Porsche 911 Cabriolet
Der neue, offene Elfer ist einfach perfekt.
 

Porsche 911 Cabrio – Ist das wieder deprimierend!

Ein 911er besser machen? Kein Problem. Einfach öffnen.

12.02.2012 radical mag

Weder der Boxermotor noch die Cabriolet-Karosserie sind Erfindungen von Porsche – und trotzdem ist die Marke aus Stuttgart an einem Wegpunkt angekommen, an dem man sich schon Fragen muss: wie machen die das? Jedes Mal, aber auch wirklich immer,  wenn die Ingenieure aus Zuffenhausen einen neuen Elfer vorstellen, ist das Auto besser als sein Vorgänger. Und auch die Cabriovarianten sind entsprechend besser als die bisherigen.

Porsche 911 Cabrio: perfekt

Und, es tut uns wirklich von Herzen leid, es ist auch dieses Mal wieder so: der neue, offene Elfer ist einfach perfekt. Keine Ahnung, wie das Entwicklungsteam in Weissach das wieder geschafft hat. Und noch viel weniger ist zu erahnen, wie sie den Nachfolger des gerade vorgestellten 991 bis in fünf Jahren dann noch besser machen wollen. Aber es muss für die deutsche Premiumkonkurrenz schon deprimierend sein, was man bei Porsche aus einem über 40 Jahre alten Fahrzeugkonzept rausholt.

Wie sich der neue Porsche fährt, kann man im Fahrbericht des Coupé nachlesen. Denn am Grundsatz ändert sich daran beim Cabrio nichts, auch wenn es geringfügig schwerer und etwas weniger spurtstark ist als der geschlossene Elfer. Will man auf öffentlichen Straßen die fahrdynamischen Fähigkeiten der Sportwagen-Ikone ausloten, deponiert man am besten seinen Führerschein gleich auf der Polizeidienststelle seines Vertrauens. Danach hat man den Lappen sowieso nicht mehr. Also, der Elfer geht gut, schaut schick aus und kostet – natürlich mehr als das Coupé. Doch wo liegen die Unterschiede zum geschlossenen Sportler?

Porsche 911 Cabriolet

Porsche hat viel investiert, dass man keine Unterschiede sieht oder spürt.

Mit dem neuen Dach, welches über drei massive Spriegel aus Magnesium verfügt, wurde die Dachlinie des Coupés nun 1:1 übernommen. Wäre das Dach nicht aus Stoff, man würde kaum einen Unterschied sehen. Einzig die Klappe des Verdeckkastens, welche gleichzeitig als Motorhaube dient, würde die offene Variante verraten. Das neue Verdeck ist dank Magnesium nicht nur leichter, sondern soll die Außengeräusche dank einer zusätzlichen Isolationslage stärker dämpfen als bisher. Welche Schande, schließlich klang seit der Einführung der wassergekühlten Motoren kein Porsche-Triebwerk mehr so heiß wie das des 991.

Und das möchte man hören, auch wenn das Verdeck zu ist. Nun, so unglaublich leise wie es uns die Ingenieure an der Pressekonferenz weiß machen wollten, war es dann schließlich doch nicht an Bord des Cabrios. Puh, Glück gehabt!

Wie gehabt ist die vollautomatische Bedienung des Verdecks.

Es dauert keine 20 Sekunden, bis das Dach offen oder geschlossen ist – und diese Betätigung ist wie bis anhin bis zu einem Tempo von 50 km/h möglich. Ganz neu ist das fest installierte, ebenfalls elektrisch angetriebene Windschott. Ohne die geringste Fummelei lässt es sich hochfahren und nimmt dem Orkan im Cockpit nicht nur de Spitzen, sondern stutzt dem Wind ganz ordentlich die Flügel. Will man die hinteren Notsitze – zum Beispiel für den Transport eines Golfbags oder einer Sachertorte – nutzen, fährt man es einfach wieder runter, schiebt das Ding hinter die Vordersitze, und dann wieder hoch mit dem Schott. So einfach geht das, dass man da nicht schon früher drauf gekommen, enttäuscht uns an dieser Stelle schon ziemlich heftig.

Porsche 911 Cabriolet

Glück hatten wir auch, dass wir erstmals einen neuen Elfer mit dem Handschaltgetriebe mit sieben Gängen bewegen durften. Diese Fahrzeuge sind derzeit noch rar und so freute es uns umso mehr, die Autos mit dem zugegebenermaßen ingeniösen Doppelkupplungsgetriebe stehen zu lassen. Selber im Getriebeöl zu rühren macht halt schon noch mehr Spaß.

Und der Elfer ohne Dach, dafür mit sieben Gängen, macht es dem Fahrer auch einfach, Freude am Schalten zu erleben. Obwohl, es wird halt schon langsam eng in den Schaltgassen. Man muss die Gänge – insbesondere Nummer vier, fünf und sechs –  schon gut treffen, also sehr bewusst Schalten, wenn man schnell unterwegs sein will. Wie das Coupé verfügt auch das Cabrio mit Handschaltung über einen mechanischen Sperrmechanismus, welches Schaltfehler vermeiden soll. So ist es nur vom 5. und 6. Gang aus möglich, den „Overdrive“ einzulegen.

Nicht, dass die Schaltbox unpräzis wäre, aber wenn man statt deren vier Schaltgassen nun fünf hat, wird’s einfach eng, auch wenn die etwas breitere Mittelkonsole ein wenig mehr Platz bietet. Bewusst hat man bei Porsche den siebten Gang etwas kürzer gewählt als beim Doppelkupplungsgetriebe, damit man auf der Autobahn nicht ständig in den sechsten Gang zurückschalten muss. So ab Tempo 100 macht der 7. Gang – wenn man es nicht sonderlich eilig hat – auch Sinn. Die Drehzahl und das Geräuschniveau werden massiv abgesenkt. Und beim Verbrauch sind auch nur gute Dinge von der siebten Stufe zu erwarten.

Porsche 911 Cabriolet

Seine Premiere feiert das neue 911 Cabrio am Salon in Genf.

Und feiert auch noch Geburtstag. Denn fast auf den Tag genau vor 30 Jahren wurde ebenfalls in Genf das erste Cabrio des 911ers (damals als G-Modell) der Weltöffentlichkeit gezeigt. Bleibt die Frage, ob man sich eher das Coupé oder das Cabrio leisten soll. Diese Frage zu beantworten wird immer schwieriger, denn dass Cabrio ist in Sachen Fahrdynamik und Leistungsvermögen kaum mehr vom Coupé zu unterscheiden. Also soll der individuelle Geschmack – über den sich eh nicht diskutieren lässt – entscheiden.

Ich persönlich, der Cabrios gar nicht mag, würde mich jedenfalls für den offenen 911er entscheiden, wenn ich denn unbedingt ein Cabrio fahren müsste. Und für die ganz Harten unter den Stoffdach-Freaks sei vermeldet, dass bereits in Paris die Allradvariante des 911-Coupé gezeigt wird. Erfahrungsgemäß gemeinsam mit der 4×4-Version des Cabrios. Damit man im Skiurlaub die hart erarbeitete Gesichts- und Décolletébräune auch im abgelegenen  Bergdorf standesgemäß zu Markte tragen kann.

Porsche 911 Carrera Cabrio

Motor, Antrieb:
Sechszylinder-Boxermotor im Heck, Hubraum 3436 ccm, 350 PS bei 7400/min, 390 Nm, ab 5600/min,  manuelles Siebenganggetriebe oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Hinterradantrieb.

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 5,0 s (PDK/Sport Plus 4,6 s), Topspeed: 286 km/h.

Abmessungen, Gewichte:
LxBxH: 449x181x130 cm, Leergewicht (DIN) 1450 kg, mögliche Zuladung: 400 kg,

Verbrauch:
EU-Zyklus kombiniert: 9,2 L/100 km, CO2 217 g/km; mit PDK: 8,4 (198 g/km).

Porsche 911 Carrera S Cabrio
Motor, Antrieb:
Sechszylinder-Boxermotor im Heck, Hubraum 3800 ccm, 400 PS bei 7400/min, 440 Nm, ab 5600/min, manuelles Siebenganggetriebe oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Hinterradantrieb.

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 4,7 s (PDK/Sport Plus 4,3 s), Topspeed: 301 km/h.

Abmessungen, Gewichte:
LxBxH: 449x181x130 cm, Leergewicht (DIN) 1465 kg, mögliche Zuladung: 400 kg,

Verbrauch:
EU-Zyklus kombiniert: 9,7 L/100 km, CO2 229 g/km; mit PDK: 8,9 (210 g/km).

Vielen Dank an die Kollegen von www.radical-mag.com

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