Martin Winterkorn und die Freude über Betriebsrenten.
Martin Winterkorn und die Freude über Betriebsrenten.
 

Qoros und die Angst vor Frankfurt

Wie Volkswagen seine eigene Konkurrenz subventioniert: Volker Steinwascher, Qoros und die Pension.

23.05.2013 Online Redaktion

Es dürfte Termine geben, die Volker Steinwascher, Vizechef des chinesischen Autobauers Qoros, lieber besuchen wird als die anstehende Messe in Frankfurt. Er läuft nämlich Gefahr Martin Winterkorn über den Weg zu laufen.

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG hat eine nicht unbegründete Wut auf Steinwascher. Der war nämlich bis 2006 bei Volkswagen tätig. Zuletzt leitete er die US-Sparte der Deutschen. Falsch ist, dass er gleich anschließend nach China ging. Denn direkt im Anschluss an seine Tätigkeit bei Volkswagen ging er erst einmal in Pension. Damals war er 63 Jahre alt und wurde von Winterkorn offiziell und in Ehren verabschiedet. Erst danach wechselte er zu Qoros.

Pension trotz Arbeitsplatz bei Qoros

Pikantes Detail: Seitdem zahlt ihm der VW-Konzern eine monatliche Betriebsrente von fast 9700 Euro – auf die Steinwascher auch nach seinem neuesten Engagement verständlicherweise nicht verzichtet. Heute ist Volker Steinwascher 70 Jahre alt und hat damit, dies nur für kühle Rechner, von Volkswagen rund 800.000 Euro bekommen. Technisch gesehen bekam er das Geld dafür, seinem ehemaligen Arbeitgeber einen echten Konkurrenten im Wachstumsmarkt China vor die Nase zu setzen.

Volker Steinwascher: Pensionär und Vize-Chef bei Qoros.

Volker Steinwascher: Pensionär und Vize-Chef bei Qoros.

Schon in Genf soll Winterkorn den vermeintlichen Pensionisten zur Rede gestellt haben. Gesprächsinhalt und Wortwahl blieben aber ein Geheimnis. Vielleicht kriegt man auf der IAA in Frankfurt ja mehr mit. Gossip aus der Vorstandswelt –  wir sind gespannt.

Qoros, der erste Konkurrent aus China

Der Qoros 3, eine Limousine, gilt als erster ernstzunehmender Mitbewerber aus China. Kein Wunder, stammen die Entscheidungsträger doch allesamt aus Europa. Neben Volker Steinwachser kam auch noch Gert Hildebrand zu Qoros. Der war vorher Designer bei Mini. Als Produktplaner wurde Stefano Villanti angeheuert, der zuvor Unternehmensberater bei McKinsey war. Klaus Schmidt war erst bei BMW und ist jetzt für das Gesamtfahrzeug verantwortlich. Die Sicherheitstechnik stammt von Roger Malkusson (davor Saab) und Alexander Wortberg (davor BMW) ist für die Produktionsanlage zuständig.

Serienmäßig gibt es im Qoros 3 einen großen Touchscreen und fünf Sterne beim europäischen Crashtest.

In Europa wird es Qoros schwer haben, fehlt ihnen doch ein Dieselmotor und das Image chinesischer Autohersteller ist hierzulande nicht das beste. In China ist das freilich anders und Diesel völlig egal. Das gleiche gilt in den angestrebten asiatischen Ländern. In Japan und in den USA wird Qoros erst einmal nicht zu kaufen sein.

  • Günter Populorum

    Schaut aus wie eine Mischung aus VW und Skoda.
    Als VW Vorstand würde ich mich auch ärgern, aber die hätten zumindest die Betriebspension mit einer Konkurenzklausel verbinden können.

    Persönlich finde ich es einen Fehler Menschen in Pension zu schicken, die eigentlich noch arbeitswillig un fähig sind. Warum lässt man diese Leute nicht in der Nachwuchsausbildung tätig bleiben ? Dann wären die währen der aktiven Tätigkeit investierten Summen nicht mit einem Schlag verloren und das know-how und die Erfahrung für den Konzern weiter von Vorteil.

    • Christian Seidel

      Das ist immer die Frage. Um zu verstehen, warum Hr. Steinwascher schon mit 63 Jahren (ohne Konkurrenzklausel) pensioniert wurde, muss ich mir die Absatzzahlen von Volkswagen in den USA vor und nach seinem Abgang anschauen. Vielleicht hat es ja ganz handfeste Gründe.

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