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„Selten kommen derart schlüssige Entwürfe auf die Straße.“
 

Testbericht: Renault Clio Grandtour

Ein Hersteller, dessen vergangene Erfolge auf Anderssein beruhen, kann nur durch ein Auto wie dieses aus der Krise fahren.

09.08.2013 Online Redaktion

Es kann gleich losgehen. Wir müssen nur noch die bevorzugte Temperatur auf dem smart designten Klima-Paneel einstellen, das Luft-Recycling ausschalten und nachsehen, ob wir den Heckscheiben-Enteiser brauchen. Schon das Wording macht den Unterschied, den Renault nötig hat. Renault, die Marke, die durch R4, Twingo und Scénic berühmt wurde und sich auch heute noch bemüht, neue Türen aufzustoßen: Twizy, Zoe, Captur seien als Exempel angeführt. Beim Clio gab es da bis zuletzt Aufhol­bedarf, der kam in der letzten Generation recht beliebig ­daher.

Da ist der neue Clio Grandtour ein guter Schritt in Richtung Originalität.

Das beginnt schon mit dem Äußeren, das auf den ersten Blick frisch wirkt und sich auf den zweiten Blick als radikal neu offenbart: Die taillierten Schweller, die minimalistisch parzellierte Frontpartie mit dem großen Renault-Logo, das Heck, das stark wirkt, ohne wuchtig zu sein – selten kommen derart schlüssige Entwürfe auf die Straße, schon gar nicht in der Kleinkombi-Liga. Dazu gibt es echte Farben, die bei der Top-Version Dynamique auch den Innenraum erfrischen.

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R-LINK Der Öko-Computer ist unterhaltsam und ein bissl optimistisch.

Talentiert ist auch der Motor.

Ein vibrationsfreier, leiser Dreizylinder-Turbo, dem man weder den Dreizylinder noch den Turbo negativ anmerkt: kein Drehmomentloch, kein harter Schub. Die 90 PS sorgen für flüssigen Vortrieb, sogar auf der Autobahn – wenn man den ECO-Modus deaktiviert hat. Den sechsen Gang vermisst man eigentlich nicht, die verbleibenden fünf Stufen sind sauber und klug abgestimmt und stehen der Sparsamkeit nicht im Weg: Der Bordcomputer pendelt sich immer bei sechs Litern ein. Nachtanken wird man etwas mehr: 6,2 Liter in unserem Fall – angemessen, keine Sensation, aber die brachte uns noch keiner der Downsizing-Turbomotoren.

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Praktisch ist die Verkehrsanzeige.

Von besonderem Interesse sind hier natürlich die Kombi-Eigenschaften.

443 bis 1380 Liter sind gut im Klassenschnitt, die Ladekante liegt mit sechzig Zentimetern noch eine Fin­gerbreite tiefer als im ­Skoda Fabia Combi, die Heckklappe schwingt weit auf. Der Kofferraum ist glattflächig, auch nach dem Umklappen. Außerdem ist in der Dynamique-Ausstattung der umklappbare Beifahrersitz inkludiert. Das Platzangebot auf der Rückbank kommt knapp bemessen, an Knie und Scheitel zwickt es bald.
Und wo wir schon bei Kritikpunkten sind: Die Sitze sind etwas zu weich, besonders am unteren Rücken fehlt Unterstützung. Die Übersichtlichkeit ist zwar besser als bei der ­Limousine, die sanft düdelnde Einparkhilfe sei dennoch empfohlen. Die Scheibenwischer arbeiten wenig sorgfältig – und was bringt bitte ein Leder­lenkrad, wenn dort, wo man es in der Hand hält, eine Plastik-Klavierlack-Beplankung sitzt? Details, die dem Erfolg des Kleinwagens hoffentlich nicht im Weg stehen, zumal er auch preislich fair aufgestellt ist.
Der Clio soll Renault aus der Depression fahren – es kann gleich losgehen.

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