Renault Clio RS stat VoLi
Mach mir die Welle!
 

Testbericht: Renault Clio RS Gordini

So kann die Vergangenheit Gehör finden: 201 PS, 224 km/h, 6,9 Sekunden und das Grollen einer Legende.

01.11.2010 Online Redaktion

Jetzt tu mir einen Gefallen und sei mal leise. Nein? Auch o.k. Der Clio RS Gordini kommt über einen wie die Rache eines zu Unrecht Vergessenen. Amédée Gordini stammte eigentlich aus Italien, wanderte aber nach Frankreich aus. In der Formel 1 erarbeitete er sich in den 1950er Jahren den Ruf, einfach zu fahrende Autos zu konstruieren, was ihm, abgesehen vom Renommee als Motorsport-Purist und wenigen Achtungserfolgen allerdings nichts einbrachte. Anschließend ging es zu Renault. Hier heimste er endlich die Lorbeeren ein, die er verdiente. Sein Renault 8 Gordini richtete 1964 die Konkurrenz bei der Rallye „Tour de Corse“ erbarmungslos, 1966 folgte gar ein eigener Markenpokal.

Der Clio RS Gordini als Hommage

Von diesem Ruf will Renault seit 2009 wieder profitieren und hat dazu den Namen ­Gordini als Menetekel für Rennsporttrimm wiederbelebt. Nach der verschärften Version des Twingo folgt nun die ­Rabatz-Variante des Clio.

Den optischen Versprechungen von dicken weißen Rennstreifen auf leuchtend blauer Lackierung (wie schon beim Twingo eine Hommage an die Formel-1-Renner von Gordini), 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und zwei dicken Endrohren kommt ein Zwei­liter-Saugmotor nach, der 201 PS und 215 Newtonmeter aus den vier Zylindern zieht.

Das Ganze hört sich erbarmungslos an. Schon bei niedrigen Drehzahlen donnert dir der Clio den Zorn des Amédée in den Gehörgang. Brachial. Unerbitterlich. Immer. Gibt man tatsächlich Gas (bei 7500 Touren bittet einen ein Warnton höflich, doch bitte in den nächsten Gang zu schalten), steigert sich dieser Sound zu einem infernalischen Gekreische. Aber selbst wenn man sich nicht mit dem Drehzahlbegrenzer anlegt: Er kann einfach nicht leise.

Dank Sportfahrwerk pickt der Clio RS Gordini auf der ­Straße.

Kurven nimmt er zackig wie eine Flipperkugel, der Fahrer merkt wenig, der ist in Sportsitze genagelt. Fein. Bei Bodenwellen ist der Spaß dann vorbei und die ­Hoppelei beginnt.

Was ihm Sportler verzeihen. Schließlich entschädigt der Gordini ambitionierte Piloten mit einem sportlich ausgelegten ESP samt dem Programm USC, das speziell Untersteuern verhindern soll. Für Ausflüge auf die Rennstrecke lässt sich beides deaktivieren. Herr ­Gordini könnte stolzer nicht sein.

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