Porsche Cayman R
Ein Porsche der reinen Idee: Gesund und munter.
 

Testbericht: Porsche Cayman R

Der gesportete Cayman, frisch aus dem Studio. Ein Porsche der reinen Idee.

26.08.2011 Autorevue Magazin

Im Grunde kann man ohne schweres Gepäck leben. Haus, Familie, SUV, Aufsichtsratsmandat, Segelyacht, noch ein Haus, wird alles überschätzt. Es wurde nämlich wissenschaftlich herausgefunden: Nicht Sachen generieren Glück, sondern Erlebnisse. Für manche Erlebnisse braucht man freilich eine Sache als Trägermedium. Je leichter, einfacher und schlanker dieses Medium dann ist, desto konzentrierter das Erlebnis und obendrein leichter das Gepäck.

Cayman R also.

Der wurde vom normalen Cayman durch Reduktion und Mehrleistung (330 statt 300 PS) abgeleitet, die Idee war die ­Betonung der Fahrmaschine durch Gewichtsverlust: Karbonschalensitze, Alu-Türen, kein Wohlstandsspeck. Es ist auch Porsche-typische Leichtbau-Folklore dabei wie das Weglassen normaler Türschnallen zugunsten von Schlaufen aus Kunstfaser, an denen man zieht. Das reine Ergebnis wäre ein Cayman, der nur 1295 Kilo wiegt. Da man aber seitens Porsche niemandem was aufzwingen will, ist die Optionsliste voll mit Dingen, die Komfort und Gewicht zurückbringen, nur Türschnallen sind keine dabei.

Diese Möglichkeit des Aufrüstens, die Klimaautomatik, Navigationssystem und andere Notwendigkeiten einschließt, macht den R-Effekt zunichte, und auch wieder nicht. Denn letztlich geht es um Befindlichkeiten, Gefühle und auch um Story-Telling. Wir wissen, wie der durchschnittliche Porschefahrer beschaffen ist, und dass er es nur selten so eilig hat.

Porsche hat genau das Richtige getan.

Vor allem wird der Cayman aufgewertet. Die Leute sagen ja, er ist kein richtiger Porsche. Denen wird das jetzt widerlegt. Erstens sieht der Cayman vollendet aus, er ist langgezogen und hinten voller Muskeln. Und zweitens braucht er sich in der Performance nicht zu verstecken.

Wir schalten die Sport­abgasanlage – vulgo Auspuffröhren – dazu und lassen den Cay­man von der Kette. Mit den optional verkürzten Schaltwegen klicken wir uns regelrecht die Gänge hoch, knackige ­Widerstände an rechter Hand und linkem Bein überwindend. Besser wäre trotzdem das Doppelkupplungsgetriebe, dann könnten wir uns ausschließlich auf die lebenserhaltenden ­Systeme konzentrieren.

Sauber geht die Fahrerei von der Hand. Kaum hat der Sechszylinderboxer Drehzahlen, schiebt er volle. Im Sportmodus sogar noch mehr volle, weil Gasbefehle unmittelbarer angenommen werden. Schon im dritten Gang sind wir auf der Autobahn schwer straffällig (165 km/h). Das Interieur tut dann auch nichts, um uns zurückzuhalten, denn wer in Sportschalensitzen klemmt, fährt grundsätzlich scharf. Dafür tun nach einer Stunde Hintern, Rücken und Nacken weh, und das ist auch gut so, denn: Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt.

Klar ist der Mittelmotorwagen ein Gedicht in der Balance. Das haben wir aber nur erfahren, weil wir damit schon einmal auf einer Rennstrecke waren, was ein Dilemma offenbart. Artgerechte Freude lässt sich anders kaum erleben.

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