Porsche 911 Exterieur Dynamisch Front
6,5 Zentimeter plus in der Breite, ein Zentimeter minus in der Höhe. Also krötet der neue Elfer noch verbindlicher am Asphalt.
 

Vorstellung: Porsche 911

Das Urmeter wird neu vermessen. Es wuchs um 56 Millimeter und wurde um einige Gramm CO2 leichter!

03.11.2011 Autorevue Magazin

Nichts ist garantiert, auch Klassiker wie dieser müssen sich immer wieder neu vorstellen und beweisen, denn die neue Generation kann man nicht nur mit alten Geschichten begeistern.

Der Generation Porsche pur folgten die Generationen Porsche bequem, sicher & repräsentabel, also liegt unsere Hoffnung in den feuchten Händen der Jugend. Das Material wird gegeben, die technischen Voraussetzungen sind über die Maßen vorhanden. (Aus der Presseschrift: „Der neue Elfer bietet aber nicht nur bessere Längsdynamik, sondern auch in Sachen Quer­dynamik höchste Performance auf einem bisher unerreichten Niveau.“)

Bei der Pressepräsentation auf der IAA, viel Gewummer und Stroboskopgeblitze von Eventagenturen, die einfach nur das BESTE wollen auf ihrem Gebiet halbabstrakter Projektionen, hören sich Ferdinand Piëch, Wolfgang Porsche, Martin Winterkorn und andere Konzerngrößen in erster Reihe an, wie Walter Röhrl, ­einem grauen Ur-911 ent­stiegen, über seine Jugendtage mit einem gebrauchten 356 schwadroniert.

Durch eine Art Dampfstrahlwaschstraße rollt endlich ein dunkelblauer Carrera S in die Arena, gesteuert vom momen­tanen Porsche-Chef Matthias ­Müller. Musikalische Detona­tionen fackeln den Saal ab.

Aber was ist mit dem Auto? Es sieht aus wie der verkörperte Zeitenstillstand. So fällt auch Müllers Rede aus, mit Schlagworten wie: Zeitlos. Klassisch. 700.000 verkaufte Autos. Haltung. Statement. Lebensstil. Ikonenhaftigkeit. Geringste Verbrauchswerte. Kulminierend in der Ansage: „Der beste 911, den es je gab.“ O.k., damit können wir leben. Mehr wollen wir gar nicht hören, doch gerne nehmen wir „Vorzüge noch besser herausstreichen“ und „Neue Maßstäbe in der Fahr­dynamik setzen“ als Zugabe. Auf Phrasen wie „Faszination erfahren im doppelten Sinne des Wortes“ könnte ein Markenchef von Rang aber schon vor Jahren verzichtet haben.

Porsche 911, hurra! Wer findet die fünf Unterschiede? Ja, die Seitenspiegel sind etwas zurückversetzt. Der Radstand ist für genaue Hinschauer (und Hinternfühler) um zehn Zentimeter länger, das gesamte Auto um 56 Millimeter. Der aktuelle 911 mit dem internen Code 991 wurde um 65 Millimeter breiter und um einen Zentimeter flacher als der Vorgänger 997. Ist also mit Nummerntafel 4 Meter fünfzig lang und dank Leichtbauweise (Aluminium und Stahl) bis zu 45 kg leichter bei höherer innerer Steife.

Alle Versionen kommen grundsätzlich mit weniger als 10 l/100 km aus. Damit sinken auch die Emissionen signifikant. Dazu beschäftigt man das ganze Orchestrion von ­Auto-Start-Stopp, Thermo­management, Bordnetzrekuperation, Siebengang-Schaltgetriebe. In Verbindung mit dem Porsche-Doppelkupplungs­getriebe (PDK) wird das so­genannte Segeln ermöglicht, das (bisher verpönte) Gangrausnehmen beim Bergab- oder Auf-die-rote-Ampel-Zurollen. Auch neu: die elektromechanische Servolenkung; sogar sie dient irgendwie der Effizienzsteigerung und Verbrauchs­reduktion.

So verbraucht der 911 Carrera mit dem neuen 350 PS starken 3,4-Liter-Boxermotor und aufpreispflichtigem Porsche-Doppelkupplungsgetriebe im MVEG nur 8,2 Liter pro 100 Kilometer – 1,6 l/100 km weniger als der Vorgänger. Als erster Porsche-Sportwagen unterschreitet er mit 194 g/km CO2 die Grenze von 200 g/km. Auch beim 911 Carrera S mit 3,8-Liter-Boxermotor und neuerdings 400 PS sinkt der Verbrauch trotz 15 PS Mehrleistung (wieder in Verbindung mit dem optionalen PDK) um 14 Prozent beziehungsweise 1,5 l/100 km auf 8,7 l/100 km.

Gleichzeitig verbessern sich bei beiden Modellen die Fahrleistungen. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h schafft der 911 Carrera S (mit PDK) in 4,3 Sekunden. Mit abermals optionalem Sport Chrono-Paket gelingt die Übung bei gedrückter Sport Plus-Taste in 4,1 Sekunden.

Innen hat sich das Gefüge mehr in Richtung Porsche Carrera GT verschoben, der Fahrer ist tiefer eingebaut, die Schalthebelei liegt näher am Lenkrad. Eines der fünf Instrumentarien ist ein Multifunk­tionsmonitor, doch dem Drehzahlmesser bleibt die Mitte, und das Zündschloss bleibt wie immer fern vom Beifahrer.

Die Einführung der neuen 911-Modelle beginnt am 3. Dezember 2011, die Fahrzeuge sind ab dem 1. September bestellbar. Die Österreich-Preise betragen 104.080 Euro für den 911 Carrera und 121.320 Euro für den 911 Carrera S.

Und so sieht Porsche sein neues Meisterwerk:

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