Porsche Panamera GTS Test
Keiner da Bei Sportdemonstrationen bleiben die hinteren Sitze eher leer.
 

Vorstellung: Porsche Panamera GTS

Zweitausend Kilo hoch disziplinierte High-End-Sportlichkeit.

31.03.2012 Autorevue Magazin

Ein Witz, gespielt, aber gut: Vier Rennfahrer in weißen Overalls, Halbschalen-Helmen und mit Mikros vorm Mund sitzen in einem Porsche Panamera GTS, der über eine Rennstrecke glüht. Jawohl, VIER. Zwei vorne, zwei hinten. Nach Ende des Parforce-Ritts geben sie einander im Auto vergnügt High-Five und lachen über den Spaß, den sie hatten. Nette Idee. Ein kleiner Werbefilm, mit dem Porsche die besondere Eigenschafts-Spreizung seines neunten Panamera-Modells illustrieren will. Aber natürlich ist das ­völlig aus der Luft gegriffen.

GTS heißt in Langschrift „Gran Turismo Sport“ und hat bei Porsche Tradition, und zwar eine, die bis weit in die 1960er Jahre zurückreicht. Als langstreckentaugliche ­Leistungsmaximierung ohne Turbo-Einsatz könnte man die Zuspitzung atmosphärisch zusammenfassen. Keine Rekordjagd also, sondern eher die Intensivierung der satten Porsche-Qualitäten auf Sauger-Basis.

Im Fall des Porsche Panamera GTS wurde der Achtzylinder-Motor aus dem S und 4S auf 430 PS und 520 Newtonmeter hochgejubelt, und zwar auf eine wohl­tuend zwanglose Art, indem man dem Motor nämlich ­höher zu drehen erlaubt. Der rote Bereich liegt beim GTS mit 7100/min gegenüber S/4S um vierhundert Umdrehungen höher. In solche Höhen wird man mit einem V8 heute nicht mehr unbedingt gerne vorgelassen. Dabei ist es ein besonderer ­Genuss für jene, die es lieben, wie alle Arbeitsgänge in der rasenden Kleinteilebewegung eben um diese Idee geschmeidiger und schneller passieren. Beim GTS wird diese dynamische Präzision der ­Abläufe unter anderem durch die erhöhte Vorspannung der Ventil-Federn erreicht.

Porsche Panamera GTS Test

Darüber hinaus kommen beim Porsche Panamera GTS zwei neue Nockenwellen zum Einsatz, die den Hub der Einlassventile um einen Millimeter erhöhen. Auf diese Weise wird die zusätzliche Frischluft verarbeitet, die über zwei Luftfiltergehäuse an der Schnauze dem Achtzylinder ab 3500/min zugeführt wird. Per Geschwindigkeit kann man somit eine Art Ladedruck herstellen, weil sich die in dickerem Strahl einströmende Luft in den Kanälen dann leicht staut. Ein natürlicher Turboeffekt quasi, ein selbstbestimmbarer, womit zwei der menschlichen Sehnsüchte angesprochen sind, die gerade hoch im Kurs stehen.

Und obwohl die Verbrennungsweise, mit der der Porsche Panamera GTS seine Kraft generiert, nicht besonders ressourcenschonend ist, lässt einen der amtlich angegebene Preis nicht gleich Achtung und Gesichtsfarbe verlieren. 10,9 Liter im Schnitt werden angegeben. Die Wahrheit lag auf den ersten Test­strecken-Kilometern zwar eher auf Höhe von 13 Liter, jede Neigung hat aber eben irgendwo auch Steigungen und Gefälle als Preis.

Es muss freilich nicht die Rennstrecke sein. Wiewohl: Zweitausend Kilo hoch konzentriertes Panamera-Wesen in Competition-Mode zu versetzen, das ist ein wunderbares Experiment, um zu veranschaulichen, wie man es in ­Zuffenhausen versteht, Kinetik zu disziplinieren. Das im ­Normalmodus um zehn Millimeter tiefer gelegte GTS-­Fahrwerk duckt sich im Sport-­Plus-Modus noch einmal 15 Millimeter näher an den ­Asphalt, und die straffere ­Federung hält glänzend der Massenträgheit beim schnellen Lastwechsel stand. Trotzdem fühlt sich ein leichtfüßiger Walzer anders an, und auch wenn die Regeltechnik exzellente Dienste leistet, schwitzt man aus schierer Hochachtung ins teure Alcantara-Lenkrad.

Welchen Eindruck die Demonstration der fahrphysikalischen Superkräfte auf Fondpassagiere ohne NASA-Training hätte, will man sich eher nicht vorstellen. Am beeindruckendsten aber, für alle, ist der Sound. V8 in Orchesterstärke. Verstärkt und moduliert durch den Porsche Sound Composer, der über die Sport-Taste aktiviert wird. Die Bläser von Jericho werden bei dieser Performance blass vor Neid.

Wer jetzt meint, dass derart kapriziöse Spezialitäten bloß ein Nischeninteresse bespielen würden, hat keine Ahnung von der Porsche-Welt. Mehr am Punkt als mit technischen Finessen wie dieser geht kaum: Ein Viertel aller Panamera-Käufer wird sich einen GTS bestellen. Nein, nicht in Saudi-Arabien. In Österreich. Womit der Begriff Volumensmodell in seinen Kriterien völlig auf den Kopf gestellt scheint, aber das ist eben so, wenn man am spitzen Ende der Pyramide steht.

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