Renault Clio Sport Testbericht

Am Anfang stand ein so gepflegter, ­zuvorkommender Kleinwagen – und jetzt das.

01.07.2009 Autorevue Magazin

Am schlimmsten ist es in der Früh, wenn man seine müdigkeitssteifen Knochen in den Recaro fallen lässt. Schon beim Anschnallen wird man vor dem Folgenden gewarnt – gelbe Gurte! –, auch der Blick auf den Drehzahlmesser lässt Böses ahnen: Der rote Bereich beginnt erst knapp vor der Achttausender-Marke. Dann der Startknopf, ohne den in dieser Liga offenbar nichts mehr geht. Die Maschine wird von einem spürbar erhöhten Standgas wachgeschüttelt.

Fast so wie früher im Prä-Silizium nimmt der Motor auf den ersten Metern nur unwillig Gas an, ruckelt, bis Auto und Fahrer zueinandergefunden und Betriebstemperatur erreicht haben. Dann endlich beginnt das Feuer zu lodern – zumindest, wenn man beharrlich die 3000er-Marke am Drehzahlmesser knackt. Alles darunter wirkt irgendwie lächerlich, wozu hat man schließlich das Cup-Paket bestellt, das die ohnehin schon straffen Federn um 30 Prozent verhärtet. Über 3000 öffnet sich der Himmel: richtig Schub, von einem geradezu unanständigen Ansaugröcheln begleitet. Ab 5000 spürt man den Punch des Drehmoments, immer weiter, weiter, bis die Schaltanzeige den nächsten Gang einfordert.

Kurz: Wir erleben hier das derzeit heißeste Ding seiner Art. Es bedarf einiger Überwindung, in einem mit dem Cup-Paket ausgestatteten Clio Sport nicht ständig auf Zug unterwegs zu sein. Eine Art Federung ist zwar an Bord, jedoch frommt diese offenbar ausschließlich der perfekten Bodenhaftung auf topfebenen Rennstrecken. Die Seitenneigung in Kurven geht gegen Null, was dann auch für den gebotenen Komfort gilt. Das Getriebe ist – wie bei Renngetrieben – so übersetzt, dass die Gangspreizung nach oben hin immer kürzer wird, auch verlangt der Ganghebel eine strenge Hand.

Bleibt nur die Frage, ob man das wirklich alle Tage haben möchte. Schätzungsweise werden die harten Federn den wirklich harten Typen vorenthalten bleiben. Der Rest ist aber hochinteressant: vor allem die – im Vergleich zum Normal-Clio – direkter übersetzte, verbindlichere Lenkung und die Bremsen. Zwar ist die schon nach leichtem Pedaldruck vorhandene Aggressivität gewöhnungsbedürftig, Verzögerung und Fadingresistenz aber sind vorbildlich. Kein Wunder, kommen doch Vierkolben-Bremssättel von Brembo zum Einsatz, hinten verrichten solide Scheiben mit Einkolbensätteln von TRW  ihren Dienst.

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