Porsche Cayman statisch vorne rechts
Ob der Cayman nun der bessere 911er ist oder nicht – er sieht jedenfalls hinreißend aus.
 

Vorstellung: Porsche Cayman

Leichter, länger, stärker: Die neue Generation des Porsche Cayman schlägt die logische Richtung ein.

16.05.2013 Autorevue Magazin

Brauchen wir also noch den 911? Aber ja doch. Wer beide fuhr, weiß, da liegen Welten dazwischen. Der 911 ist bru­taler und gleichzeitig komfortabler, auf jeden Fall erwachsener, teurer sowieso, sein Image ist nach wie vor ungebrochen. Auch wenn’s die Cayman-Fans anders sehen wollen.

Und Cayman-Fan wird man schnell einmal. Wer sagt, der Porsche Cayman sieht spannender aus als der 911, muss erst einmal widerlegt werden. Der Neue kommt flacher als der Alte, optisch auf jeden Fall ­dynamischer. Die Windschutzscheibe ist zehn Zentimeter weiter vorne, die Dachlinie zieht sich noch mehr nach hinten. Dazu ist der Radstand um sechs Zentimeter gewachsen, das ganze Auto um drei. Auch die Spur wurde breiter, logisch steht der Cayman jetzt besonders sprungbereit da. Der Sex wird schnell einmal strapaziert, und meistens zu Unrecht, aber dieser Porsche hat was davon. Wohl mehr als der 911.

Dem Porsche Cayman steht die Handschaltung gut zu Gesicht.

Wir haben wieder einen normalen Cayman und einen geschärften S. Beide sind serienmäßig mit einer knackigen Sechsgangschaltung zu haben, die vielleicht hier sogar die stimmigere Variante ist. Das Doppelkupplungsgetriebe (PDK) ist natürlich perfekt, andererseits hat es ein bissl was von gesättigt. Man ahnt ja den Altersschnitt der 911-Fahrer und weiß, wie beliebt dort das PDK ist (80 Prozent. Beim ­Cayman sind es um die 60.)

Ein Zugeständnis an die Faulheit ist jetzt eh schon der optionale Abstandsregeltempomat. Hätte es so was schon vor 20 Jahren gegeben und ­hätte Porsche das damals eingeführt, es wäre vermutlich zu Unruhen gekommen. Heute scheint das schon fast normal. Wir haben es bei den ersten Testfahrten nicht ausprobiert. Wird sicher funktionieren.

Natürlich ist auch Start-Stopp-Automatik und Reku­peration an Bord, um bis zu 15 Prozent soll das aktuelle Modell weniger verbrauchen. Mit dem PDK kann man sogar segeln, also Rollen im Leerlauf.

Okay, wir können uns also einiges ersparen, wenn wir einen Porsche Cayman haben, vernünftig wie wir sind.

Lassen wir es krachen!

Sind wir aber gar nicht so, und daher haben wir es natürlich ein wenig krachen lassen. Der Sound kommt ganz gut, wirklich stark wird das aber mit der Sportabgasanlage. Der normale Cayman mit seinen 275 PS ist noch kein Überdrüber, bringt aber doch schon einigen Spaß. Mit dem S kann man auch auf der Rennstrecke einigermaßen performen, zumal mit dem Sport-Chrono-Paket, das eine Dynamisierung des Autos ermöglicht. Die Dämpfung wird härter, der Motor spricht aggressiver an, beides dank Sport Plus-Taste, man kennt das schon vom Vorgänger. Hat man PDK, lässt sich das Auto via Launch Control zünden, also maximale ­Beschleunigung. Ein allerdings etwas pubertärer Spaß. Aber wie sagen sie bei Porsche: Der Cayman ist eine Fahrmaschine. Der Altersschnitt der Käufer liegt tiefer, der Anspruch ist höher (als bei anderen Porsches, das sagen sie aber so ausdrücklich nicht dazu).

Das geringere Gewicht (der Aluminium-Anteil der Karosserie beträgt 44 Prozent), die steifere Karosserie und die ­verbesserte Fahrwerksabstimmung bringen in der Tat ein merklich feinfühligeres Handling, die sehr exakte, elektromechanische Lenkung macht ebenfalls Freude.

Der Fahrer ist reichlich tief ins Auto eingepasst. Die nach vorne ansteigende Mittel­konsole gibt der rechten Hand eine angenehme Ablage. Man sitzt bequem und wird nicht von übertriebener Härte durchgeschüttelt. Puristischer Sportwagen ist das keiner, aber das Puristische an sich ist in der Firma Porsche ohnehin etwas aus der Mode geraten.

 

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