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Aus keinem Blickwinkel gleitet der 308 in Beiläufigkeit ab, was man ihm hoch anrechnen kann. Man kann aber auch feststellen, dass beim Design etwas übertrieben wurde.
 

Peugeot 308 Testbericht

Hier fällt es erstmals richtig auf: Die Kompaktklasse platzt aus allen Nähten. Aber innen herrscht eitel Wohnlichkeit.

01.01.2008 Autorevue Magazin

Auf den ersten Blick sieht er aus wie normal, das klassische Thema kompakter fünftüriger Fronttriebler mit umlegbaren Rücksitzen scheint in der üblichen Evolutionsschrittfolge „größer, stärker, schwerer, kompletter, also teurer“ vorangetrieben worden zu sein, doch beim zweiten, dritten Hinsehen wird man nachdenklich: Mit allen Attributen des Kompaktseins versehen, ist der Wagen doch seltsam üppig geraten, ein Saurierbaby rüttelt am Gehschulgitter, allein die Bugpartie nimmt, für sich betrachtet, geradezu groteske Dimensionen an. Drei bis fünf verschiedene Designer scheinen sich ex aequo durchgesetzt zu haben und türmen ihr Bestes aufeinander: Vorkau, Unterkiefer, Mundschutz, Seitenbacken, Löwenmaul und Ramsnase. Die A-Säulen wollen auch noch mitmischen und schicken ihr Muskelspiel nach vor, um die Glasmenagerie der Scheinwerfer-Aquarien auf ihre Plätze zu verweisen. Früher wurden aus so viel Glas ganze Windschutzscheiben gegossen. Das ist machtvoll viel Gedöns für einen Kompaktwagen, dabei versinkt noch nicht einmal das Dach ins Heck (was bei den Franzosen sonst meist eine Entschuldigung für vornübergekipptes Design hergibt). Dabei wurde doch bloß eine gute Tat erledigt: Der cw-Wert konnte auf sensationelle 0,29 gesenkt werden. Keine Breitmaulfrösche in Sicht.

Dennoch: Der Peugeot 308 könnte das erste Auto sein, das vom eigenen Design erdrückt wird, denn auch das Heck sieht äußerst befrachtet aus.

Unerhörte Größe zeigt auch das Panoramadach (Serie bei Exclusive und Active Pro, sonst rund 450 Euro Aufpreis), das wahrscheinlich größte freitragende Glasdach, das je in einer Kompaktlimousine installiert war. Es lässt sich elektrisch unterdecken, was ihm am besten steht, denn bei Kälte lässt einen so viel ungeschützte Helligkeit frösteln, und unter Sonnenbestrahlung erhitzt man dort, wo die Klimaanlage nicht hinbläst. Aber: Fondpassagiere fühlen sich erhellt.

Der weitere Innenraum ist voll detaillierter Kleinteiligkeit, speziell, was die wichtigen Bedienelemente Navigation, Audio und alle die zahlreichen praktischen Nebenfunktionen betrifft. Der Parfumspender bleibt besser leer. Selbstregelndes Sicherheitsfeature: Man muss einfach stehenbleiben, um diese Winztasten bedienen zu können. Umso festlicher und übersichtlicher sind die schönen Hauptarmaturen gestaltet.

Die massive Frontpartie behindert teilweise auch die Sicht. Hinter A-Säule plus Dreieckfensterleiste können ganze Radfahrer und Kinderwägen verschwinden, vor allem zur kalten Zeit, wenn der Bereich teilweise vereist oder beschlagen ist. Aber das ist ein generelles Problem bei Minivans und anderen weit vorgebauten Typen. Das dynamische Kurvenlicht in der Active-Pro-Ausstattung unseres Testwagens bietet hier nachts eine gewisse Abhilfe.

Von Sitzposition, Primär-Bedienbarkeit und Rücksitzgenerosität her ist der 308 ganz erfreulich; man erreicht fast Passat-Dimensionen. Die Türen schwingen weit auf, ermöglichen bequemen Zustieg. Der Kofferrauminhalt liegt mit 430 Liter über den in dieser Klasse üblichen Dimensionen und ist auf klassische Weise vergrößerbar.

Dank seines Layouts und des erwachsenen Fahrwerks (McPherson vorne, verformbare Querträger hinten) verfügt der 308 über hervorragende Eigenschaften, was zügige Fahrweise, aber auch Langsamfahr-Komfort betrifft. Die ungewohnt breite Spur führte dazu, dass wir öfter einmal über den Randstein curbten.

Der 150-PS-Motor gefällt durch spontanen Zubiss und lässt Diesel ziemlich müde aussehen. Allerdings war er trotz e-hydraulischer Lenkung, trotz Michelin-Energy-Saver-Bereifung, trotz gemeinsamer Entwicklungsarbeit mit BMW kaum unter 9 Liter Verbrauch zu bringen. Insofern ist die gierige Frontpartie wiederum berechtigt.

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