Porsche Cayenne Testbericht

Ungeheuerlicher Kulturschock oder notwendige Portfolio-Erweiterung? Seltsam egal, wenn man erst einmal drinnen sitzt.

01.04.2009 Autorevue Magazin

Die Welt ist nimmer, wie sie einmal war. Jetzt, wo alles enger wird, wo keiner über die nächsten zwei Monate hinaus zu denken wagt, wo Einsparungsideen, Rationalisierungswille und Flexibilität erste Bürgerpflicht sind, wer traut sich da was gegen die erste Ölung eines SUV sagen?

Gut, Porsche hat eine Geschichte, in der es stets mehr ums Feuer als um den Rauch ging. Selbst im eigenen Haus waren die Vorbehalte so stark, um den Diesel in den ersten fünf Cayenne-Jahren zu verhindern. Und wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass am Blech unseres Testwagens selbst der kleinste Hinweis auf das Verbrennungsverfahren fehlt.

Aber jetzt ist der Cayenne Diesel da, und zwar genau zur rechten Zeit.

Diesel wird helfen, das Absacken der Verkaufszahlen zu bremsen, und ganz nebenbei auch den Flottenverbrauch der Marke behübschen. Denn so viel vorweg: Nur bei totalem Stadteinsatz oder Robin-Hood-mäßiger Verhöhnung der Exekutive lässt sich der Verbrauch über zehn Liter treiben. Die von uns unter hohem persönlichem Einsatz rausgefahrenen neun Liter sollten auch sensibleren Naturen ein reines Gewissen bescheren.

Und der Rest ist ohnehin geradezu erschreckende Normalität:

Immerhin konnte Porsche über die neuen wirtschaftlichen Verwandtschaftsverhältnisse auf einen der besten Diesel der Klasse zugreifen, den 3,0-l-V6-TDI von Audi. Gegen dessen Laufkultur und Leistungsentfaltung gibt es wirklich nichts zu sagen, man wird sich auch üppiger aufgehoben fühlen als im V6-Benziner. Im Cayenne wird dem Audi-Diesel sogar so was wie Sound erlaubt, ein dumpfes Räuspern, eine gefühlte Terz tiefer und aggressiver als im Audi Q7.

Dass die optionale Luftfederung selbst in der Komfort-Stufe ein gutes Stück härter – und für zart besaitete Gemüter vielleicht sogar zu hart – ist, geht als Charaktersache durch. Der in der Wolle gefärbte Porsche-Pilot wird vielleicht anmerken, dass sich die Dinge ab 180 nicht in der gewohnten Art exekutieren lassen, aber … na, ja. Unterm Strich erleben wir das sportlichste Diesel-SUV seiner Klasse, alles andere wäre auch eine Enttäuschung.

In Verbindung mit der serienmäßigen Automatik ergibt sich dann trotzdem Wohlbehagen auf hohem Niveau – auch, weil sich der Cayenne niemals so riesig fährt, wie er auf seine Umwelt wirkt. Die handfeste und edle Haptik der Innenraumverarbeitung nimmt man ebenfalls wohlwollend zur Kenntnis – das war ja beim Cayenne nicht immer so.

Und letztlich dürfte auch die Exklusivität gewahrt bleiben: Denn die 8.000 bzw. 10.000 Euro Aufpreis gegenüber den weitgehend baugleichen Konzernbrüdern werden nicht wirklich durch eine bessere Ausstattung ausgeglichen.

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