Porsche 911 Carrera Cabrio 991 2012
So perfekt war die Cabrio-Dachlinie noch nie. Extraleichte Magnesiumplatten halten den Stoffbezug in Form. Selbst beim Türzuschlagen bläht sich das Dach nicht mehr auf.
 

Vorstellung: Porsche 911 Carrera Cabriolet

Mit dem tiefgängigsten, raumsparendsten und flachgepacktesten Cabriodach plus Soundsymposer eröffnet Porsche eine neue Dimension musikalischer Haarpflege.

28.03.2012 Autorevue Magazin

Ein fettes Jubiläum wäre anzumelden: Dreißig Jahre Porsche Cabrio. 1982 schlug die große Stunde unseres Hauspredigers Ph. W., und er genoss jede Minute: „Ich, ich allein hab Euch prophezeit, und ich war damals im Öl am Berg, von dem ich herunterrief, die aufgeschnittenen Schüsseln kommen wieder, die Einbäume auf vier Rädern, die großartigen Open-Air-­Landauer, die Feger ohne Dach und Dussel, oh Gott, ich hab geredet wie ein Tier, aber ihr habt ja Watte im Hirn gehabt.“

Porsche 911 Carrera Cabrio 991 2012

Tatsächlich war das Offene in dieser Zeit noch Zeichen von Unvollkommenheit. Das Bertone Ritmo Cabrio und das Talbot Samba Cabrio ­waren ambulante Baustellen mit ­Gerüstplanen überm Dachstuhl. Selbst der Alfa ­Romeo Spider hatte damals seine betrüblichste Phase mit schwarzem Plastikanbauteil

als Heckspoiler. Porsche warb in der Autorevue mit der ­Ansage: „Wir bauen Sportwagen und nichts anderes.“ Heute stellt der nur zufällig in Norddeutschland geborene Oberösterreicher August Achleitner als Director Product Line das aktuelle 911 Carrera Cabriolet vor als vorläufigen Höhepunkt einer Generationenlinie von offenen 911ern, die sich im Lauf der Jahre in der Stoffdachlinie immer mehr der entsprechenden Coupéform anpassten. Das begann beim G-Modell mit einem ­riesigen Kragenaufwurf, den auch der Typ 993 beibehielt, ab Ty­pen­reihe 996 (1997) fand man zur eleganten Z-Faltung, die der 997 ab 2004 fahrdynamisch umsetzen konnte: Öffnen und Schließen bis Tempo 50.

Heute, im Typ 991, gelang ein entscheidender Schritt hin zum Coupé: Die zwei stoff­bezoge­nen Magnesiumspriegel sind so breit, dass sie wie ein Metalldach die perfekte Bombierung definieren, zusammen mit der fast fugenlos integrierten Glasheckscheibe. Vier ­Hydraulikzylinder (zwei davon für den Heckdeckel) stemmen den Vorgang in dreizehn ­Sekunden. Zusammengelegt ist das ganze Paket nur 55 Zentimeter hoch.

Porsche 911 Carrera Cabrio 991 2012

Bei geschlossenem wie geöffnetem Dach sind keine technischen Bauteile sichtbar. Auch das integrierte Windschott klappt sich völlig ohne Platzbedarf weg. Auf Knopfdruck richtet sich der Bügel vollständig auf und rollt eine Art feingesponnenes Tischtennisnetz aus. Beim Dachverschließen wird es ­automatisch eingefahren.

Wesentlich schneller noch, nämlich pyrotechnisch abgefeuert, würde der Überrollschutz hochschießen, der die Passagiere bei einem Überschlag schützen soll. Im Ruhezustand sorgt er für höhere ­innere Rahmensteifigkeit.

Wie gut die ganze Dach­gestaltung gelungen ist, lässt sich genau nachmessen – im Windkanal. Der cw-Wert beträgt erstaunliche 0,30. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass der Spoiler, der bei Tempo 120 automatisch ausfährt, je nach Dach­zustand verschiedene Höhen und Winkel einnimmt. In jeder Stellung findet er aber ­bündigen Anschluss an die ­Karosserie, was ideale Überströmung garantiert. Trotz längerer und breite-rer Karosserie, verbesserter Akustik, um 18 Prozent höherer Steifigkeit und PDK-Getriebe konnte man gegenüber dem Vorgänger nahezu um sechzig Kilogramm leichter werden.

In den sonst wesentlichen Punkten gleichen Carrera ­Cabriolet und Carrera S Cabrio­let dem Coupé. Die 400 PS des 3,8-Liter-Boxer­motors befeuern das Cabrio in die 300-km/h-Liga, der 3,4-Liter-Boxer mit 350 PS fährt ­theoretische Verbrauchsmittel (MVEG) von 9,2 l/100 km ein. Geringen Anteil daran hat auch die in beiden Getriebe­varianten tätige Start-Stopp-Automatik. Das beste Cabrio-Feature liegt aber auf der Mittelkonsole: Es ist der Knopf für den Soundsymposer, der via membranverstärkten Akustikkanal den vollen Klang in die Hut­ablage einleitet. 

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