Porsche 911 Speedster Exterieur Dynamisch Front
Purblau – Die Farbe muss man mögen, oder man ist zur Alternative Carraraweiß ­verdonnert.
 

Vorstellung: Porsche 911 Speedster

Purismus in voller Belederung, ein schlau kalkuliertes Alarmpaket für Sammler.

24.01.2011 Autorevue Magazin

Ein Speedster, Kunstwort aus Speed und Roadster (amerikanische Erfindung), ist etwa die Hot-Rod-Variante des Coupés. Maximilian E. Hoffman, der einflussreiche US-Porsche-Importeur, hatte 1953 eine billigere, asketischere 356-Variante vorgeschlagen, fit für Rennen, mit tiefer Windschutzscheibe, Kunststoff-Steckscheiben an den Türen, Sportschalensitzen und einer Art Notpelerine als Verdeck. Ferry „Fahrspaß-wird-nicht-durch-Komfort-erzeugt“ Porsche reagierte umgehend. Der Weekend-Racer erhielt schnell Kultcharakter. James Dean besaß einen (den er dann für einen 550 Spyder in Zahlung gab) oder Steve McQueen.

Seither reitet Porsche die Legende auf seine spezielle Art, der 911-Baureihe so viele ­Varianten wie möglich abzutrotzen, wie schon 1989 und 1993–94: Ein Ruf an die Klientel der Enthusiasten. Jene 2109, jene 930 Käufer wussten schon, dass sie gemeint waren. Diesmal sind aber nur 356 Kunden aufgerufen, denn die Serie ist limitiert, und schon der Code signalisiert: Hier geht es um eine sammlerverpflichtende Sondermünzprägung, weniger um die reine Botschaft puristischen Autofahrens für Weekend-Racer.

Denn der Speedster fiel trotz schräggelegter Boxster-Windschutzscheibe, trotz Alu-Türen und Alu-Fronthaube ­keineswegs leichter aus als das Carrera Cabriolet. Aber das alarmierende Purblau, der (von deutschen Porschetechnikern so genannte) Dabbelbabbel als Heckpartie, die eingeschwärzten Räder im Fuchs-Design, der ­robustschwarze, vom 964 turbo abgeerbte Steinschlagschutz an der Wespentaille und eine exzessive Anwendung von Leder machen den Speedster im ­Rahmen der 911-Nomenklatur zum Edelporsche. Selbst die Luftausströmgitter sind beledert, jedes Strebchen für sich. Der Speedster-Schriftzug im Bürstaluminium-Handbremshebel ist ein Keramik-Inlay vom Feinsten. Auch in die schwarzen Edelstahl-Schwellertritte ist der Speedster-Schriftzug eingedampft, samt individueller Baustückzahl.

Berechtigt stolz ist man auf die Verdeckkinematik, die sich händisch (nur der Bubble-­Deckel entriegelt sich elektrisch) mit geringem Kraftaufwand zu hoher Festigkeit aufspannen lässt, wobei sie hinten solide am Wagenkörper abschließt, ohne Nut und Nagel. Vorn wird drehverriegelt, fertig.

Der 408-PS-Motor aus dem 911 GTS verfügt über eine Carbon-Luftfilterbox und ein Auspuffsystem, das praktisch nur aus Bypass besteht und ein ­geradezu greifbares Soundgebilde entwickelt.

Trotz Crosstrebe ist der Speedster doch einigermaßen schüttelig in sich selbst, wenn es auf idealen Sträßchen zur Sache geht. Per 7-Gang-PDK ist man immer richtig sortiert (wobei man sich dank gewaltiger Momentenpackung kaum vergreifen kann), und es ist eine Freude, wie der Vorderwagen die Kurven frisst, sich regelrecht darin verbeißt. Der Preis, kann man sagen, symbolisiert noch einmal den Liebhaberwert der Speedster-Legende, man muss ihn nehmen wie eine Offenbarung. Dafür gibt es keine Zusatz-Features mehr. Einziges Zugeständnis: Kann auch in Carrara (sic!)-Weiß bestellt werden.

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