Porsche Panamera Exterieur Dynamisch Front
Auch von aussen: Design mit gespannten Muskeln.
 

Testbericht: Porsche Panamera 4 V6

Das Kerneinsatzgebiet lautet unmissverständlich: Autobahn unlimited.

24.02.2011 Autorevue Magazin

Hier haben wir sozusagen die schmalbrüstige Einsteiger-Version des Panamera mit 300 PS, den es bekanntermaßen auch mit 400 und 500 PS gibt. Also Reserven über Reserven.

Außerdem kommen wir schnell zu dem Schluss, dass ein Panamera gar nicht mit den Expressversionen von gewöhnlichen Limousinen à la Audi S6 oder BMW M5 verglichen werden kann, sondern auf der Höhe von S-Klasse-Mercedes, Siebener-BMW oder Audi A8 agiert. Dies bestätigt sich übrigens auch an seinen äußeren Dimensionen. Der Panamera ist breiter als ein Siebener-BMW und fast gleich lang. Der subjektive Eindruck im Innenraum ist ja ein anderer: Durch die tiefe Sitzposition und die üppige Gestaltung wird man von einer Atmosphäre umfangen, die doch sehr an den 911er erinnert, also ganz und gar nicht weitläufig erscheint. Doch wie schon in vielen Tests erwähnt, ist der Sitzkomfort in der zweiten Reihe voll auf ­Limousinen-Niveau.

So sitzt du also in diesem Auto und pfeifst an einem der ganz wenigen verkehrsruhigen Tage übers deutsche Eck und denkst dir deinen Teil. Zum Beispiel, dass Autos ziemlich weich werden, wenn sie sich ihrer so genannten Bauartgeschwindigkeit nähern. Dieses hier aber nicht. Es scheint, als spannten sich jetzt erst die Muskeln an, und der Eindruck ist auch nicht von ungefähr, lässt sich sogar technisch erklären. Das allerdings aufpreispflichtige Spezialfahrwerk (Luftfederung 4050 Euro) erkennt selbständig die Situation und nimmt die Räder fest in seinen Griff. Andersrum heißt das, dass der Wagen im Alltag ohne ungebührliche Fahrwerkshärten zu fahren ist. ­Federungs- wie Motor- und Schaltcharakteristik des ­Doppelkupplungsgetriebes ­lassen sich in drei Stufen verstellen, auf normalen Straßen kommt außer der Komfort­stufe trotzdem nichts anderes in Frage.

Porsche Panamera Interieur

Da ist eine Übung gelungen, die viele für schwer realisierbar hielten: Die viertürige Limousine als Supersportwagen. Ein Maserati Quattroporte allein auf weiter Flur konnte ja noch nicht alles gewesen sein. Jedenfalls technisch gesehen spielt der Panamera diese ­Rolle bravourös. Die schiere Größe kostet nichts an gefühlter Dynamik, selbst die 300 PS reichen locker aus, um klar­zustellen, dass es sich hier um einen Porsche handelt. Und ­anders als der Cayenne ist der Panamera auch auf der Rennstrecke vorstellbar.

Haben wir nun die flotte Autobahn verlassen, verfliegt auch etwas von der Faszina­tion, weil sich der österreichische Alltag ein wenig gegen die Grundidee Panamera spreizt. Auf Freilandstraßen ist nix mehr mit unauffälligem Vorbeihuschen an anderen Verkehrsteilnehmern, da darfst du dich schön hinten anstellen und fröhlich zur Kolonnen­bildung beitragen. Die Breite des Fahrzeugs lässt hier keine ­Manöver mehr zu, die von der Motorleistung her noch mit großen Sicherheitsreserven möglich wären. Das heißt, hier liegt das Potenzial des Fahrzeugs weitgehend brach.

Diese Fesselung durch ­äußere Umstände steigert sich noch, wenn man sich in den suburbanen Raum bewegt. Zwischen Billa und Baumax, Ikea und McDonald’s wird er zu einem ziemlich mühsamen Klotz. Zuerst kriegst du ewig keinen Parkplatz, und wenn, dann geht die Tür nimmer
auf. ­Was man immerhin mit ein bissl Arroganz abpolstern kann: die staunenden, die ­begeisterten, mitunter sogar bösen Blicke der Passanten, die sehr oft zum ersten Mal in ihrem Leben so einen Porsche sehen. Leichter wird das Leben erst wieder auf der Ringstraße.

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