Porsche Cayenne GTS Testbericht

Der bisher sportlichste Cayenne will nicht mehr ins Gelände. Hier kommt sozusagen ein Familienporsche.

01.04.2008 Online Redaktion

Da ist dieser klobige Tempomat, der einem so gar nicht gefallen will. Besonders, wenn man gerade aus einem Mercedes mit diesem filigranen Tempo-Halte-Hebelchen steigt. Und erst diese unpraktischen Daumen-rutschen-ab-Schaltwippen am Lenkrad. Und doch: Es kann kein anderer Porsche sein.

Weil Kinder und Gepäck mitmüssen. Weil die anderen Cayenne zu offroad sind. Weil es den Panamera noch nicht gibt. Weil der GTS unter der psychologisch wichtigen 100.000-Euro-Grenze bleibt. Auch diese Schrecksekunde vor Kurven nimmt einem der GTS. Er wird sich nicht überschlagen. Vorausgesetzt man ordert die Luftfederung (2.248 Euro) und die Porsche Dynamic Chassis Control (3.818 Euro). Der nächste Angstschweiß käme beim Einparken. Die Rundungen lassen nur erahnen, wo der Cayenne anfängt und wo er aufhört. Einparkhilfe. 962 Euro. Dazu noch das dringend notwendige Chichi wie etwa eine elektrisch ausfahrbare Anhängekupplung (1.336 Euro), ein Navigationssystem (3.430 Euro) sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer (1.796 Euro) – und schon stehen 120.000 Euro unterm Strich. Schnell hat die Ausstattung den Gegenwert einer A-Klasse erreicht.

Betuchten Fahrern ist das nach den ersten Metern egal. Der GTS hat 405 PS, also 20 PS mehr als der Cayenne S. Dazu noch eine verkürzte Achsübersetzung. 4,1:1 statt 3,55:1. Und serienmäßig gibt es das Porsche Active Suspension Management (PASM). Der Fahrer kann die Dämpfer sportlich, normal oder komfortabel einstellen. Wir raten zu Letzterem. Der Motor faucht beim Anlassen, ein kurzes Puff hallt durch die Ohren, wenn der Kopf gegen die Stütze gestoßen wird. Wie schön.

Schön auch, dass Porsche den Cayenne konsequent weiterentwickelt hat. Weil zwischen Zuhause und beispielsweise dem Kindergarten ein eklatanter Mangel an Wasserdurchfahrten und Trial-Sektionen herrscht, ist ein Cayenne-Fahrer selten bis nie im Gatsch zu sehen. Der GTS distanziert sich daher auch von jedweder Offroad-Ambition: sportliches, um 24 Millimeter tiefergelegtes Fahrwerk, 2,3 Tonnen Leergewicht und 21-Zoll-Felgen. Reduktion (2,7:1) und Differenzialsperren gibt es nur noch für Hängerfahrten und Skiausflüge.

pixel