Porsche Panamera Turbo S dyn vore
Turbo S statt Turbo: 550 statt 500 PS.
 

Vorstellung: Porsche Panamera

Munter dreht sich das Modellkarussell, ein bissl mehr geht ja immer.

03.08.2011 Autorevue Magazin

In 3,8 Sekunden von Null auf Hundert mit einer 2000-Kilo-Limousine, das ist sozusagen der große Bergsturz des Autofahrens. Man macht das mit Launch Control, also linker Fuß auf die Bremse, rechter Fuß Vollgas, dann Bremse loslassen, und es erbrause die ganz arge Musik. Der Motor lässt im Anfahren das ideale Drehmoment frei, bei dem gerade noch nicht durchgedreht wird, und reizt dann jeden Gang voll aus. Echt voll.

Dieser Bubenstreich skizziert das ewige Dilemma des Panamera. Denn eigentlich sind wir hier ja in der Vorstandsetagendimension, gespielt wird mit dem Geld der Anleger, und manchmal auch Golf. So ist das zumindest bei BMW, Mercedes und Verwandten. Der Panamera hat
da trotz Bestrebung noch nicht ganz hineingefunden, nicht zuletzt, weil er ein Porsche ist. Bei ausgewachsener Größe und jenseitigen Preisen kann sich dieses Auto doch nicht vom Spielzeugding freimachen. Chauffeurslimousine, Staatswagen: negativ. Darum freilich gab es von Anfang an, also seit nun knapp zwei Jahren, auch den Turbo mit 500 PS, und wer den gekauft hat, muss sich jetzt überlegen: Neues Auto oder gesellschaftliche Ächtung.

Denn der Neue hat 50 PS mehr als der nunmehr Alte, ­erreicht durch verbesserte ­Turbolader mit Titan-Alu-­Turbinenrädern sowie eine ­angepasste Motorsteuerung. Außerdem liegen 50 Nm mehr maximales Drehmoment an. Dass er auch gleich um 34.000 Euro mehr kostet, wird zu verschmerzen sein, zumal die ­Serienausstattung des Turbo S deutlich ­aufgewertet wurde. Aufpreisfrei ist nun etwa die „Chassis Control“, die die Seitenneigung des Autos in schnellen Kurven verringert. Dann das „Sport ­Chrono Paket Turbo“, das über Knopfdruck Fahrwerk und ­Antrieb weiter zuspitzt. Außerdem „Torque Vectoring Plus“, die ­variable Momentverteilung an den Hinterrädern (bessere Trak­tion, mehr Lebendigkeit), und eine Abgasanlage für die feinen, leisen Töne direkt aus den schwärzesten Tiefen der Hölle.

Das alles summiert sich zu einem seltsamen Gemisch aus überladen, leichtfüßig, bombastisch, laut, leise, schön, anziehend, abstoßend und immer wieder vor allem großartig – auch, dass es so was noch gibt. Denn 300 auf der Autobahn sind heutzutage längst nicht mehr selbstverständlich.

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