porsche 991 911 turbo s front seite
Von vorne gibt sich der Turbo so unauffällig, wie ein 911 eben kann.
 

Vorstellung: Porsche 911 Turbo und Turbo S

Unauffällig bis brutal, und dann schneit noch ein Drehmoment-Gupf aufs Hochplateau.

30.10.2013 Autorevue Magazin

Man kann 911 Turbo im sechsten Gang bei 1000 U/min dahinschlurfen und zwischen Kleinwagen nicht weiter auffallen. Das orange ­Kugerl der Dreh­­­mo­ment-An­zeige rollt dann am Fuß des Drehmoment­berges wie ein Wanderer, der den Aufstieg nicht findet, der ­Boxer-Sound ist innen hörbar, aber kaum außen, und wahrscheinlich will das jetzt überhaupt niemand lesen.

porsche 991 911 turbo s armaturen

Das Wesen des Porsche 911 Turbo liegt dort, wo eine Rennstrecke vor dem Bug mäandert und das Gaspedal gen Boden strebt.

Darauf setzt etwas ein, das man Unkundigen am ehesten mit einem eruptiven Ausbruch sämtlicher Naturgewalten erklärt. Die aktive Hinterachslenkung (elek­tro­nisch angesteuert) spitzt die Dynamik zu, der Fahrer selbst kommt nur mit, weil ihn die Sitzlehne nicht nach hinten kippen lässt, und da reden wir erst vom Turbo ohne S und von unberührter Sporttaste. Drückt man, dann gibt’s am Drehmomentberg noch einen Gupf obendrauf, und wer Sport Plus entfesselt (im Sport-Chrono-Paket enthalten), kann sich fortan in ein Projektil einfühlen: Im schärfsten Sportmodus wandern die Schaltpunkte Richtung Drehzahlbegrenzer, der 911 Turbo wirft alle Schalldämpfer ab und wirkt bis in die letzte Faser vorgespannt. Man kann per Launch Control noch ein wenig nachhelfen, also bei getretener Bremse Vollgas ­vorausschicken und dann alle Schranken niederreißen. Das wirkt zwar alles ein bisserl ­pubertär, was aber ziemlich wurscht ist in jenem Moment freudig zelebrierter Regression.

In gar nicht nüchternen Zahlen: 315 km/h, 3,2 Sekunden auf 100, dank 520 PS und 710 Nm aus dem 3,8-l-Biturbo-Sechszylinder mit Direkteinspritzung. Ohne Sport-Plus-Programm sind es immer noch 660 Nm und 3,4 Sekunden auf 100, das reicht auch zum Stammtisch-King.

porsche 991 911 turbo s keramikbremse felge rad

Der Allesbesserkönner

Der Turbo S kann natur­gemäß alles noch ein bisserl ­besser, sofern auch der Fahrer mitkommt: 560 PS und 700 Nm, 318 km/h, 3,1 Sekunden. Sport Plus entfesselt 750 Nm, da ist es nur würdig, wenn die Keramikbremse im Turbo S serienmäßig dabei ist. Sie bremst noch besser als die Preisschilder: 190.990 Euro für den 911 Turbo, 228.690 für den Turbo S. Das ist viel, aber auch kaum mehr als für den Vorgänger, weil der Neue bei der NoVA deutlich günstiger davonkommt. 13% NoVA hat überhaupt keiner der Konkurrenten, womit der 911 Turbo auch als die Wildsau mit dem geringsten CO2-Ausstoß gelten darf. Schon wieder so ein Satz, den kaum wer lesen will in diesem Umfeld wunderbar hochverdichteten Irrsinns.

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