Porsche Cayenne Turbo Exterieur statisch Front
Der Cayenne ist die ärgste Art, SUV zu fahren.
 

Testbericht: Porsche Cayenne Turbo

Vergesst Hybrid und Diesel – hier spielt die Musik!

16.08.2010 Autorevue Magazin

Schon der Preis: Der Cayenne Turbo kostet 140.000 Euro, alle anderen Varianten überschreiten nicht die 90.000. Da bleiben wir sehr unter uns, am Ende dieser Leistungsstrickleiter aus 300 (Cayenne), 400 (Cayenne S) und 500 PS (Turbo). Ein fast monk’scher Hang zum sauberen Regelmaß schimmert hier übrigens durch und materialisiert sich zu feinem Humor für die Datenblätter. Wir warten auf die 600 und die 700.

Im Grunde muss es der Turbo sein. Der Cayenne hat, um das mal so zu sagen, immer andere Leute angesprochen als beispielsweise der Range Rover. Als Cayenne­fahrer muss ich mich an Gesprächen über die Fasanenjagd in Schottland oder die Rezep­tion von Shelleys „Prometheus Unbound“ nicht beteiligen können. Es reicht, wenn ich das fetteste Auto habe. Darum muss es der Turbo sein. 2200 Kilo Auto sind in 4,7 Sekunden vom Stand auf Hundert. Da schmelzen die Pol­kappen nicht, sie verdampfen – vor Schreck. Der Carrera Coupé braucht 0,2 Sekunden länger, der Krapfen.

Alles am Cayenne Turbo kündet von geringer Verhandlungsbereitschaft, das Auto ist so, wie ein ideales Unternehmen sein sollte: Es gibt keine Meetings, einer entscheidet, und zwar richtig. Wichtige ­Signale werden ausgesendet: Die Wucht der Karosserie – da schiebt man Luftblöcke in Hausgröße vor sich her und entwurzelt, was im Wege steht. Rote Bremssättel – Abstand halten! Zwei Doppelendrohre – abermals Abstand halten, sonst versengen die Augenbrauen. Haltegriffe an der Mittelkonsole – wer sich nicht festhält, fliegt raus. Ein Knopf, auf dem „Sport“ steht, als müsste dieses Wort noch extra erwähnt werden – das Eingriffsverhalten der Regelsysteme wird in Richtung Eigenverantwortung verschoben. Huch!

Die Perfektion, mit der hier umgesetzt wurde, ist fast beängstigend. Kein Freiraum für kreatives Scheitern. Nur kreatives Siegen war erlaubt. Den Leser, den die Schadenfreude über das misslungene Objekt treibt, müssen wir enttäuschen.

Der 4,8-Liter-Achtzylinder mit Direkteinspritzung wird von zwei parallel geschalteten Abgasturboladern bedient. Die Kraftentfaltung geschieht nach Pedalbefehl fast und im Sport-Modus ganz verzögerungsfrei (gefühlt). Dem Motor haben sie bei Porsche eine kräftige, strapazfähige Stimme mitgegeben, die Abgasanlage schüttet die richtige Dosis schlechtgelaunten Mastiff dazu.

Und dann bleibt man einfach am Gaspedal stehen und wartet, was passiert. Was passiert ist: Man wird immer schneller. Zweimal Husten, und man steht mit dem rechten Fuß im Kriminal. Viermal Husten, und am nächsten Tag müssen sie sich in der Kronenzeitung keine Sorgen um die Titelseite machen. Wenn dann die Tachonadel schon recht weit rechts oben steht, breitet sich im Auto eine Ruhe aus, die meditativ genannt zu werden hat (und, allerdings ohne meditativ zu sein, vorher auch schon da war). So muss es sich anfühlen, wenn das Wurmloch durchstoßen und wie in einem strahlend hellen Tunnel ein anderes Universum betreten wird. Wichtige Erkenntnis auch: Der Bereich zwischen 150 und 250 ist extrem schmal. Man kann sich darin hin- und herbewegen wie mit einem normalen Auto zwischen 90 und 110: Nur ein bissl Gas oder Bremse, und die Amplituden sind erreicht.

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