Der gefressene Peugeot-Löwe
 

PSA Peugeot Citroen wird von Staat und Dongfeng „gefressen“

Der Aufsichtsrat des kriselnden Autobauers PSA Peugeot Citroen hat endgültig für einen Kapitaleinstieg von Dongfeng und dem französischen Staat gestimmt

18.02.2014 APA

Der zweitgrößte europäische Autobauer PSA Peugeot Citroën wagt den großen Schritt: Über eine Kapitalerhöhung sollen sich nach einem am Dienstag vom Aufsichtsrat verabschiedeten Projekt der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng und der französische Staat an dem Traditionsunternehmen beteiligen. „Staat frisst Löwe“, titelte die französische Tagezeitung „Liberation“ unter Anspielung auf das Peugeot-Logo. Offiziell sollen die Entscheidungen morgen Mittwoch bekanntgegeben werden, zusammen mit den Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Eine endgültige Vereinbarung könnte Ende März unterzeichnet werden, wenn Chinas Staatschef Xi Jinping nach Frankreich kommt.

Kapitalerhöhung von 3 Mrd. Euro

Der Konzern, einst der Stolz einer ganzen Nation, steht nun vor tiefgreifenden Veränderungen. Der Aufsichtsrat hat am Dienstag endgültig für einen Kapitaleinstieg des chinesischen Konzerns Dongfeng und des französischen Staats gestimmt. Bei einer Sitzung in Paris machte das Gremium den Weg für eine Kapitalerhöhung von insgesamt drei Milliarden Euro frei, wie aus informierten Kreisen in Paris verlautete.

Familie Peugeot verliert Einfluss

„Die Sitzung des Aufsichtsrats ist beendet, und alle Operationen wurden bestätigt“, hieß es aus den informierten Kreisen. Der französische Staat und Dongfeng sollen demnach mit jeweils 800 Millionen Euro einsteigen und damit künftig jeweils 14 Prozent der PSA-Anteile halten. Der Einfluss der Familie Peugeot in dem Konzern sinkt zugleich, sie wird künftig ebenfalls nur 14 Prozent der PSA-Anteile halten. Bisher waren es 25,4 Prozent. Die Familie verliert zugleich ihre doppelten Stimmrechte, mit denen sie sogar 38,1 Prozent der Stimmrechte hielt. Ob Thierry Peugeot weiterhin an der Spitze des Aufsichtsrats bleiben wird, wurde am Dienstag nicht entschieden. Berichten zufolge könnte er den Posten bald räumen müssen.

Thierry Peugeot kritisiert Einstieg des Staates

PSA-Aufsichtsratschef Thierry Peugeot wurde als einer der wenigen einflussreichen Kritiker des Projekt genannt. Er soll sich vor allem gegen den Einstieg des französischen Staates gesträubt haben. Dieser will mit seiner Beteiligung verhindern, dass die Chinesen die Kontrolle über das französische Traditionsunternehmen übernehmen. „Sich an PSA zu beteiligen, ist ein Akt von industriellem Patriotismus“, hatte Industrieminister Arnaud Montebourg bereits im Jänner erklärt. Er macht die PSA-Führung zum großen Teil für die schwierige Situation verantwortlich.

Experten: Schwerwiegende strategische Fehlentscheidungen bei PSA

Nach Ansicht eines Regierungsgutachters wurden bei PSA in den vergangenen zwei Jahrzehnten schwerwiegende strategische Fehlentscheidungen getroffen. Statt in Wachstums- und Schwellenländer zu investieren, hat die Nummer Zwei in Europa demnach lieber höhere Dividenden gezahlt und eigene Aktien aufgekauft. Falsch aufgestellt, zu klein und schlecht geführt – so lautet das vernichtende Expertenurteil. Erst im vergangenen Jahr kündigte PSA eine Allianz mit dem US-Hersteller General Motors an, dessen deutsche Tochter Opel ebenfalls tief in der Krise steckt. Viel zu spät, meinen Beobachter. Ähnliches gilt für die Markenpositionierung, die lange als schwammig galt. Peugeot soll künftig im Qualitätssegment positioniert werden, während Citroën dann unter der Serienbezeichnung C Einsteigermodelle ohne großen Luxus anbietet. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verlor PSA auf dem europäischen Heimatmarkt zuletzt nicht nur Umsatz, sondern auch Marktanteile. Im vergangenen Jahr gingen die Absatzzahlen des französischen Konzerns im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 4,9 Prozent auf 2,82 Millionen Fahrzeuge zurück. Das Minus fiel damit zwar weniger deutlich aus als 2012 (-16,5 Prozent), im Vergleich zur Konkurrenz waren die Zahlen aber dennoch schlecht.

Alles neu bei PSA

Mit dem frischen Geld soll nun vor allem an der Wettbewerbsfähigkeit und an neuen Projekten gearbeitet werden. Details will das Unternehmen an diesem Mittwoch bei der Vorstellung der Jahreszahlen präsentieren. Nicht alle Projekte dürften dem zukünftigen Anteilseigner Frankreich gefallen. So ist unter anderem im Gespräch, eine neue Fertigungsstätte in einem Niedriglohnland am Rande Europas zu bauen. Mit dem Einstieg der neuen Eigentümer soll auch die Amtszeit des bisherigen Konzernchefs Philippe Varin enden. Mit dem früheren Renault-Manager Carlos Tavares steht der Nachfolger schon bereit. Der 55-jährige Portugiese sitzt seit dem 1. Jänner im PSA-Management und soll künftig das Steuer in den Händen halten.

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