, wenn es gut läuft. Wir haben Ross Lovegrove, der mit meinem Exterieur-Chef (Anthony Lo; Anm.) befreundet ist, einmal eingeladen und ihm gezeigt, was wir machen. Ich war sehr gespannt, wie er auf Autos schaut, was er interessant findet und was nicht. Es ist immer interessant zu hören, was professionelle Designer über deine Arbeit sagen.

Hören die Entscheidungsträger im eigenen Unternehmen anders zu, wenn es eng wird?

Design ist immer noch die wichtigste Kaufentscheidung für ein Auto. Design steht vor der Marke, vor Loyalität, vor dem Preis, vor allem anderen. Es gibt also ein gutes Verständnis für Design, gerade in dieser Zeit. Für mich ist die Krise auch fast etwas wie eine Reinigung. Und um die Krise zu überleben, müssen wir vorbereitet sein, wenn es wieder aufwärts geht und davon profitieren. Ich bin gerade dabei, die Produkte vorzubereiten, die wir dann haben werden, um diesen Umstieg zu machen.

Was war für Sie das Überraschendste in der Zusammenarbeit mit Ross Lovegrove?

Es ist ein Risiko, jemand Fremden hereinzurufen. Man fühlt sich nicht so ganz wohl damit. Aber das muss auch so sein, wenn es leicht wäre, würde etwas falsch laufen. Ich war in dem Moment überzeugt, als Ross kam und mir dieses Rad zeigte. Er hat den Entwurf auf den Tisch gelegt und ich hab gewusst: Es wird klappen.

Die Sachen, die Ross entwirft, sind für sich schön, auch ohne das Auto rundherum. Und Ross ist sehr professionell. Er ist kein Künstler, er ist wirklich ein Designer. Wir haben uns sehr gut miteinander verstanden.

Was haben Sie gedacht, als Sie diesen doch sehr radikalen Innenraum gesehen haben?

Produkt-Designer lieben die Einfachheit und den Purismus. Das ist typisch. Ein Auto ist aber alles andere als einfach, es ist eigentlich sogar sehr komplex. Als ich also das erste Mal das Interieur gesehen habe, habe ich gedacht: Wo ist das alles, was sonst da ist? Es gibt ein Lenkrad, es gibt Pedale – und das war’s! Ich habe mich geschreckt und Ross gefragt: Wie öffnet man die Türe? Wie lässt man die Scheiben herunter? Aber so ist das: Wir haben ihm alle Freiheit gegeben und er hat alle Freiheit genommen. So ist das. Anderfalls sollte man niemanden anheuern.

Ross hat ein Auto, das sehr „boxy“ ist, sehr sanft gemacht mit dieser Soft-Touch-Lackierung. Er hat ein Auto, das sehr klein ist sehr geräumig gemacht. Und er hat einem Auto, das eigentlich ein totes Objekt ist, Lebendigkeit eingehaucht. So gesehen ist er für mich ein Magier.

Ist die Zusammenarbeit mit Ross Lovegrove mit diesem Projekt wieder zu Ende oder wird er an einer Serienumsetzung mitarbeiten?

Wir werden sehen. Wir müssen uns erst einmal anschauen, wie alles läuft. Das Konzept ist ein Vorläufer des nächsten Twingo. Es wird zwei Konzepte geben, ein klassisch automobilmäßiges und ein High-Design. Wir wollen zeigen, dass sich das Auto anpassen kann. Ross hat spannende Ansätze, eine interessante Art zu Arbeiten. Das Auto ist nicht das einzige Resultat. Es hat uns inspiriert, es verändert unsere Arbeitsweise und auch unseren Blickwinkel. Wir müssen jetzt einmal sehen, welche Emotionen das bei uns weckt.

 

Die Geschichte zum Renault Twin’Z gibt es hier.

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