Porsche Boxster S Test Seitenansicht
"Geschärft" lautet das Wort, das die Porsche-Leute am öftesten verwenden, wenn sie über das Styling des neuen Boxster reden.
 

Vorstellung: Porsche Boxster

Neuer Boxster: Noch mehr cool, noch mehr schön, noch mehr Porsche. Vor allem als S.

02.05.2012 Autorevue Magazin

Dieser schönste aller echten Porsches ruht nun mehr in seiner Mitte denn je. Als hätte der Mittelmotor ein irgendwie sichtbares Gravitationsfeld. Aber es ist faktisch: Der neue Boxster wuchs im Radstand um 60, insgesamt aber nur um 32 Millimeter. Die Folge: kürzere Überhänge. Er ist niedriger geworden, die Frontscheibe liegt zehn Zentimeter weiter vorne und ist flacher. Die ­Räder wurden größer, das ist sowieso die ewige Designersehnsucht. Und darum steht er jetzt so perfekt ausgewogen da in allen seinen Proportionen, dazu in jeder Einzelheit ­geschärft, akzentuiert und gestärkt, dass man schon beim ersten Hinschauen erkennt, mit dem lässt sich fast alles machen.

Später, in den noch kahlen und kalten französischen Seealpen, bestätigt sich das. Erste Testfahrten auf den Schlachtfeldern der Rallye Monte Carlo. Noch bei 50 km/h und in verschwindend kurzen neun Sekunden ist das Dach unten. Der Dreieinhalbliter-Sechs­zylinderboxer des Boxster S tönt beim Starten raukehlig ins ­Genick. Ein guter Anfang. Dazu passen die sehr bequemen Sitze (keine Spur von Durchrüttelung) und dass es bis Tempo 100 nur wenig zieht.

Schnelle Kurven, schmale Straßen – ein ganz harmonisches Auto ist der Boxster, nicht so gefährlich stark wie etwa ein 911er, mit dem er sich ja ständig vergleichen ­lassen muss, als S mit seinen 315 PS aber in keiner Situation zu ­wenig stark. Mehr Spaß auf ­öffentlichen Straßen macht derzeit kein Porsche. Man kann das auch vom auf 2706 ccm abgeschlankten Boxster ohne S sagen, 265 PS leistet der nun statt wie bisher 245.

Ist der Boxster nicht als ­Alltagsauto mit täglichem Stadtbetrieb in Verwendung, empfehlen wir geradezu das Sechsgang-Handgetriebe. Das Porsche-PDK, aufpreispflichtig, ist so perfekt, dass es schon wieder fad wird, und Handschalterfahren bei tollen Sportlern hat in unseren Tagen ja schon fast was Trotziges, gerade so wie KPÖ-Wählen. Außerdem ist es hier wunderbar abgestimmt und sticktechnisch geschmeidig zu handeln, präzise und lustig. Es stellt eine wesentlich lebendigere Beziehung zum Motor her als das PDK.

Der Boxster ist trotz höherer Steifigkeit auch leichter geworden, was an reichlich eingesetztem Alu (46 Prozent der Karosserie) und Magnesium liegt, außerdem am Verzicht auf den Verdeckkastendeckel (12 kg). Weil das natürlich ­mikroskopisch auch den Verbrauch senkt, sind wir schon bei der Start-Stopp-Automatik, die in allen Boxsters serienmäßig ist. Wer Boxster S mit PDK hat, kann diesen Firlefanz mit dem Sport-Chrono-Paket inklusive Sport-Plus-Taste (böse Schaltstrategie) und Launch Control einigermaßen wettmachen. Fährt man Porsche, wie man eben Porsche fährt, laufen weiterhin so an die zwölf Liter durch die Schläuche. Anders macht’s leider nicht so viel Spaß.

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