Der silberne Turbo S schien außer Rand und Band angesichts der Gaseingabe seines Lenkers.
Der silberne Turbo S schien außer Rand und Band angesichts der Gaseingabe seines Lenkers.
 

Mechthilds Mädchengruppe

Die groben Bolzen sind nix für den Nachwuchs. Kein GT3, kein Turbo S. Stattdessen Boxster und Cayman – immerhin als GTS. Eigentlich ein Wunder, dass ich nicht auf Cayenne Diesel starten musste.

21.07.2014 asphaltfrage

Die argen Geräte seien nur was für die großen Jungs. Dumm nur, wenn es dann in Monza schifft wie aus Kübeln. Statt Zeiten feilen – Freischwimmer machen. Und so stand Werkspilot Neel Jani dann auch mit wagenradgroßen Augen in der Box während er von eindringlich vor wenig Reifenhaftung und Querbeschleunigung sprach. Die Elektronik solle besser aktiv bleiben heute, die Bedingungen selbst für einen Profi nicht zu unterschätzen. Das Fest begann schnell. Am Ende des Feldes mühte sich der Scheibenwischer des Cayman GTS nach Kräften den Blick auf die Vorausfahrenden zu klären._Porsche-Cayman-GTS-innen

Die besten Reifen für die Bedingungen

Ich hätte ihn nicht missen wollen. Der silberne Turbo S schien außer Rand und Band angesichts der Gaseingabe seines Lenkers: übersteuernd, untersteuernd, mal alles zugleich und doch vor Kraft kaum laufen könnend. Schöner nur die GT3’s. Feinste Michelin Pilot Sport Cup 2 waren montiert, der wohl beste Reifen in diesen Bedingungen um das eigene Deodorant zu testen. Wer das Gaspedal nicht mit ballerinagleicher Leichtigkeit dosierte, der erntete heftige Quersteher. Ansatzlos, brutal und nur mit höchster Aufmerksamkeit der ESP-Schaltkreise zu parieren._Porsche-Cayman-GTS-innen-detail

Die Männergruppe beginnt zu zittern

Nach dem ersten Turn schien das Nervenkostüm der Männergruppe empfindlich angegriffen. Zugegeben hätte das natürlich keiner, aber die gezündete Zigarettenmenge sprach eine deutliche Sprache. Im GTS dagegen war die Welt in Ordnung. Weder profillose Sportreifen, noch überbordendes Drehmoment verhagelten hier den Fahrspaß, stattdessen war es einfach: schön. Perfekt ausbalanciert surfte der Cayman durch die Fluten, teilte stets brav das Gripniveau der Vorderachse mit uns ließ sich spielend auf Kurs halten. Ganz ohne Achselschweiß und sonstige Unwägbarkeiten. Irgendwann dann kam auch die Sonne zum Vorschein und mit ihr, große Glückseligkeit._Porsche-Cayman-GTS-felge

Was den Unterschied ausmacht

Weil der kleine Cayman nie ein schlechtes Auto war. Eher ein richtig gutes. Und der GTS nun das fahrdynamisch perfekte Paket schnürt. Klar, außen gibt es noch ein bisschen Deko in Form von schwarzen Akzenten, doch die Musik spielt unter dem Blech. 15 PS und 10 Nm mehr machen nicht wirklich einen großen Unterschied, aber zusammen mit dem serienmäßigen PASM, dem Sport Chrono Paket und der böse tönenden Auspuffanlage macht das Topmodell alles richtig. Sicher, auf der Geraden musst Du es ein wenig abreißen lassen. Nur: Zwei Kilo zwanzig in der Curva Grande sind jetzt auch nicht wirklich langsam._Porsche-Cayman-GTS-heck-detail

Auf der Bremse beißt sich der Cayman ran

In der Kurve lässt er sich sowieso nicht abschütteln. Weil Du spät möglichst bremsen kannst, tief in die Kurve hinein, ihn dann grob umsetzen und genau im Moment in dem die Vorderachse so ein bisschen das Jammern beginnt das Gas anlegen kannst und das Eindrehen dazu nutzt wirklich schnell aus der Kurve zu gehen. Weil der GTS Dich nie überfordert. Transparent bleibt. Nur die Vorderachse lenkt und nur die Hinterachse antreibt. Kein Moment verteilt und keine Lenkgeometrien ändert. Weil er ein Fahrerauto ist._Porsche-Cayman-GTS-schaltung

Natürlich sind GT3 und Turbo weit schneller

Natürlich ist ihr technologischer Fortschritt ein ganz feiner. Doch: was, wenn man ihn nicht nutzen kann? Nicht nur, weil die Bedingungen schlecht sind, sondern einfach, weil der Grenzbereich in den groben Kisten einfach so weit jenseits von den eigenen Fahrfähigkeiten liegt, dass die Karre die ganze Zeit gelangweilt wirkt und im Moment des Talentverlusts rückwärts Richtung Reifenstapel kreiselt? Eben. 

Manchmal muss man Mädchen sein. Sich eingestehen, dass man eben nicht zu den Besten gehört. Weder Neel Jani, noch Marc Lieb auf der trockenen Piste folgen kannst, trotz gleichem Materials. Stattdessen fasst man einfach das kleinere Gerät aus und wird damit wunderbar glücklich.

Weil man es hier gerade noch packt. Weil der GTS die eigenen Reflexe nicht überfordert. Vor allem aber, weil man das Gerät noch im Grenzbereich bewegen kann. Und weil genau dort, auf diesem schmalen Grat zwischen Ecke oder Hecke, das Fahren wirklich echte Freude macht.

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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