Renault Twingo Exterieur Statisch Front
Der neue Twingo wird wieder lustiger.
 

Plastische Chirurgie

Eine erste Runde im überarbeiteten Renault Twingo.

19.12.2011 radical mag

Renault musste etwas machen. Auf den ersten Blick sehen die Verkaufszahlen für den aktuellen Renault Twingo gar nicht so schlecht aus. Seit der Einführung im Jahr 2007 wurden immerhin 650.000 Stück von der zweiten Generation verkauft. Im Schnitt wurden pro Jahr sogar mehr als von der ersten Generation abgesetzt, die in 14 Jahren Produktionszeit auf 2,5 Millionen Stück kam.

Und trotzdem: Der Ur-Twingo war (und ist) Kult. Vor allem aber: der erste Twingo wurde in 18 Ländern richtig gut verkauft, der neue Twingo in 40 Ländern nur so mittelprächtig.

Nach vier Jahren erhalten Autos üblicherweise ein Facelift. Eine Kante hier, einen Schwank da, ein paar neue Farben. Beim Twingo wird Renault jetzt aber heftiger und greift zum Mittel der plastischen Chirurgie.

Renault Twingo Exterieur Statisch Front

Nun haben die Franzosen dafür aber nicht  einen Schönheitschirurgen engagiert, einen, der das Skalpell ganz fein führen kann, sondern Laurens van den Acker, der seit 2009 als Chefdesigner amtet. Der hat dem Twingo wahrlich die Fresse poliert. Es soll, so hört man, das neue Familiengesicht von Renault sein, das auch der Clio ab nächstem Jahr tragen wird.

Das soll wohl heißen: charakteristisch. Die neue Front kommt sehr grob rüber für ein Wägelchen, das nur 3,69 Meter lang und 1,65 Meter breit ist. Hinten sieht`s deutlich besser aus. Die jetzt zweigeteilten Heckleuchten sind witzig und folglich passend.

Innen ist alles besser geworden. Die paar Farbtupfer an der Lüftung und auf dem Schaltknauf passen bestens zum Twingo. Es werden hochwertigere Materialien verbaut, was ja der Zeitgeist der Autobranche ist (und der wird von den Deutschen diktiert).

Es ist weiterhin nicht übermäßig viel Platz im Twingo. Der Beifahrer muss etwas weiter nach hinten rücken, sonst stört er den Fahrer bei der Arbeit. Mit 230 Liter Volumen hat der Kofferraum eine anständige Größe. Dazu lassen sich die Rücksitze noch verschieben und umklappen. Dann hat der Laderaum zwar eine Treppe, aber eben auch 959 Liter Ladevolumen.

Wir sind zwei Varianten gefahren: den stärkeren 1,5-Liter-Diesel mit 85 PS und den TCe-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 100 Pferden. Beiden können wir attestieren, dass sie ihre Sache gut machen. Hier muss aber erwähnt werden: den Diesel wird es in Österreich nicht geben, der würde hier nämlich nicht gekauft werden, sagt Renault. Schade eigentlich. Der Diesel ist erfreulich leise, durchzugsstark und sparsam. Auf dem Papier will er nur 3,4 Liter. Die CO2-Emissionen belaufen sich auf 90 g/km. Das soll im Laufe des nächsten Jahres noch besser werden, wenn ein paar Motoranpassungen kommen. Dann sollen 3,2 Liter und 85 Gramm auf dem Papier stehen.

Renault Twingo Interieur

Der Benziner kann es nicht ganz so gut. Mit 4,7 Litern im Schnitt ist nicht nur der Verbrauch bedeutend höher, auch die Fahrleistungen sind, subjektiv erfahren, so viel besser nicht. Auf dem Papier allerdings schon, da rennt der TCe in 9,8 Sekunden auf Tempo 100.  Der Diesel braucht dafür 11,2 Sekunden. Wir staunen aber auch, dass der Benziner fast 50 Kilo schwerer sein soll als der Diesel. Zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht wird auch noch die sportliche RS-Version mit 133 PS.

Das Fahrwerk des Twingo stammt aus dem Clio 2. Soll heißen: In Summe funktioniert das ganz ordentlich. Auch wenn das Heck beim Bremsen mitunter etwas zu leicht wird. Ein bisschen Kurve, ein bisschen heftig in die Eisen – und dann viel Vergnügen. Die Bremsen könnten bissiger sein, aber die großen sportlichen Ambitionen dürften Twingo-Fahrern ohnehin fehlen.
Ein paar Dinge sind wirklich neu beim Twingo. Die Vorhang-Airbags mussten wir glücklicherweise nicht in Anspruch nehmen. Wir nehmen aber erfreut zur Kenntnis, dass es sie jetzt gibt. Gerne gesehen hätten wir das neue Stoffdach. Das ist angeblich genauso toll wie beim ersten Twingo und noch dazu elektrisch.

Dann gibt es neu eine iPhone-Lösung namens Radio Oxygen. Das Smartphone soll dort als Navi und Musik-Quelle gleichermaßen dienen. Über eine Bluetooth-Verbindung werden die Daten des Bordcomputers in eine eigene Renault-App gespielt.
Den 75-PS-Benziner gibt es ab 9.630 Euro. Den TCe 100 Gordini gibt es ab 14.430 Euro.

Mehr zum Thema
pixel