So wie unserer sieht der Clio jetzt nicht mehr aus, die Talente sind geblieben.
 

Renault Clio Grandtour 1,5 dCi Testbericht

Dauertest-Abschluss – Bilanz nach ­einem Jahr und einem Facelift: Ist die Kostenrechnung kleiner als Laderaum und Alltagsqualität?

01.08.2009 Autorevue Magazin

Stimmt schon, so wie auf unseren Fotos schaut der Clio Grandtour jetzt nimmer aus. Der Fluch des Dauertests liegt ja auch darin, dass flinke Facelifts auch ein flink gefahrenes Testauto überholen können, wenn es über 42.000 km unterwegs ist. Wer aus diesem Schlussbericht also praktischen Nutzen ziehen will, ersetzt gedanklich einfach die Nase unseres Clio durch die frische, die grundsätzlichen Talente aber sind ihm geblieben – zum Glück, dazu später.

Wenn wir schon beim Erneuern von Bildern sind, dann lässt sich jenes vom Clio Grandtour an sich gewiss auch gleich umkrempeln:

Was einst als Name eines Kleinwagens begann, ist spätestens mit Einführung des Grandtour alten Netzhautmustern entwachsen. Wer sich in einem Clio Grandtour vor weiten Strecken fürchtet, sollte eher sein Urteil einem Facelift unterziehen als den Clio in Frage stellen. Denn er bedient auf nachgerade souveräne Weise alle Bedürfnisse, sofern man tendenziell zu den Menschen mit handgeschriebenem Lastenheft zählt: Er fährt gut und souverän, lässt sich beim Fahrwerk keinerlei Schwächen anmerken, die Familie passt ohne Federlesens rein, und der Kofferraum ist (wie bei einem Kombi zu erwarten) groß und nach dem Umlegen der Rücksitze noch größer.

Zum Motor.

86 Turbodiesel-PS sind gutes Augenmaß, 220 Nm treffen auf 1235 kg Auto, da lässt sich sorgenfreies und fröhliches Mitmischen im Verkehr ausrechnen. Wer sich untermotorisiert fühlt, sitzt in der falschen Wagenklasse, immerhin gibt’s den Clio dCi auch mit 68 oder 103 PS, und die bewegen sich auch untadelig. Freilich passiert Überholen auf der Autobahn nicht aus dem Fußgelenk, sondern mit ein wenig Geduld, aber selbst bei 130 km/h vermeldet die Geräuschkulisse keine Anstrengung. So erfährt man auch über Umwege, wie viel Geräuschdämmung heute in eher kleinen Autos Platz findet, ohne aus allen Karosseriefugen zu quellen.

Auch die Passagiere finden Platz, und zwar viel.

Selbst hinten sitzt man aufrechter und bequemer als in einigen Mittelklasse-Limousinen, vier Erwachsene verreisen auch gerne gemeinsam in Urlaub, ohne vorher (und dort) mittels geistig hochstehender Gesellschaftsspiele zu ermitteln, wer hinten sitzen MUSS.

Noch mehr genutzt als der Fond wurde im letzten Jahr allerdings der Kofferraum, gewichtiges Argument für die Anschaffung eines Kombis, und in diesem Fall 439 bis 1277 Liter groß. Die Erweiterung passiert so unkompliziert, dass man nie drüber nachdenkt, sondern die Sitze einfach umlegt. Wenig nachgedacht haben wir auch über intensive Reinigung – zwar hat der Innenraum des Clio das Jahr mit uns tapfer weggesteckt, der negative Eintrag im ÖAMTC-Prüfbericht („Innenraum hinten: verschmutzt“) wäre allerdings ausgeblieben, hätten wir nicht nur der Robustheit der Materialien vertraut. Die ist zwar tatsächlich tadellos, auch auf den Sitzen, aber alleine ist sie gegen eine gesamte Redaktion doch ein bissl unterlegen.

So war der Clio Grandtour oft unterwegs, gerne führten wir ihn auch weit weg von der Stadt und klopften seine Talente als Leatherman des Autofahrers ab. Dass er dabei fesch und unkompliziert auftritt, macht ihn sympathisch, Eitelkeiten und sportliche Ambitionen sind nicht seine Welt, was er ehrlich zugibt, schon durch den Kaufpreis. Zwar sind aus den anfänglichen 19.090 Euro mittlerweile 19.298 geworden, und auch die sind ein Batzen Geld, wenn man sie auf die Straße stellt.

Darüber hinaus verlangt der Clio Grandtour wenig.

Die einzige grimmige Fahrtenbucheintragung bemängelt eine ausgeleierte Handbremse und abblätterndes Plastik am Armaturenbrett, beide Unpässlichkeiten wurden im Zuge des 20.000-km-Service behoben – die Labbrigkeit der Handbremse durch simples Festziehen fürwitzig gelockerter Schrauben, und der obsolete Kunststoff wurde getauscht. Vermutlich wurde er ein Opfer zu aggressiven Putzens mit untauglichen Mitteln (das daraus folgende Trauma muss zur Vernachlässigung des Innenraumes geführt haben.)

Dennoch ist der Clio Grandtour nach über 42.000 Kilometern nicht frei von Verschleiß.

Der ÖAMTC notierte neben den üblichen winzigen Dellen eine Menge Kratzer aus der Waschstraße, was auf eher geringe Lackqualität schließen lässt; weiters geringen Ölverlust am Motor, die lecke Stelle ließ sich jedenfalls partout nicht finden;  einige Leitungen am Motor sind durch Vibrationen leicht angescheuert, wirklich intelligent verlegt sind sie also nicht. Dass die Bremsscheiben leicht abgenützt sind, hat hingegen niemanden überrascht.

Vom Kaufpreis unseres Clio samt Extras sind nach einem Jahr 11.050 Euro übrig, ergibt Kilometerkosten von 0,348 Euro, die ins Haushaltsbudget unauffällig  einsickern wie der Clio in den Alltag.

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