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Die Million auf Rädern

Manche Träume werden wahr. Wenn auch nur für einen Moment, dieser ist dann aber umso schöner. Wie die Fahrt mit dem Porsche 911 RS 2.7 Coupé eindrucksvoll beweist.

25.07.2016 Press Inform

Details, wie der Carrera-Schriftzug auf der Flanke, die 15-Zoll-Felgen, die charakteristische Frontschürze und die ausgestellten hinteren Kotflügel verraten, dass es sich hier um eine automobile Preziose der ganz besonderen Art handelt – dem Porsche 911 RS 2.7 Coupé. Ursprünglich waren 500 Exemplare als Homologations-Serie für den Rennsport geplant. Letztendlich verließen 1.308 Modelle dieses Über-911ers der 1970er Jahre das Werk in Zuffenhausen; nur ein Bruchteil davon ist noch zu haben. Auf dem internationalen Markt gibt es drei- bis viermal so viele RS-Modelle – alles keine echten. Wer ein gut erhaltenes Exemplar sucht, sollte dann schon mindestens 750.000 Euro parat haben. Besser eine Million.

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© Bild: Werk

Porsche 911 RS 2.7 Coupé: Rein ins Vergnügen

Zugegeben, diese Gedanken schwirren einem durch den Kopf, wenn man sich hinter das Lenkrad begibt. Sobald jedoch einmal in den Sportsitzen Platz genommen ist, verpuffen allzu rationale Gedanken die Kostspieligkeit des Fahrzeugs betreffend. Augenblicklich nimmt einen die Porsche Welt gefangen: Auf den fünf Rundinstrumenten spielt sich nun das Universum ab, das war damals so und wird beim 911er auch immer so bleiben. Im Zentrum steht das Entscheidende: der Drehzahlmesser. Mit einem Dreh am Zündschlüssel, links, versteht sich, erwachen die sechs Töpfe im Heck des Vehikels zum Leben. Heißer röchelnd, wild sprotzelnd, ungehemmt und frei hochjubelnd, sich selbst zelebrierend ohne irgendwelche Beschränkungen. Die waren damals – 1972 – noch weit weg. Mit jeder Bewegung des Gasfußes erwacht der Zeiger des Drehzahlmessers zum Leben. Erst jenseits der 7.000er-Marke, signalisiert ein schmaler roter Bereich das Ende. Intuitiv wandert der Griff zum Ganghebel. Knack, spürbar rastet der erste Gang ein. Die Sportgene des RS sind deutlich fühlbar, das gilt auch für die Kupplung, die es mit einem sehr exakten Druckpunkt dem Fahrer leicht macht. Schon nach wenigen Metern ist klar: Der Kult um dieses Auto, der in astronomischen Preisen kulminiert, ist berechtigt.

Porschiger als vieles von heute

Auch nach vierzig Jahren fühlt sich dieser 911er porschiger an, als so manches aufgepumpte Vierzylinder-Vehikel unserer Tage. Unglaublich, wie präzise diese Rennmaschine mit dem Asphalt spielt. Die Stahlfedern vernichten jegliche kinetische Energie, die der Untergrund gegen die Karosserie wirft. Die Lenkung ist die Verlängerung des Handgelenks. Der Pilot gibt die Richtung vor, der 1.075 Kilogramm schwere Bolide folgt mit der Selbstverständlichkeit eines Sportlers, dessen Athletik nur dem einen Zweck dient, eine Strecke möglichst schnell zu überwinden. Egal, wie viele Kurven oder Hügel den Weg zum Ziel erschweren. Hinten kreischt der Boxermotor metallisch, dass einem das Blut in den Adern gefriert, und fordert den Fahrer mit jeder Umdrehung der Kurbelwelle.

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© Bild: Werk

Alter spielt manchmal keine Rolle

Wer sich nicht der Dominanz der 210-PS-Maschine unterwirft, stiehlt dem Porsche RS 2.7 seine Lebenslust. Die spielt sich nur im Hochdrehzahlbereich ab, unter 4.500 Touren geht nicht viel. Umso mehr im 2.800-U/min-Drehzahlband bis zum roten Bereich. Garniert wird der puristische Tanz der mechanischen Urgewalten mit dem exakt zu führenden Fünfgang-Getriebe. Der knapp 45 Jahre alte 911er ist eine Wucht, die heute noch viele Sportwagen alt aussehen lässt.

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