porsche macan turbo 2014 vorne front seite drift
Macht nicht nur auf der Straße eine gute Figur.
 

Porsche Macan: Power-Allrad mit Lamellenkupplung

Der Porsche Macan stammt vom Audi Q5 ab, aber ein anderer Allradantrieb und eine eigenständige Fahrwerksauslegung ergeben ein völlig neues Fahrgefühl.

14.12.2013 Autorevue Magazin

Wie bereits in aller Breite angekündigt baut Porsche nun auch ein kompaktes SUV, eine zweite Modellreihe, die größenmäßig unterhalb des Cayenne liegt, basierend auf der Technik des Audi Q5. Zum Teil eigene Motoren, ein ganz anderer Allradantrieb und eine erkleckliche Summe an Details am Fahrwerk sollen klar stellen: Das ist ein Porsche, kein Audi und schon gar kein VW.

Porsche Macan mit eigenem Allradantrieb

Der eigenständige Allradantrieb basiert auf dem siebengängigen Porsche-Doppelkupplungsgetriebe, dem eine Reiblamellenkupplung angehängt wurde. Von dort geht der überwiegende Teil des Drehmoments zu den Hinterrädern, ein Teil des Drehmoments wird bedarfsgerecht je nach Fahrsituation elektronisch gesteuert zu den Vorderädern geleitet. Das funktioniert stufenlos ohne jegliche fixe Momentenverteilung, auch hundert Prozent nach vorne sind möglich. Das Torsen-Verteilergetriebe im Audi arbeitet hingegen mit einer Grundauslegung von 40 Prozent vorne, 60 Prozent hinten. Wenn Schlupf an einer Achse stärker wird, verändert sich dieses Verhältnis mechanisch von selbst zugunsten eines guten Vortriebs, eigentlich genial.

porsche macan turbo 2014 schnittbild allradantrieb

Reiblamelle versus Torsen

Das Audi-System stammt aus einer Zeit, als elektronisch gesteuerte Allradsysteme von der Umsetzungsgeschwindigkeit und Leistungsfähigkeit her dem Torsen-Prinzip noch unterlegen waren. Elektronisch gesteuerte Reiblamellenkupplungen haben aber mittlerweile in beiden Disziplinen aufgeholt. Torsen ist noch immer super, hat aber zwei systembedingte Schwächen: Die geniale Mechanik funktioniert nur, wenn alle drei Räder den gleichen Abrollumfang haben. Wenn ein Rad total durchdreht, stehen plötzlich auch alle anderen still.

Porsches eigener Zugang

Während die Marke Audi charakterlich mit Frontantrieb assoziiert wird, also sicheres, stabiles Fahrverhalten mit Tendenz zum Untersteuern im Grenzbereich, ist für Porsche der Heckantrieb die philosophische wie praktische Grundlinie, also agiles Heck. Und exakt hier wollte man auch den wichtigen Abstand zwischen Q5 und Macan schaffen. Die Herangehensweise beim Macan ist allerdings nicht neu für Porsche, denn schon der 911er Allrad wurde nach diesem Prinzip entwickelt, ebenso Cayenne und Panamera. Auch bei BMW findet man schon lange die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung in ähnlicher Konstellation.

porsche macan turbo 2014 heck hinten seite

Verschiedene Räder vorne und hinten

Viel Drehmoment an den Hinterrädern für eine überragende Dynamik und ein geiles Fahrgefühl, wenig Drehmoment an den Vorderrädern für präzises von Antriebseiflüssen möglichst freies Lenkgefühl. Diese Eigenschaften verstärkt man noch durch unterschiedliche Dimensionierung der Räder. Vereinfacht gesagt: Zu breite Räder vorne machen ein Auto im Einlenken träge. Zu schmale Räder hinten machen es bei hohen Kräften und hohen Geschwindigkeiten instabil. Deshalb das Macan-Rezept: Große breite Räder hinten, etwas zartere vorne. Und schon pfeift der Wagen super geradeaus und exakt in die Kurven.

porsche macan turbo 2014 hinten heck  gelaende

Gelände: Ja, aber

Weil ein Auto nicht alles können kann, wäre es wohl keine gute Idee, dieses Funktionsprinzip für einen echten Geländewagen anzuwenden, wenngleich der Macan auch abseits der Straße sehr gute Figur macht (Bild). Schon ein Reifenschaden bedeutet das Ende der Fahrt, schließlich gibt’s nur Pickzeug oder Notrad, mit zwei verschiedenen vollwertigen Reserverädern wäre der Kofferraum schon voll. Und für einen harten Offroad-Dauereinsatz wären auch die vorderen Antriebswellen zu dünn.

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