Innovationen fait par Peugeot

Jeder hatte schon einmal einen Peugeot. Sei es eine Pfeffermühle, oder ein Rennrad. Ein Kaffeemahlwerk oder eine Nähmaschine. Ja sogar Bügeleisen und Rasierklingen haben die Franzosen produziert.

30.11.2015 Online Redaktion

Und so ganz nebenbei ist Peugeot auch noch der älteste Automobilhersteller der Welt. Denn kein anderes Unternehmen ist länger am Markt, als der einstige Familienbetrieb mit seinem Stammwerk in Sochaux. 1889 wurde mit dem Serpollet der erste Fahrzeugprototyp vorgestellt, ein Jahre später ging man mit dem Typ 2 dann in Serie.

Seitdem hat die Marke mit dem Löwen – hätten sie gewusst, dass er als Analogie zur Schärfe der Sägeblätter gilt, für Peugeot Anfang des 19. Jahrhunderts weltbekannt war? – so manch technische Raffinesse vorgebracht, die wir nun in loser Abfolge vorstellen wollen.

Diesel-Vorreiter

Da wäre etwa der Dieselmotor, damals noch als Schwerölmotor bezeichnet, den man erstmals in einen PKW montierte. Bisher kannte die Welt den Selbstzünder nur aus Schiffen, Lokomotiven und schweren Lastwagen. Doch der Type 156, dessen Entwicklung 1921 begann und 1925 in einer ersten Serie von 100 Fahrzeugen mit 18PS vom Band rollte, war ein erster Meilenstein von Peugeot. In die Großserie, oder zumindest das, was man damals für so etwas hielt, schaffte es der Zweitakter dann allerdings doch nicht.

Windschlüpfrig: der 402

Dies wollte man mit dem Type 402 erreichen. Doch die neue Mittelklasse machte nicht wegen des neuartigen Motors von sich reden, es war viel mehr das Design. Das Flugzeug hatte die Sinne geschärft für Aerodynamik, für Linien, die schon im Stand von Geschwindigkeit kündeten (na ja, ein bisserl hatte die Anatomie der Fische auch beigesteuert), und die Fahrtrichtung führte immer Richtung Wohlstand. Zumindest theoretisch. Weil die meisten Menschen aber nicht im Flugzeug saßen, sondern am Fahrrad oder bestenfalls am Motorrad, verirrte sich die Stromlinie auch an Gegenstände, denen Windschlüpfigkeit egal sein konnte: Möbel, beispielsweise, oder Küchenwaagen.

Ans Auto, dem der Wind immer im Weg stand, wollten die neuen Linien nur bis dato nur schaumgebremst finden: weshalb der 402 bei seinem Erscheinen 1935 als Sendbote der Zukunft betrachtet werden kann. Ein flach abfallendes und sanft zusammenlaufendes Heck, radikale Front ohne abstehende Scheinwerfer, die sassen eng beieinander hinter dem Kühlergrill. Die geknickte Frontscheibe schien ebenso direkt aus dem Flugzeugbau zu kommen wie das Armaturenbrett, und dann noch das: keine Trittbretter. Damals ein handfester Skandal für die darauf nicht vorbreitete Kundschaft.

Doch der 402 war nicht nur eine gestalterische Pionierleistung, er war es auch technische. Mit der Variante Eclipse führte Peugeot schließlich ganz normal das erste Klappdach-Cabriolet der Welt vor. Der Blechfalter bliebt mit einem in heutiges Geld umgerechneten Kaufpreis jenseits der 150.000 Euro aber einigen Wenigen vorbehalten, die damit über die Croisette flanierten und sich an der Côte d’Azur die Zeit vertrieben.

Der Welteroberer: Peugeot 403

Der erste globale Megastar der Löwenmarke wurde der Nachfolger 403, ein weltweit verkauftes Mittelklassemodell, mit dem Peugeot der Schritt zum ganz großen Volumenhersteller gelang: über 1,2 Millionen verkaufte Einheiten ließen den 1955 vorgestellten Peugeot 403 als erste Baureihe Mitglied im damals noch elitären Club der Produktionsmillionäre werden. Maßgeblichen Anteil hatte daran, eh klar, der 48PS starke Dieselmotor, der vor allem Taxler und berufliche Vielfahrer begeisterte. Sicher waren es aber auch die über ein Dutzend Karosserievarianten, in denen man sich seinen ganz persönlichen 403 bestellen konnte.

604: Erster Seriendiesel mit Turboaufladung

Verantwortlich für die hinreißenden Linien bei Peugeot war seit dem 403 übrigens die Kooperation des neu gegründeten Centro de Style und den Karossiers von Pininfarina. Mit Erscheinen des 604 im Jahr 1975 haben die Designer sicher eines ihrer Meisterstücke abgeliefert. Die zeitlose Eleganz der 4.72m langen Oberklasse-Limousine zeigte auf formvollendete Weise, welche Fahrkultur prestigeträchtige Automobile französischer Provenienz bieten konnten. Schließlich war der 604 nicht nur schön, sondern auch der erste Sechszylinder der Nachkriegsgeschichte von Peugeot. Mit dem 604 TD führte man zudem den ersten Seriendiesel mit Turboaufladung im europäischen Markt ein.

 

Staatsangelegenheit: 604 HLZ

Zwar sollte der 604 eigentlich sogar mit einem V8 auf den Markt kommen, die Ölkrise drehte diesem Vorhaben aber sprichwörtlich den Hahn zu. Dass er sich dennoch gerade in den USA durchsetzen konnte, lag vor allem am großen Komfort, den man mit opulenten Ausstattungen, bis hin zu einer von Heuliez um 62cm gestreckten Variante mit zusätzlichen Klappsitze im Fond, Fernsehen, Bar und Bürokommunikationstechniken anreichern konnte. Derart ausstaffiert diente der 604 HLZ nicht nur den Franzosen für präsidiale Repräsentationsaufgaben.

Die 80er: Die Ära des 205

Etwas weniger üppig und gerade deshalb so erfolgreich war keine zehn Jahre später der 205. Er wurde zur Ikone einer ganzen Generation, nicht nur in Frankreich. Seine kompakte Bauweise, die robuste Technik und nicht zuletzt das gestalterische Geschick von Pininfarina ließen den kleinen Peugeot zum absoluten Verkaufsrenner werden. Über fünf Millionen Stück brachte Peugeot an den Mann, darunter die heißen GTI-Geräte, die auch heute noch für große Entzückung am dünnen Lenkradl sorgen. Wer es ganz grob wollte, der bestellt übrigens einen 205 Turbo 16 – die Homologationsversion der Gruppe B-Monster, mit denen die Franzosen nicht nur die Rallyepisten der Welt dominierten und zwei WM-Titel holten, sondern auch am Pikes Peak vorherrschten und die Rallye Dakar gewannen.

Peugeot-205-t16_parisdakar_1987

Erster Serienfahrzeug mit Ruß-Partikelfilter: der 607

Im Gegensatz zu seinen Wüstenbrüdern völlig staubfrei war indes der 607, den Peugeot kurz vor der Jahrtausendwende präsentierte. FAP hieß die Weltneuheit, Filtre à particules, und war der weltweit erste Partikelfilter für Dieselmotoren. Zwar haperte es am Anfang noch ein wenig mit der Haltbarkeit, auch war die Zumischung eines speziellen Additives zur Eliminierung des Rußes nötig, doch die Franzosen machten ihrem Ruf als Technologie-Vorreiter mit dem Bestreben nach einem sauberen Abgas alle Ehre.

Ein neuer Weg: HybridAir

Überhaupt ist es seit den 2000ern vor allem die Umwelt, um die sich die Franzosen sorgen. Dabei hört es nicht bei kleinen, sparsamen Motoren und innovativer Abgasreinigung auf, es sind vor allem Lösungen wie das HybridAir-System, die Zeuge des freien Geistes auf den Fluren der Ingenieurbüros in Paris sind. Denn, warum sich an einem schweren, teuren, chemisch nicht unbedenklichen Akku festhalten, wenn es auch mit Luftdruck geht? Vor einem guten Jahr hat Peugeot das System, das auf zwei Hydraulikpumpen und einem dazugehörigen Druckspeicher besteht, bereits in fahrfähigen Prototypen gezeigt und das Ergebnis war verblüffend.

Im Schiebebetrieb treibt die Bewegungsenergie des Autos die eine Hydraulikpumpe an, die im Druckbehälter eine Stickstofffüllung komprimiert. Unter Druck ist das Gas wie eine Feder gespannt und kann, wenn der Fahrer von der Ampel losbeschleunigen will etwa, wieder expandieren und nun die Hydraulikpumpe antreiben, die mit der derart gewonnenen Energie den Benzinmotor unterstützt. Zwar reicht die Energie nur für ein paar Sekunden, Peugeot verspricht aber, dass genau darin der Vorteil liegt, weil das System entsprechend auch in ein paar Sekunden wieder geladen ist. 41PS bringen sie aktuell aus dem HybridAir-Antrieb und realistischen Schätzungen nach, soll man bis zu 85% der Zeit im Stadtverkehr allein mit der „Luftpumpe“ fahren können.

Die Zukunft

Ganz und gar nicht Luftpumpen wird der 308 R HYbrid den Peugeot, sofern wird das richtig verstanden haben, in Serie bauen möchte. Ein Plugin-Hybrid, der ganz elektrisch, lautlos und emissionsfrei fahren kann, bei Bedarf aber den 1,6-Liter mit 270 PS mit Sperrdifferenzial sowie einen Elektromotor mit nochmals 115 PS vorne und dazu einen weiteren Elektromotor mit noch einmal 115 PS für die Hinterachse in den Ring wirft. Kurz, ein allradgetriebene Gerät, 500 PS stark , in weniger als 4 Sekunden auf 100 km/h und elektronisch eingebremst 250 km/h schnell, das der Konkurrenz das Fürchten lehren wird. Wann er kommt und wie viel er kosten soll, das verraten die Franzosen noch nicht, aber irgendwie sieht das Ding schon sehr fertig aus, inklusive dem neuen i-Cockpit.

Jetzt mal ehrlich: wer hätte das gedacht? Und ausserdem: es ist dies der schärfste Plug-in-Hybrid hinter LaFerrari, Porsche 918 Spyder und McLaren P1. Solch wildes Treiben hätten wir Peugeot nun wirklich nicht zugetraut. Und freuen uns um so mehr. Man darf die Alten einfach nicht unterschätzen.

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