Parken Kurzparkzone Parkpickerl Wien Renault Twizy
 

Stelldichein

Parkraum in Wien ist noch seltener als ­politische Überzeugungen.

04.05.2012 Online Redaktion

Der Aufschrei war zwar groß und die Diskussion lang, als in Wien die Ausweitung der Kurzparkzonen beschlossen wurde. Aber das war ein Wahlversprechen der Grünen und wird jetzt umgesetzt. Für die Tatsache, dass es so etwas überhaupt noch gibt, müsste fast schon Applaus gespendet werden.

Jetzt ist es aber so, dass im Wahlprogramm der ­Grünen zum Thema Verkehr noch ganz andere Dinge standen. Das Parkpickerl sollte „flexibler und im Sinne der Anrainer gestaltet“ werden. Günstigere Gebühren für Pendler? Geringverdiener? Studenten? Nein. Mit den Anrainern, das weiß man jetzt, sind Unternehmer gemeint. Die dürfen nun nicht mehr nur für ihre Lkw, sondern auch ihre Firmen-Pkw ein Parkpickerl beantragen. Die Anrainer werden sich bedanken, während sie auf der Suche nach einem Parkplatz zum dritten Mal um den Block fahren.

Schade. Das ist nämlich genau das Gegenteil von „bessere Luft durch weniger Autoverkehr“, wie es im Wahlprogramm steht. Zwei Dinge fallen einem ein, die den Verkehr optimieren und das Parkplatzproblem entschärfen könnten. Zum einen: Carsharing. Die Nachfrage wächst, und mit Car2go ist in Wien ein ziemlich smarter Anbieter auf dem Markt. Gratis parken? Fehlanzeige. 1,5 Millionen Euro Parkgebühren hat Daimler für zwei Jahre vorgestreckt.

Möglichkeit zwei: Roller statt Autos, elektrisch oder auch mit Verbrennungsmotoren, und Geräte wie der Renault Twizy. Doch auch hier wird abkassiert. Der Renault Twizy wäre ein tolles Prestigeobjekt für die Wiener Stadtregierung. Eine Parkgebühr-Befreiung würde kein Geld kosten, weil der Twizy im Straßenbild inexistent ist. Egal. Volle Gebühren. In Innsbruck und Klagenfurt darf der Renault gratis parken.

Und so kommt es, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, die Grünen hätten mit der Ausweitung der Kurzparkzone ein Wahlversprechen gehalten. Vielmehr denkt man an Abzocke. Die ist nämlicher leichter umzusetzen als ein ernsthaftes, tragfähiges Konzept.

  • Norbert

    Sehr schade – der Twizy wäre wirklich ein sinnvoller Roller-Ersatz, der nicht wesentlich mehr kostet als ein neuer Großroller, dafür aber doch weit mehr passive Sicherheit bietet. Grad für die Stadt sehr spannend. Dass hier in Wien für den Twizy aber Parkgebühren fällig werden, ist leider ein neudeutscher Showstopper.
    Dann fahr ich halt weiter Zweitakter und verbreite Retro-Abgasgerüche…

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