Renault Twin'Z Detail
Futuristisch, geradezu abstrakt wirkt der Twin'Z.
 

Captain Kirk baut ein Auto

Renault bat Designguru Ross Lovegrove, sich mit dem Twingo-Nachfolger zu befassen.

17.04.2013 Autorevue Magazin

Wenn Renault einen Stardesigner wie Ross Lovegrove einlädt, sich über den Twingo-Nach­fol­ger Gedanken zu machen, greift Laurens van den Acker, Design-Chef von Renault, nicht einfach zum Hörer, ruft bei Love­grove in London an und sagt nach ein bisschen Wetter-Smalltalk: „Mach mal!“ So eine Kooperation entwickelt sich langsam, über Verbindungen, man tastet sich aneinander heran und muss dann – als politisch diffiziler Höhepunkt – ja auch noch den Ober-Boss überzeugen. Man geht auch nicht einfach zu Carlos Ghosn und sagt: Hey, wir haben zwar 240 Designer bei Renault, aber wir holen uns jetzt trotzdem einen Big Shot von außerhalb, der uns einen neuen Weg zeigt.

Lovegrove wollte immer schon ein Auto designen. Er wurde nicht müde, es immer und immer wieder zu sagen,
bei Vorträgen, in Interviews, er habe die Journalisten nach­gerade genervt damit, sagt er. ­Warum jetzt, warum Renault? Der ­Kontakt kam über Anthony Lo, Exterieur Design-Chef bei ­Renault,  zustande, der Love­grove von früher kennt, außerdem hat der Brite ein Faible für alles Französische, vor Jahren lebte er längere Zeit in Paris, als er für Hermès und Dior arbeitete. Es hat eben gepasst.

Ross Lovegrove ist dafür bekannt, runde, organische Formen zu entwerfen. Er fordert Materialien und Technologien dadurch scheinbar Unmögliches ab und stößt jedesmal eine Türe in eine neue Welt auf. 2004 hat er schon einmal ein Autokonzept gemacht, Kyoto hieß das „Compressed Air Car“, ein luftiger eiförmiger Fahrkäfig voller Anmut, seine Leichtigkeit war ihm anzusehen. Auch ein gutes Beispiel für Lovegroves ­Ästhetik: Die Wasserflasche, die er kürzlich für die walisische Quelle Ty Nant gemacht hat. Sie sieht aus, als würde das Element Wasser aus sich selbst heraus die Form bewahren. Lovegrove und sein Team verblüffen mit solchen Arbeiten.

Und jetzt ein Elektro-Stadtauto aus Kohlefaser, das in seiner Form vertraut erscheint, aber durch die verwendeten Materialien und das Licht­design wirkt, als käme es aus einer anderen Welt. Per LEDs wurde dem Twin’Z, wie das Renault-Konzept als Hinweis auf den nächsten Twingo genannt wurde, ein Glamour-Muster auf Dach und Heck gemalt, das an den glitzernden Widerschein einer nächtlichen Stadt auf glänzendem Autolack erinnert. Der blaue Innenraum, dessen gigantische Luftigkeit durch gelbe Leuchtlinien noch betont wird, wirkt riesig. Es gibt keine Instrumententafel, lediglich zwei Tablet-Computer, einer hinterm Lenkrad, einer in der Mitte zwischen den Vordersitzen. Und die Sitze, bestehend aus einem neonfarbenen Kunststoff-Skelett überzogen von blauem Netzstoff, sind ­robust und filigran zugleich.

„Wir können durch unsere Arbeit die Industrieprozesse ­rationalisieren und dadurch eine neue Ästhetik schaffen“, sagt Lovegrove. Kein leichtes Unterfangen in der Autowelt, wo ein Scheibenwischer ist, wie er ist, weil er in der Serien­produktion möglichst billig sein muss. Lovegrove und sein Team haben von Renault die Karosserieform vorgegeben bekommen, waren sonst aber frei von Vorgaben. Was von Lovegroves Twin’Z in die Serienproduktion einfließen könnte: die irren Felgen und vielleicht das Dach. „Renault mag dieses Dach“, sagt Lovegrove.

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