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Tavares (links) folgte Varin als PSA-Chef nach.
 

Neuer PSA-Chef verordnet Schrumpfkur für Modellpalette

Carlos Tavares, neuer Chef von PSA Peugeot Citroen, will den Autobauer wieder rentabel machen – eine Reduktion der Modelle von 45 auf 26 soll dabei helfen.

14.04.2014 APA

Der neue Chef des französischen Autobauer PSA Peugeot Citroen, Carlos Tavares (55), stellte am Montag bei seiner ersten Strategiepräsentation klar, dass es in absehbarer Zukunft keinen Angriff mehr auf die Großen der Branche geben kann. Eine drastische Schrumpfkur bei der Modellpalette soll helfen, den nach Volkswagen zweitgrößten Hersteller Europas wieder rentabel zu machen. Bis der Konzern wieder Gewinne mache, sei es überflüssig, über Absatzziele zu reden, betonte der frühere Renault-Manager Tavares in Paris. DieTeams im Unternehmen müssten sich stärker auf das Ziel konzentrieren, mit wettbewerbsfähigen Produkten Gewinne zu machen.

Bis 2022 soll Zahl der PSA-Modelle von 45 auf 26 fallen

Für Taveres‘ Vorgänger dürften solche Äußerungen einer schallenden Ohrfeige gleichkommen. Unter der Führung von Philippe Varin (61) war die Zahl der PSA-Modelle zuletzt auf 45 angewachsen – nach dem kräftigen Tritt auf die Bremse seines seit Anfang April amtierenden Nachfolgers soll sie nun bis 2022 auf 26 fallen.

Kein Billig-Modell geplant

„Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir am besten können“, erklärte der frühere Renault-Manager Tavares. Sich gegenseitig Konkurrenz machende Modelle sollten der Vergangenheit angehören. So zielen etwa der Peugeot 308 und der Citroën C4 auf ähnliche Kunden – und müssen sich auch noch gegen den VW Golf durchsetzen. Beispiele für Auslaufmodelle wollte Tavares am Montag zunächst nicht nennen. Aus Konkurrenzgründen. Forderungen nach einem Billig-Modell erteilte er eine Absage. „Das steht derzeit nicht auf der Tagesordnung“, sagte der Portugiese.

Citroen-Ableger DS soll eigenständige Oberklasse-Marke werden

Stattdessen will er den Citroen-Ableger DS zu einer eigenständigen Oberklasse-Marke ausbauen, die das Image von französischem Luxus vermittelt. Das könnte nach Ansicht von Branchenexperten vor allem in China eine erfolgreiche Strategie sein. Im Reich der Mitte sind gerade teure europäische Marken heiß begehrt. Citroën soll dagegen die Kunden mit kleinem Geldbeutel ansprechen. Und die Kernmarke Peugeot mit dem Löwen im Logo soll sich zwischendrin als gehobene Mittelklasse mit Rivalen wie Volkswagen messen.

2016 soll PSA wieder Gewinn erwirtschaften

Ob die von Sparplänen begleitete Neuausrichtung zurück in die Erfolgsspur führt, wird sich nach Angaben von Tavares relativ zügig zeigen. Bereits 2016 soll PSA kein Geld mehr verbrennen, sondern aus dem Kerngeschäft wieder Gewinn erwirtschaften. Zwei Jahre später peilt der Hersteller dann zwei Prozent Rendite in seiner Autosparte an.

Experten kritisieren Tavares‘ Strategie

Experten wie Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sehen die Strategie kritisch. Die Schrumpfkur sei auch eine Art Eingeständnis, dass es PSA nicht gelungen sei, die verschiedenen Modelle gut genug aufeinander abzustimmen, sagt er. Bei der zu erwartenden Erholung in Europa sei die angepeilte Rendite von nur zwei Prozent nicht besonders ambitioniert. Verwiesen wird dabei vor allem auf den ganz anderen Kurs des europäischen Branchenprimus VW. Erst vor einem Monat verkündete VW-Chef Martin Winterkorn stolz, sein Konzern werde bis Ende 2015 rund 100 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt bringen. Dabei kommt Volkswagen inklusive Lastwagen und Motorrädern schon auf mehr als 300 verschiedene Fahrzeuge.

Tavares warnt vor zu großen Erwartungen

Der als äußert ehrgeizig geltende Tavares hatte bereits Anfang März auf dem Genfer Autosalon vor allzu großen Erwartungen gewarnt. „Ich arbeite nicht für mich, sondern für die nächste Management-Generation des Konzerns“, sagte er damals. Sein Vorgänger Varin hatte da gerade den Einstieg des chinesischen Autokonzerns Dongfeng März eingefädelt. Die Chinesen spielten in der Tavares-Präsentation am Montag allerdings kaum eine Rolle.

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  • Ravenbird

    Einen Erfolgstip hab ich für ihn:
    Piepsi-Quaki-Elektronik raus, elektrische Feststellbremse (Handbremse) raus, Elektronik weg bis auf ABS und Antischleuderprogramm.
    Kompletter Verzicht auf Dieselmotoren.
    Optimale Rostvorsorge und optimierte Wartungsfreundlichkeit, die Leute wollen nicht mehr in die Fachwerkstätten und dort unnötig viel zahlen.
    Bequeme „unsportliche“ Fahrwerke, die unsere heimischen Rumpelpisten glattbügeln.

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