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1941 Peugeot VLV: Das 1. Elektroauto der Franzosen

Die Zukunft des Elektroautos hätte bei Peugeot mit dem Kleinstfahrzeug VLV 1941 beginnen können. Damals wurde das Elektroauto aus der Not heraus entwickelt.

13.04.2016 Press Inform

1941 tobt der Zweite Weltkrieg, zahllose Fabriken und Unternehmen müssen – oftmals gegen ihren Willen – Kriegsgeräte herstellen. Darunter auch der große Automobilhersteller Peugeot in Frankreich. Zudem wird der Treibstoff von den deutschen Besatzern rationiert. Da die Menschen dennoch von A nach B müssen, werden Alternativen gesucht. Neben den sogenannten Velocars, sprich per Fuß angetriebenen Fahrzeugen mit leichter Karosserie, fahren um 1941 rund 65.000 gasbetriebene Wagen durch Frankreich. Ob Holz, Papier, Kohle oder Stroh – das Material wird zumeist in einem hinterhergezogenen Ofen verbrannt, das gewonnene Gas gefiltert und komprimiert und dem im Heck befindlichen Motor zugeführt. Dass es auch anders und vor allem weniger explosiv geht, zeigen ein paar Ingenieure und Designer aus dem Hause Peugeot auf, die ohne Wissen der deutschen Besatzer den VLV auf die Räder stellen.

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© Bild: Werk

Peugeot VLV – Geschwindigkeit, Reichweite und Gewicht

Das Voiture Legere de Ville, was übersetzt so viel wie leichtes Stadtfahrzeug bedeutet, ist ein 2,67 Meter langes, 1,21 Meter breites und 1,27 Meter hohes zweisitziges Cabrio mit Faltdach und einem Elektroantrieb. Der bis zu 3,5 PS starke Elektromotor im Heck wird von vier in Reihe geschalteten Zwölf-Volt-Bleibatterien mit Strom versorgt. Insgesamt stehen so 48 Volt und 82 Amperestunden zur Verfügung. Eine Leistung die für knapp 33 Kilometer pro Stunde und eine Reichweite von 80 Kilometern sorgt. Der Preis für so viel Strom schlägt sich im Gewicht nieder. Denn von den insgesamt 350 Kilogramm Gesamtgewicht gehen allein 160 Kilogramm aufs Konto der Batterien. Der heckangetriebene Sonderling kann dafür an jeder haushaltsüblichen Steckdose wieder aufgeladen werden.

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© Bild: Werk

Statusanzeige und gemeinsame Trommelbremse

Auffällig ist aber nicht nur das Gewicht des hauptsächlich von Postboten oder Ärzten gefahrenen VLV, sondern sein Design. Misst der Abstand zwischen den beiden Rädern in der Front noch 1,05 Meter, beträgt die Spurbreite der 1,79 Meter weiter hinten installierten Räder im Heck nur 33,5 Zentimeter. Der Vorteil: Sie können sich eine Trommelbremse teilen. Für die Federung sorgt an allen vier Rädern ein Blattfedersystem, was für ein wenig Komfort im Stahl-Monocoque inklusive zweier Versteifungsstreben im Unterboden sorgt. Per Gaspedal wird der Befehl zum Beschleunigen erteilt. Ein Vorwärts-Rückwärts-Hebel steuert die Motorlaufrichtung. Die beiden Seitenscheiben lassen sich manuell per Kurbel bedienen. Informationen über den aktuellen Ladezustand der Batterien sowie über die aktuelle Geschwindigkeit liefert je eine Anzeige. Insgesamt fertigt Peugeot im Jahr 1941 377 Exemplare des VLV in La Garenne.

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