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Peugeot 308 GTi – Schub ohne Umkehr

Peugeot zoomt seine 308er-Reihe nach oben. Vorerst äußerste Eskalations-Stufe: Der Peugeot 308 GTi.

30.11.2015 Online Redaktion

Die Nacht hilft der Dramatik. Es ist ohnehin nicht so, dass Peugeot beim 308 GTi die hellen Töne und den lockeren Auftritt betont, da kommt es nicht ungelegen, wenn die Wahrnehmung am Rand ins Schwarze verwischt. Volle Konzentration auf das Wesentliche: ab 1.205 kg Leergewicht, 200 kW (270 PS), 330 Nm, Torsen-Sperrdifferenzial. 0–100 in 6 Sekunden, Vmax 250 km/h (abgeregelt). Wir stehen also dort, wo ein Porsche Boxster beginnt.

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© Bild: Michael Szemes

Doch es ist nicht nur die schiere Leistung, die hier stilbildend ist. Nach dem Einsteigen wird man empfangen von mächtigen Sitzen, die einen rauledern umarmen bis hoch zu den Schultern, die schwarze Kraftkammer ist minimalistisch eingerichtet mit Lichtakzenten in weiß und rot. Für musikalische Untermalung sorgt eine Denon-Anlage, fein ausbalanciert und warm im Klang, ohne Verzerrungen auch in hohen Lautstärken. Materialien und piekfeine Verarbeitung verdichten sich zu einem gediegenen Ambiente, das den Vergleich mit einem 1er-BMW oder Audi A3 nicht scheuen muss.

Lasst die Zeiger tanzen

Wiener Höhenstraße, neun Uhr abends. Rot glänzend rauscht der GTi vorbei an den Liebenden, die mit laufendem Motor am Cobenzl in der ersten Winterkälte parken. Der Trubel der Stadt schimmert aus der Ferne herauf. Erster Härtetest: Das Kopfsteinpflaster bringt das Fahrwerk nicht aus der Ruhe, im Sportmodus spürt man die Fugen freilich detailreicher. Vor allem aber: Kein Knistern im Innenraum.

Glücksbringer auf den Geraden ist freilich der Motor. Die 1,6-Liter-Maschine dreht dank Twin-Scroll-Turbo leichtfüßig in den Begrenzer und drückt saftig an am Wellenkamm: 330 Newtonmeter! Unterlegt wird das Spektakel im Normal-Modus von einem Grummeln, das subtil das gediegene Ambiente konterkariert und sich per Sporttaste zu einem eindringlichen Fauchen mit Boxer-Note akzentuieren lässt – künstlich zwar, aber süchtigmachend.

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Und wenn das Kopfsteinpflaster in gewundene Asphaltstraßen übergeht, freut man sich, dass der Motorsound digital und das Sperrdifferenzial analog ist, und nicht umgekehrt. Das Torsen sorgt dafür, dass die Leistung tatsächlich auf die Straße kommt: Kein Schieben, kein Zerren in der Lenkung, ordentlich Grip – so müssen sich Fronttriebler nicht mehr hinter dem Ofen verstecken.

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Sehr gelegen kommt hier natürlich das kleine Lenkrad, wie überhaupt das sogenannte i-Cockpit plötzlich sehr schlüssig wird: Die roten Instrumente am Horizont, liebevoll gegenläufig tanzend, das griffig belederte Lenkrad, die reduzierte Umgebung, das wirkt alles made for GTi, sehr fokussiert, sehr dienstbar. Das Touchscreen-Bediensystem ist logisch aufgebaut, braucht jedoch immer eine Gedenksekunde zum Reagieren. Auch die Rückfahrkamera ist bisweilen erst aufgewacht, wenn das Wendemanöver schon beendet ist – Merke: Dies ist ein schnelles Auto.

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Der Schalthebel ist tatsächlich metallen und aus dem Vollen gefräst (besonders beim winterlichen Kaltstart), das Getriebe angenehm knochig, die Schaltwege sind von angemessener Länge. Mächtig sind schließlich die Bremsen: Aufwändig gefräste Scheiben (innenbelüftet) mit 380 mm Durchmesser an der Vorderachse sorgen für entsprechende Verzögerung.

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© Bild: Michael Szemes

Mehr Antritt als Auftritt

Zeit für einen Blick auf die Linienführung im dumpfen Licht einer Straßenlaterne. Der Peugeot 308 ist bekannt feine Ware: Zeitlos minimalistisch im Auftreten und hier nur dezent sportlich akzentuiert. Spoilerwahn sollen andere. Dafür sind die mattschwarzen Felgen pro Stück zwei Kilogramm leichter als die Standard-Felgen, passenderweise wurden sie „Carbone“ getauft. Nur Insider werden im Straßenverkehr erkennen, dass es sich hier um ein Topmodell handelt, es sei denn, man entscheidet sich für die perfide „Coupe Franche“-Lackierung: Vorne rot, hinten schwarz. Um sich noch effizienter zu tarnen in der Nacht.

  • hellipirelli

    Ich bin mit dem 308 GTi eine ausgedehnte Proberunde (fast 100km auf verkehrsarmen Landstraßen) gefahren und kann nur bestätigen: das Auto ist eine Wucht, besonders, was die zielgenaue Lenkung, die Bremsen, die Torsen-Sperre und das smooth zu schaltende Getriebe angeht. Drehmoment hat der Motor mit variabler Ventilsteuerung und zweiflutigem Turbolader natürlich überall, also kann man auch schaltfaul und Benzin sparend im Verkehrsfluss mitschwimmen. Sitze und Sitzposition, Verarbeitung der Karosserie und des Innenraums suchen in dieser Klasse ihresgleichen. Und das Ganze ausstattungsbereinigt um einige Tausender billiger als ein um 40 bzw. 50 PS schwächerer Golf GTI.

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