Porsche-Turbo-6
Turbo war schon mal auffälliger in der 911er- Geschichte.
 

Porsche 911 Testbericht

Und genug ist nie genug. Oder: Auch ein bester Porsche aller Zeiten, irgendwie.

01.02.2008 Autorevue Magazin

Der Turbo, das war ja mal das heißeste Ding des Planeten. Auf der Straße schneller als alle Ferraris und Lamborghinis zusammen, dazu strapazfähig, wie sich das damals schon für einen Porsche gehörte. Aber: Harmonie? Nie! Turbo-Tilt und permanenter Adrenalin-Overboost waren ebenso inklusive wie die Möglichkeit zu einem eleganten Abgang auch noch lange nach dem Kurvenscheitel.

Das muss man alles wissen, bevor man in den aktuellen Turbo steigt. Okay, man hat es mit 480 PS zu tun, aber rundherum atmet alles grundsolide Normalität. Ein Porsche, wie ein Porsche sein muss, keine Experimente, kein Chichi. Konservative Unangreifbarkeit.  Denn man darf es inzwischen ruhig so verkürzen: Die innere Kraft des Neunelfers hat ausgereicht, um Volkswagen zu kaufen – was will man da rumnörgeln? Natürlich hätte das Cockpitdesign längst mehr optischen Zusammenhalt verdient, natürlich ist die Fünfgang-Tiptronic nicht mehr auf dem heutigen Stand der Unterhaltungselektronik. Den Porsche-Fahrer wird es nicht weiter kümmern. Er wird sich auf Anhieb daheim fühlen (ein Turbo ist selten der erste Porsche), und die Automatik ist im Alltag nicht nur eine willkommene Chill-Out-Lounge wider die permanente Turbo-Versuchung, sie erledigt bei Bedarf auch den Null-auf-Hundert-Job um zwei Zehntel schneller als in Handarbeit. 3,7 Sekunden. Unmittelbar, emotionslos, rauchfrei. Der erste Turbo brauchte am Papier sterbenslangweilige 5,5 Sekunden, aber hinterher hätte ein Schluck reiner Sauerstoff gut getan.

Für den weiterführenden Irrwitz ist inzwischen der GT 2 zuständig, ein insgesamt abgeschlankter Turbo ohne Allrad, aber Null auf Hundert kann der beispielsweise auch nicht schneller als der Turbo. Allrad ist überhaupt längst ein Kennzeichen des Rundum-sorglos-Porsche. Der klassische Heckantrieb ist derart aquaplaninggefährdet, dass man sich bei starkem Regen von jedem Fiat 500 eine Demütigung abholen kann.

Trotz Allrad, Turbo, über 1,6 Tonnen ist nicht einmal der Verbrauch besonders auffällig: 13 Liter, das ist in Wahrheit eines Supersportlers kaum würdig. Und mehr geht kaum, weil man sich nach kurzen Augenblicken kinetischer Erregung ohnehin gleich wieder vom Wandler in höhere, behaglichere Schaltebenen durchreichen lässt. Es gibt auch etwas, das man durchaus Federung nennen könnte.

Überhaupt hat der Turbo seine besten Momente dann, wenn man das Potenzial einfach ruhen lässt. Denn natürlich braucht niemand 480 PS für die Bewältigung des Alltags (und beim Clubsport-Nachmittag wäre der Turbo ein einziges Missverständnis), aber sie schaden auch nirgends weniger als hier. Unterm Strich erlebt man einfach nur ein gutes Sportcoupé zu 175.135 Euro und 20 Cent (Testwagen-Preis), aber da sind dann schon die Porsche-Wappen in den Kopfstützen eingeprägt.

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