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"Die Alltagsbringschuld der letzten 50 Jahre."
 

Testbericht: Porsche Macan S Diesel

Der Macan wird der bestverkaufte Porsche der kommenden Jahre werden. Mal sehen, warum.

04.06.2014 Online Redaktion

Der kluge Hans war ein Pferd, das Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin lebte. Es konnte zählen, buchstabieren und sogar die wichtigsten Feiertage, wie des Kaisers Geburtstag, per Hufschlag wiedergeben. Ein Showstar. Das Problem war nur, dass er nicht wirklich rechnen konnte, ja nicht einmal den Kaiser kannte er. Er scharrte einfach so lange mit den Hufen, bis er eine Stimmungsänderung beim Publikum bemerkte. Dann hörte er auf. Es wurde applaudiert und der kluge Hans bekam eine Karotte.

Der Porsche Macan S Diesel ist kein Sportwagen.

Er wurde von den Ingenieuren so lange neu vermessen und designt, bis man ihn dafür halten konnte. Der Sitz fesselt den Fahrer hinter das Lenkrad. Leicht erhöht thront man über dem restlichen Verkehr, ist aber eingespannt in die umfangreiche Klaviatur eines modernen Porsche. Der erste echte Tritt aufs Gaspedal wird zur Offenbarung. Mit aktiviertem Sport-Plus-Modus stürmt der Macan vorwärts, als gäbe es einen Grand Prix zu gewinnen. Die Grundgemütlichkeit des Cayenne wurde hier abgelegt. Von allen viertürigen Porsche-Modellen ist der Macan der porschigste.

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Die blanken Daten alleine stellen das Fahrzeug in spektakulären Superlativen dar. Dazu kommt das sportliche Setting. Die Mitbewerber – auch der Audi Q5, von dem ja der Motor stammt – werden ab sofort als Reisebusse wahrgenommen.

Doch was fangen wir mit einem Sportwagen an, der 1,6 Meter hoch und 1,9 Tonnen schwer ist?

Freilich ist der Macan das sportlichste Diesel-SUV auf dem Markt, aber auch hier ruht der Fahrer nicht im Schwerpunkt, sondern eben zwanzig Zentimeter darüber. Der Dieselmotor will sich emotional nicht entfalten. Nichts dringt zu unserem ­Unterbewusstsein vor. Porsche wollte das so. SUVs sind für Langstrecken gedacht, da darf der Motor nicht die Tonleiter rauf- und runterbrüllen. Der Sound ist bis zur Unkennt­lichkeit weggedimmt, was gut ist. Das „S“ im Namen ist ein ­vages Versprechen, das mit der Brutalität der Fahrleistungen eingehalten wird. Nicht mit den Emotionen. Was anfangen mit einem SUV, dessen enorm breite Mittelkonsole uns von unseren Mitreisenden entfernt, als säßen sie in einer anderen Klimazone – was sie, mit etwas Mut bei der Aufpreisliste, ja auch tatsächlich tun?

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Der Sitz ist ­sportlich, aber langstreckentauglich.

In erster Linie einmal ­fahren.

Bei aller emotionalen Kritik, der Macan ist ein souveränes Auto, das Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr beherrscht. Das höhenverstellbare Fahrwerk und die adaptiven Dämpfer sind die Mess­latte, an der sich die Konkurrenz orientieren muss. Die Offroadfähigkeit ist das beste Beispiel. Wer im Sportmodus am Wald ankommt und mitten hinein möchte, hebt das Fahrzeug per Knopfdruck um fünf Zentimeter an. 230 Millimeter Bodenfreiheit gibt es dann, und das sind mehr als bei manch Geländewagen klassischen Zuschnitts. Um die der Macan freilich Kreise auf betoniertem Geläuf zieht.

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1500 Liter ­Kofferraum bedeuten: konkurrenzfähig.

Das ist der Macan. Er ist kein steilerer Cayenne und, Gott bewahre, kein hochgepumpter 911er. Der Macan S Diesel ist in erster Linie ein niederschmetternd gutes Auto, mit dem Porsche scheinbar die Alltagsbringschuld der letzten 50 Jahre nachholen möchte.

Der kluge Hans prägt bis heute Psychologie-Fachbücher. Ganze Kapitel sind nach ihm benannt. Gleiches wird der Macan mit der Historie der Marke Porsche machen. ­Boxster, Cayman und 911er gehen dann die Seiten aus.

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SITZVERSTELLUNG Sechs Knöpfe für die ideale Sitzposition.

Wikipedia: Der kluge Hans

Porsche Macan Modellvorstellung.

Porsche Macan Turbo Test.

  • Helmut Soik

    Der Macan ist eindeutig das beste,was es indiesem Segment zu kaufen gibt. Einen Porsche fährt man nicht wegen evt. geringem Spritverbrauch (Diesel) sondern wegen der Faszination PORSCHE. Deshalb ist die beste Option der MACAN S- 340 PS. Hier hat man einen richtigen PORSCHE zu akzeptablem Preis.

  • Josef Wohleser

    Ja der Macan ist ein Superauto. Allerdings zu teuer! Trotzdem war anscheinend kein Geld da um einen Hebel zum Umlegen der Sitzbank im Kofferraum anzubringen! Oder war das Absicht, um sich nur ja vom Q5 zu unterscheiden? Der hat so einen Hebel.

    Mit freundlichen Grüßen

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