Porsche Cayman R Exterieur dynamisch Heck
Das Heck schwänzelt leicht – und oh, wie toll wir das finden.
 

Vorstellung: Porsche Cayman

Runter das Gewicht, rauf die Leistung. Noch ein Grund, einen Cayman haben zu wollen.

16.04.2011 Autorevue Magazin

Das Komische ist, dass Porsche, nachdem so viel unternommen wurde, um aus dem Cayman einen Cayman R zu machen, nun allerlei Lösungen anbietet, um das R weg­zukriegen. Sie haben zum ­Beispiel das Radio (minus 3 kg) , die Klimaanlage (minus 12 kg) und die Dosenhalter rausgeworfen, um Gewicht zu ­sparen. Und jetzt kann man das alles und noch viel mehr als Extras in das Auto hinein­kaufen oder sich hineinschenken ­lassen (einfaches CD-­Radio und Cupholder kosten nichts), es wird wieder schwerer, und aus ist es mit dem leichten, schlanken, reduzierten, supersehnigen Rund­streckenasketen.

Das macht aber nichts, weil die Anforderungsrealität – genau wie bei den Geländeautos – sowieso verwässert ist. Denn natürlich werden alle dem R ein Radio und eine Klimaanlage und den ganzen restlichen Schmackes hineinkaufen, weil ja ohnedies niemand vorhatte, mit dem Auto auf eine Rennstrecke zu gehen. So gesehen sind wir wieder am Anfang plus zehn PS. Und es ist netto nahezu nichts passiert.

Außer, dass es den R als halbwegs reine Lehre, zum Beispiel unbefleckt noch im Autogeschäft, durchaus gibt, und er ist ein Auto zum Niederknien geworden. Vielleicht ist der Cayman, wie manche sagen, sowieso der schönere 911er. Als R auf jeden Fall eine formidable Möglichkeit, diesseits von 100.000 Euro ­einen echten, gescheiten Porsche zu fahren, der in seiner Anmutung nicht mehr viel mit dem im Prinzip baugleichen Boxster zu tun hat.

Der Cayman R ist um 55 Kilo leichter als der Cayman S und hat um zehn PS mehr, das ist seine zentrale Wesenheit: Das geringere Gewicht ist geschuldet dem schon erwähnten Verzicht auf diverse Wohlstandsspecke, den Karbon-Schalensitzen, die zwölf, und den Aluminiumtüren, die 15 Kilo einsparen (welchen Anteil daran der Verzicht auf herkömmliche Türschnallen zugunsten von Stoffschlaufen hat, wollen wir, gut erzogen, wie wir sind, nicht nachfragen. Gute Folklore muss nicht immer rational sein).

Wer es tatsächlich ernst meint, kann noch ein wenig Geld in weitere Schlankheitskuren stecken: Etwa in die knallgelbe Keramikbremsanlage, die zudem auch das so ­lästige Fading auf der Rennstrecke hinauszögert – wie wir selbst auf dem engwinkeligen und bremsintensiven Circuito Mallorca erfahren durften. Der Unterschied ist nicht nur in den knapp 10.000 Euro spürbar, die die Bremsen kosten, sondern tatsächlich auch im Einsatz. Um weitere 2.205 Euro kann man eine Lithium-Ionen-Batterie erwerben, die bis zu 15 Kilo leichter ist als eine normale Batterie, was man aber, wenn man nicht die Prinzessin auf der Erbse ist, kaum spüren wird. Das ist dann mehr was zum Anschauen oder Erzählen.

Mit seinem Mittelmotor ist der Cayman ideal in der Gewichtsbalance, gleichzeitig ­fördert solches Layout grundsätzlich das Leichtwerden des Hecks, wenn man zum Beispiel unwirsch aus der Kurve herausbeschleunigt. Das ist ein freiwillig bespielbares Thema aber nur, wenn man sich das Sport-Chrono-Paket geleistet hat, denn in serienmäßiger Konditionierung holt das PSM (Porsche Stability Management) eh sofort das Gas von der Bühne. Mittels Tastendruck lassen sich im Sport-Chrono-Modus Schaltzeiten und Motorcharakteristik so verschieben, dass es sich ein bissl wie Rennsport anfühlt und mit regulierbarer Sport- auspuffanlage auch anhört. Leicht schwänzelt dann das Heck. In Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe lässt sich das PSM auch ganz wegschalten, wobei es allerdings stets Elektronen bei Fuß steht und bei ernstem Haftungs­verlust doch einspringt. Volles ­Risiko geht also gar nicht mehr.

Umso unbeschwerter lässt es sich mit dem R über die Rennbahn carven, präzise die Lenkung, erstaunlich die möglichen Querkräfte diesseits des PSM-Eingriffs. Auf offener Straße hingegen werden zumindest die Schalensitze mit der Zeit ein wenig zum Problem, wir raten zum Ankauf der adaptiven Sportsitzanlage. Wobei: Was die wieder wiegt …

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