Extrovertierte Front als Invers-Stockerlpopo des Mégane. Und: Ja, es gibt stimmungsvollere Farben als Schwarz und Silber.
 

Renault Laguna Grandtour Testbericht

Da schlackern die Querlenker: Renault lässt die Allradlenkung auferstehen.

01.06.2008 Autorevue Magazin

Zuerst das Allgemeine: Der neue Laguna ist substanziell ein unglaublich dichtes Auto geworden, bei dem einem eigentlich kaum etwas abgeht. Wenn man mit der leicht schielenden Front klarkommt, gibt es über das Design nichts zu nörgeln. Bei den Dieselmotoren liegt Renault gegenwärtig ohnehin in der ersten Liga, und der Innenraum spielt punkto Verarbeitung und Ideenreichtum – auch was die originelle Platzierung des Tempomatschalters angeht – alle Stückeln.

Sogar in Sachen Fahrdynamik benimmt sich der Laguna ganz unfranzösisch. Die Lenkung ist endlich gefühlsecht, die Abstimmung wollen wir mal komfortabel straff nennen. Dennoch liegen seine Stärken auf den ersten Blick in der Langstrecke. Auf der Autobahn im Reisetempo-Bereich schmeichelt der Renault mit der Absenz von Windgeräuschen. Und weil der Diesel seine Kraft so locker rausschüttelt, muss der Griff zum Schalthebel eher selten passieren.

Um auch die Fahrdynamiker und Kurvenräuber von den Qualitäten des Wagens zu überzeugen, hat Renault dem Laguna in der GT-Version nun zusätzlich eine Hinterradlenkung verpasst. Der Hintergrund: Bis auf wenige Ausnahmen ist in der Mittelklasse die hintere Verbundlenkerachse, über die der aktuelle Laguna wie sein Vorgänger verfügt, praktisch ausgestorben. Diese ist zwar in der Herstellung und beim Platzbedarf recht günstig, erreicht aber niemals die Radführungspräzision einer Mehrlenkerachse. Um also den Spagat zwischen Komfort (wovon man ja bei einem Renault prinzipiell ausgeht) und Fahrspaß zu schaffen, dürfen die Hinterräder um 3,5 Grad mitlenken. Eventuell aufkeimende Erinnerungen an diverse Versuche in den achtziger Jahren kann man getrost vergessen. Das System arbeitet rein elektrisch und ist im Retourgang außer Betrieb, damit mühsam angelernte Rückwärtseinparkkünste nicht neu geordnet werden müssen. Im normalen Fahrbetrieb entscheidet die Elektronik, ob und in welchem Sinn (gleich oder entgegengesetzt zu den Vorderrädern) die Räder eingeschlagen werden. Und das gelingt beim Fahren so fein, dass man außer einem sauberen Handling nichts davon mitbekommt. Auch wenn die GT-Ausstattung den stärksten Motoren vorbehalten ist: Ein eherner Racer wird der Laguna dadurch gottseidank nicht.

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