Laguna-Grandtour-8
 

Renault Laguna Testbericht

Persönliche Lärmschutzmaßnahme mit integriertem Wellness-Charakter: Da geht einer auf Nummer sicher. In vielerlei Hinsicht.

01.02.2008 Autorevue Magazin

Es wird ein Hauen und Stechen. Und – nein – wir reden jetzt nicht von der Wahl künftiger Weltpolizei-Kommandant(inn)en, sondern von der automobilen Mittelklasse. Die holt sich ihre Identität naturgemäß aus einem hohen Kombi-Anteil, 2008 hat in dieser Sache nahezu jeder eine neue Meldung. Konkret Ford mit dem gerade auflaufenden Mondeo Traveller, Mazda in Kürze mit dem 6er Combi, kurz darauf passiert der neue A4 Avant, zudem auch der vielversprechende Citroën C5 Break, und der Opel Insignia sollte sich ebenfalls bis Jahresende ausgehen.

Konkurrenz bis zum Abwinken für einen, der nur gewinnen kann: der neue Laguna Grandtour. Dessen Vorgänger biss sich gegen Schluss mit einem Mini-Marktanteil in der Mittelklasse fest, und wer nun meint, dass sich daran angesichts der etwas betroppezt blickenden Scheinwerfer nicht viel ändern wird, geht irr. Zum einen, weil das Safety-First-Design in der Realität besser kommt als auf den Fotos. Zum anderen, weil es auch eine Identität abseits von LED-Nahkampf-Beamern, Wappenschild und Brutalo-Lippe gibt.

Substanz, vor allem mehr davon, heißt die Kernaussage des neuen Laguna, was von außen über eine sachliche, leicht emotionalisierte Optik (abfallende Dachlinie, diverse Chrom-Akzente) vermittelt wird. Die beiden senkrechten Blechfalze im Heckdeckel betonen einen Ladewillen, der zwar nicht kraft Volumen (508 Liter Grundmaß sind nicht gerade feudal), aber über einige schlaue Tricks eingelöst wird. Allen voran das „Easyflex“ genannte Sitzumlegesystem, das über zwei Zughebel in der Kofferraumwand die hinteren Rücklehnen plättet und zwei Meter Ebene hinterlässt. Staufächer in den Seiten, flaches Kellerabteil, Sackerlhaken, Steckdose, ein auf Wunsch klappbares Heckfenster, dazu ein komplikationsfreies Laderaumrollo, das sich, da hat jemand mitgedacht, mit ein paar Handgriffen hinter der Kofferraumkante verstauen lässt – das alles ist nicht nur praktisch, es werkt mit sattem „Klick“, also wertig.

Letzterem Anspruch ist auch der lässig geschwungene Armaturenträger verpflichtet. Sieht gut aus, greift sich – wie das Lenkrad – gut an und ist vor allem mit vifen Funktionen belegt. So beherrscht die Klimaautomatik auch einen „Sanft“-Modus. Einige Fragen gibt es dennoch: Wo ist der Tempomat-Button? (Unterm rechten Ellenbogen.) Wo der Schalter für die Sitzheizung? (An der Sitzwange.) Und warum klingt der Blinker wie ein 1982er Tricotronic? (Keine Ahnung.) Dass das „Blik-Blak“ dermaßen nervt, liegt vor allem am Motor, der akustisch kaum nachweisbar ist – was weniger am 2,0 dCi mit 173 PS als an der konsequenten Geräuschdämmung liegt. Die macht den Laguna zum Akustik-Kondom erster Güte und damit zur Liga-Benchmark. Kultiviert ist zudem auch der Common-Rail-Diesel. Mit Nachdruck, insgesamt sehr harmonisch verteilt der die Kraft übers Drehzahlband, die 6-Gang-Schaltung arbeitet treu zu, eine Lenkung gibt es auch, nur eben eine etwas unverbindliche.

Gegenüber früheren Renault-Peilhilfen zeigt sie sich dennoch stark verbessert, wie überhaupt der Laguna Grandtour als Vergangenheitsbewältiger punktet. Die nahezu straffen Velourssitze, der gewärtige Motor, eine Federung, die aufmerksam, aber nie pomadig das Drinnen vom Draußen trennt – das alles weist klar über das bisher Gezeigte hinaus. Spitzkehrendominator wird ein Laguna nie werden, will er auch nicht sein, stattdessen ein Hochsicherheitskombi (5 NCAP-Sterne, 8 Airbags) mit bestem Komfortaufkommen, der in der feinen Privilège-Ausstattung inklusive Handsfree Entry, Einparkhilfe und Teilleder mit 32.540 Euro in der Preisliste auftaucht. Eindeutig auf den Peugeot 407 SW hingebürstet, unterläuft er damit einen ähnlichen Passat Variant deutlich, viel mehr Konkurrenz gibt’s in dieser Klasse derzeit nicht – zumindest mit 170 Diesel-PS. Allein: Der neue Mazda6 Sportcombi und Ford Mondeo Traveller werden demnächst aufschließen. Die anderen auch: siehe oben.

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